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Warum bei Parkplätzen weniger manchmal mehr ist

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat eine Umfrage zur Parkraumsituation in den Städten Braunschweig und Halle an der Saale durchgeführt

„Wenn wir überrascht sind, stehen wir der Wirklichkeit gegenüber.“ Treffender als mit diesem Satz des französischen Philosophen Paul Valéry könnte man kaum den Nutzen der Umfrageforschung bezeichnen. Die meisten Menschen neigen dazu, das für wahr zu halten, was ihnen einleuchtet. Doch nicht selten erweist sich das als richtig, was niemand für möglich gehalten hat. Umfrageergebnisse zwingen den Betrachter aus seinen Vorurteilen heraus.

Ein Beispiel hierfür ist eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zur Parkraumsituation in den Städten Braunschweig und Halle an der Saale. Den Ausgangspunkt der Untersuchung bildete der von der APCOA Parking, dem führenden Parkhausbetreiber in Deutschland, entwickelte „Parkraumindex“. Dabei handelt es sich um eine Analyse der Parksituation in deutschen Groß- und Mittelstädten, bei der objektive Kriterien wie der Umfang des in die Stadtzentren einströmenden Verkehrs, die Zahl der Kraftfahrzeuge pro 1000 Einwohner und die Zahl und Verfügbarkeit der Parkplätze in den Innenstädten berücksichtigt werden.

Die Daten des Parkraumindexes zeigen, dass die Parkraumsituation in Braunschweig besonders angespannt ist, das heißt, dass für die Zahl der vorhandenen Fahrzeuge vergleichsweise wenig Parkplätze zur Verfügung stehen, während umgekehrt in Halle an der Saale sehr viele Parkplätze vorhanden sind, so dass sich die Lage aus Sicht der Autofahrer eigentlich als relativ entspannt darstellen müsste.

Bei APCOA kam man nun zu dem Schluss, dass es wünschenswert wäre, die objektiven Daten des Parkraumindexes durch subjektive zu ergänzen: Wird die Parksituation von der Bevölkerung auch so wahrgenommen, wie es die Daten des Parkraumindexes nahe legen, oder gibt es noch andere Faktoren, die die Zufriedenheit mit der Parksituation beeinflussen? Dies sollte die Umfrage in den beiden Städten klären.

Die Ergebnisse sahen auf den ersten Blick so aus, als seien bei der Auswertung die Städte vertauscht worden: Auf die Frage „Wie leicht ist es für gewöhnlich, in der Innenstadt einen Parkplatz zu finden?“ antworteten die Bewohner der Stadt Braunschweig zu 50 Prozent, die Parkplatzsuche sei sehr leicht oder leicht; in Halle gaben nur 21 Prozent diese Antwort. (Grafik 1). Auch die Ergebnisse anderer Fragen deuteten in die gleiche Richtung. Auffällig war auch, dass die Hallenser wesentlich häufiger als die Braunschweiger darüber klagten, es gebe in der Innenstadt zu wenig Parkplätze, obwohl es tatsächlich viel mehr sind als in Braunschweig.

Grafik 1: Auffinden eines Parkplatzes – Frage: „Wie ist Ihre Einschätzung: Wie leicht ist es für gewöhnlich, in der Braunschweiger / Hallenser Innenstadt einen Parkplatz zu finden? Ist das für gewöhnlich sehr leicht, leicht, eher schwer, sehr schwer?“

Verständlicherweise löste dieser Befund eine intensive Suche nach den möglichen Ursachen aus. Es zeigte sich, dass die unterschiedlichen Parkplatzsituationen in beiden Städten offenbar zu verschiedenen Strategien bei der Parkplatzsuche führten: Auf die Frage „Versuchen Sie in der Regel einen Parkplatz am Straßenrand zu finden, oder fahren Sie meist gleich in ein Parkhaus oder eine Tiefgarage?“ antworteten nur 26 Prozent der Braunschweiger, sie versuchten einen Platz am Straßenrand zu finden, während 66 Prozent sagten, sie suchten gleich ein Parkhaus oder eine Tiefgarage auf. In Halle dagegen gab eine Mehrheit von 51 Prozent der Befragten zu Protokoll, dass sie zuerst einen Straßenparkplatz suchten (Grafik 2).

Grafik 2: Parken am Straßenrand oder im Parkhaus – Frage: „Versuchen Sie in der Regel einen Parkplatz am Straßenrand zu finden, oder fahren Sie meist gleich in ein Parkhaus bzw. in eine Tiefgarage?“

Wahrscheinlich zeigt sich hier ein scheinbar paradoxer Effekt: Es spricht einiges dafür, dass viele Braunschweiger Bürger die Erfahrung gemacht haben, dass es nahezu aussichtslos ist, nach einem Parkplatz am Straßenrand zu suchen. Also versuchen sie es gar nicht mehr, fahren gleich in ein Parkhaus, erleben dabei keine Probleme und empfinden die Parkplatzsuche damit als entspannt. In Halle dagegen scheint es nicht gänzlich aussichtslos, einen Parkplatz am Straßenrand zu finden, also lassen es viele Bürger auf einen Versuch ankommen, müssen aber erleben, dass dieser sich als mühselig, langwierig und frustrierend erweist. Dass die Fahrt in die Stadt von den Hallensern tatsächlich eher als Stress empfunden wird als von den Braunschweigern, zeigt die Umfrage deutlich (Grafik 3).

Grafik 3: Innenstadtfahrt: Vergnügen oder Stress – Frage: „Würden Sie sagen, dass es Ihnen Spaß macht, in die Braunschweiger / Hallenser Innenstadt zu fahren, oder ist das für Sie eher mit Stress verbunden?“

Auf diese Weise führt die scheinbar ungünstigere Situation in Braunschweig letztlich zu einer größeren Zufriedenheit, weil die Bürger konsequenter die Hindernisse der Parkplatzsuche auf der Straße umgehen. Man erkennt, dass ein gutes Parkraumkonzept in der Innenstadt für die Zufriedenheit der Autofahrer wichtiger ist als die Bereitstellung einer möglichst großen Zahl von Parkplätzen. Wer Suchverkehr vermeidet, erspart seinen Bürgern Frustrationen.

PD Dr. Thomas Petersen


Institut für Demoskopie Allensbach

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24. Januar 2017


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