Bild von dem Projekt Zugwiesen

Mit Naturschutz-„Summercamps“ vermittelt NatureLife-International gemeinsam mit der Stiftung Energie und Klimaschutz Baden-Württemberg Kindern auf spielerische Art und Weise die Vielfalt der neu entstandenen Neckarnatur.

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Die Zugwiesen am Neckar – ein nachahmenswertes Beispiel

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen bei Landschaftseingriffen

Städte, Gemeinden und Landkreise stehen bei unvermeidlichen Landschaftseingriffen – etwa beim Bau von Straßen oder Neubaugebieten – vor der Frage des gesetzlich erforderlichen, landschaftsökologischen Ausgleichs. Früher wurden oft kleine und nur schwierig realisierbare Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen. Inzwischen wird immer deutlicher, dass es sinnvoller ist, verschiedene Eingriffe zu bündeln und im Rahmen eines großen Naturschutzprojekts umzusetzen.

Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist das Renaturierungsprojekt Zugwiesen der Stadt Ludwigsburg. Nach einer über zehnjährigen Planungsphase entstand im Neckartal ein Rückzugsraum für selten gewordene Tiere und Pflanzen. Begleitend erfolgten Maßnahmen zur Besucherlenkung.

Breite Umweltbildung sieht man bei der in Ludwigsburg ansässigen Umweltstiftung NatureLife-International (NLI) als grundlegende Voraussetzung für die Etablierung nachhaltiger Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme. Deshalb engagiert sich NatureLife für die Schaffung von Naturerlebnisräumen und unterstützte schon frühzeitig die ehrgeizigen Pläne der Stadt für dieses groß angelegte Renaturierungsprojekt mitten im Ballungsraum.

Das Zugwiesen-Areal an der Staustufe Ludwigsburg-Poppenweiler konnte im Februar 2012 durch die Flutung eines rund 1,7 Kilometer langen Seitengewässers sowie mehrerer Seen entlang des 367 Kilometer langen Neckars erfolgen.

Es entstand eine 18 Hektar große Auenlandschaft mit Stillgewässern, Flachwasserzonen, Seen, Tümpeln, Sumpfbereichen und Inseln. Bereits während der einjährigen Bauzeit konnten tausende Besucher erleben, wie sich die Natur das Areal schrittweise zurückerobert. Die Renaturierung des Uferbereichs in Verbindung mit dem Rückbau der Uferbefestigung aus den 50er Jahren ist heute ein ökologisches Highlight für die Region Stuttgart mit mehr als drei Millionen Einwohnern.

Interessierte konnten die Entwicklung des großflächigen Feuchtbiotops von dem von NatureLife initiierten Beobachtungsturm „Storchennest“ aus verfolgen.

Modellprojekt mit gesellschaftlichem und ökologischem Mehrwert

Das ehrgeizige Modellprojekt Zugwiesen wäre trotz der Eigenmittel der Stadt Ludwigsburg, der Projektmittel der Bundesschifffahrtsverwaltung, des Umweltministeriums Baden-Württemberg und Förderungen der Umweltstiftung der Kreissparkasse Ludwigsburg und anderen Förderern ohne Ausgleichsmaßnahmen für Landschaftseingriffe nicht realisierbar gewesen. Die Stadt Ludwigsburg verwendete hierfür unter anderem Finanzmittel, die für den ökologischen Ausgleich der Erschließung eines Baugebietes oberhalb des Neckars bei Ludwigsburg-Neckarweihingen aufgebracht werden mussten.

Solche Maßnahmen stoßen immer wieder bei den einen oder anderen auf Kritik. So wird angeführt, dass Naturschutzprojekte schon wegen der generellen gesellschaftlichen Zielsetzung finanziert werden müssten und nicht erst durch Landschaftseingriffe machbar sein sollten.

Diese Betrachtungsweise verkennt jedoch, dass Wohn- und Gewerbegebiete ebenso wie Straßen und andere Landschaftseingriffe – sofern die verschiedenen Genehmigungsverfahren deren Zulässigkeit bejahen – ohnehin erfolgen. Genau hier kommt das sogenannte Ökokonto ins Spiel, das einen landschaftlichen Ausgleich oder eben entsprechende Ausgleichsabgaben für Maßnahmen an anderer Stelle verbindlich vorschreibt.

Vier Jahre nach der Flutung des Zugwiesengeländes sind die Ziele der Stadt Ludwigsburg und deren Partner in mehrfacher Hinsicht voll erfüllt. Begleitende faunistische wie floristische Untersuchungen ergaben, dass sich eine Vielzahl zuvor im mittleren Neckartal verschwundener oder selten gewordener Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben. Viele tausend Menschen erleben wöchentlich lebendige Natur.

Claus-Peter Hutter, Präsident der Umweltstiftung NatureLife-International und Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg

Info: Daten und Fakten zum Pilotprojekt „Zugwiesen“ bei Ludwigsburg-Poppenweiler (Landkr. Ludwigsburg)

Vorgeschichte, Entwicklung und Entstehung:

  • 1998: Idee für das Zugwiesen-Projekt
  • 2009: erster Spatenstich
  • Februar 2012: sanfte Flutung des Gebietes
  • 13. Juni 2012: Einweihung der Zugwiesen
  • 2012 – 2013: Abtragung des 800 Meter langen Neckardammes
  • 2013: Abschluss der Renaturierungsmaßnahmen

Lage: Gemarkung Ludwigsburg-Poppenweiler
Größe: ca. 18 Hektar

Der Zugwiesenbach:

  • Länge: 1,7 km langer Zugwiesenbach (Umgebungsrinne)
  • Breite: 3-5 Meter
  • Höhenunterschied vom unteren Lauf zum Oberen Lauf: 7 Meter
  • Fließgeschwindigkeit auf durchschnittl. 0,3 – 1,4 m/s mit Riegeln aus 44 präzise gesetzten Muschelkalkblöcken reduziert. Fische können dadurch die Steinriegel passieren und in den oberen Abschnitt gelangen.
  • Bei durchschnittlicher Wasserführung werden 1000 l Neckarwasser pro Sekunde in den Zugwiesenbach abgezweigt.

Kosten: 8,5 Mio. Euro

Weitere Informationen zur Organisation NatureLife-International finden Sie auf dieser Seite.


Stiftung für Umwelt, Bildung und Nachhaltigkeit
Karlstraße 7
71638 Ludwigsburg

Tel. +49 (0)7141 / 920 321
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2. Juni 2016


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