Neu-Ulm von oben

8. Juni 2017

Neu-Ulm setzt auf ein Fernwärmenetz

Kommunale und private Gebäude werden von einem Heizkraftwerk in Senden versorgt

Die 60.000 Einwohner zählende Stadt Neu-Ulm liegt im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben und erhielt für das Jahr 2017 erstmalig die Auszeichnung des European Energy Awards.

Neben der Erarbeitung eines energiepolitischen Leitbilds wurde ein Energiemanagement für die kommunalen Liegenschaften durchgeführt. Ebenso entschied sich die Stadt zum Anschluss der Liegenschaften an ein Fernwärmenetz. Die Wärme wird durch das nahegelegene Holzgas-Heizkraftwerk bereitgestellt. Das Kraftwerk mit 4.130 Kilowatt elektrischer Leistung und 6.400 Kilowatt thermischer Leistung wird von den Stadtwerken Ulm / Neu-Ulm betrieben, vorwiegend mit Holz aus der Region bespeist und weist dank moderner Holzgastechnologie einen hohen Wirkungsgrad von 80 Prozent auf. Auf den Dachflächen städtischer Gebäude wurden zudem zahlreiche Photovoltaikanlagen installiert.

Nachhaltiges Konzept fürs Neubaugebiet

Besonders hervorzuheben ist das zukunftsweisende Neubaugebiet „An den Pfleggärten“. Bereits bei der Planung wurde Wert auf ein nachhaltiges Gesamtkonzept gelegt. So wurde eine energetische Untersuchung durchgeführt, aus der sich Vorschriften für Art und Höhe der Bebauung ableiten ließen. Die gegenseitige Verschattung der Häuser konnte dadurch auf ein Minimum reduziert werden. Das Bepflanzen der Siedlung mit Laubbäumen reduziert dank Laubabwurf die winterliche Beschattung, während die Bäume im Sommer für ein angenehmes Stadtklima sorgen. Die Wärmeversorgung wird durch den Anschlusszwang an das nahe gelegene Fernwärmenetz sichergestellt. Durch die Vorschrift zur Südausrichtung der Gebäude in Verbindung mit Flachdachformen kann mittels Photovoltaikanlagen ein Großteil der benötigten elektrischen Energie selbst erzeugt werden. Für die zwei- bis drei-
stöckigen Gebäude wurde ein energetischer Mindeststandard von KfW EEH 40 vorgeschrieben. Durch die Vorschrift kompakter Bauformen kann der Endenergiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche zusätzlich gesenkt werden.

1000 Milliarden Bäume für Neu-Ulm

Auch in Sachen Radverkehr hat sich in Neu-Ulm etwas getan: Mit der neugestalteten Maximiliansstraße wurde die „Grüne Brücke“, die Radfahrachse von der Stadtmitte bis Ludwigsfeld, um einen wichtigen Baustein ergänzt. Außerdem setzen die Stadt und die Kinder- und Jugendinitiative „Plant for the Planet“ gemeinsam das Projekt „Neu-Ulm pflanzt Zukunft“ um. Die Verwaltung unterstützt die Organisation bei ihrem ambitionierten Ziel, 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Und schließlich werden der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und die Förderung des Radverkehrs und Fußverkehrs angestrebt. Sie sind Bestandteile des Verkehrsentwicklungsplans Ulm / Neu-Ulm 2025.

Die Stadt Neu-Ulm hat den eea-Prozess erfolgreich in der Verwaltung implementiert und damit  eine weitere Stufe  in der Energie-Region Ulm/Neu-Ulm erreicht. Alle energie- und klimarelevanten Aufgaben der Verwaltung werden gesamtheitlich in diesem Managmentsystem betrachtet. Bei Energiethemen wird die Stadt Neu-Ulm durch die Regionale Energieagentur Ulm begleitet.

Das Neubaugebiet „An den Pfleggärten“ in Neu-Ulm wurde komplett im Effizienzhaus-40-Standard umgesetzt

Das Neubaugebiet „An den Pfleggärten“ in Neu-Ulm wurde komplett im Effizienzhaus-40-Standard umgesetzt


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