Die geretteten Tierfamilien-Bilder in ihrer neuen Umgebung

Die geretteten Tierfamilien-Bilder in ihrer neuen Umgebung

Klein, aber oho: Kinder retten Kunst

Paradebeispiel Denkmalpflege: Schongauer Schüler sorgen für den Erhalt von Kunstwerken

Im Februar 2016 plante die Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl mit Kindern einer dritten Klasse ein Zeitungsprojekt an der Staufer-Grundschule im oberbayerischen Schongau. Mit offenen Augen sollten die Kinder durch einen zum Abriss freigegebenen Teil des Schulhauses gehen – sie war gespannt: Was würde ihnen dort ins Auge stechen? Besonders fielen den Schülern dabei die Wanduhr an der Turnhalle und acht Tierbilder vor den Klassenzimmern, alle aus dem Jahr 1953, auf. Sie waren empört als sie hörten, dass mit dem Abriss auch die Bilder zerstört werden sollten. Aus der eigentlich geplanten Dokumentation wurde schnell eine Rettungsaktion.

Sie taten es den Großen gleich und ergriffen die Initiative. Im März 2016 sammelten die Schüler in allen Klassen Unterschriften für den Erhalt ihrer Kunstwerke und übergaben sie dem Bürgermeister. Im Frühsommer beschäftigten sich deshalb Bauausschuss und Stadtrat mit dem Schulneubau und der Zukunft der Werke. Das Ergebnis der Diskussion: Man könne 40.000 Euro für den Erhalt von sechs der acht Bilder beitragen – den Rest jedoch müsse die Schule selbst aufbringen. Wenn das gelänge, könnten die Kunstwerke in den Neubau der Schule integriert werden.

Zeitgleich ging die Öffentlichkeitsarbeit der Schüler weiter. Gemeinsam recherchierten sie nach dem ihnen unbekannten Künstler, ließen Postkarten und Plakate mit den zu rettenden Motiven drucken, knüpften Allianzen mit anderen Bürgern der Stadt und erregten so die Aufmerksamkeit lokaler und überregionaler Medien. Im Juli fanden dann mehrere Benefizaktionen an der Schule statt, die mehrere tausend Euro einbrachten. Bei der Rettung der Wanduhr halfen der Historische Verein Schongau, Helmut Schleich und die Edith-Haberland-Wagner-Stiftung tatkräftig mit. In letzter Minute kam so das Geld für den Ausbau der Wandbilder zusammen. Die Wandstücke mit den Kunstwerken wurden zwischengelagert und in den Neubau der Schule integriert. Im Juli 2019 konnten sie so der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Was die Schüler noch erreichten: Sie boten der Öffentlichkeit ein Paradebeispiel für die Rettung von Kunst und die Denkmalpflege. Sie zeigten, wie wichtig es ist, wenn Menschen sich für ihre Umgebung engagieren. Und: Sie führten eindrucksvoll vor Augen, dass auch Kleine Großes zu erreichen in der Lage sind. Ein positiver Nebeneffekt: Irmgard Schreiber-Buhl setzte mit den Kindern gleichzeitig den Lehrplan aktiv um: sich mit dem kulturellen Erbe beschäftigen, es wertschätzen und verstehen, dass dessen Erhalt auch unsere Aufgabe ist, Rechte und Pflichten in der Gemeinschaft reflektieren, Verantwortung übernehmen und sich mit demokratischem Zusammenleben beschäftigen.

In einem Leserbrief an die Lokalzeitung fassen die Kinder es so zusammen: „Wir wollen mitbestimmen, wie unser neues Schulhaus ausschauen soll. Und wir wollen, dass diese tollen Bilder auch noch die Schüler nach uns sehen können. So wird die neue Schule auch gleich spannender, weil Neues und Altes zusammenkommt.“ Was für ein Erfolg!

 

Zur Rettung der Tierbilder übergaben die Kinder zusammen mit ihrer Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl 343 Unterschriften an den früheren Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman van Langeweyde.

Zur Rettung der Tierbilder übergaben die Kinder zusammen mit ihrer Lehrerin Irmgard Schreiber-Buhl 343 Unterschriften an den früheren Schongauer Bürgermeister Falk Sluyterman van Langeweyde.

Literatur-Tipp zu weiteren BHU-Projekten:

BHU-Publikation „Kunstwerke an Gebäuden – Vielfalt und Verluste“
nimmt auf 300 Seiten die Rettung gefährdeter Kunst in den Blick.

Zu beziehen unter: bestellung@bhu.de


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6. Februar 2020


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