Früher betongrau schimmert das Gebäude des Bayreuther Wasserwerks jetzt je nach Lichteinfall blau, grün oder türkis, passend zum Thema Trinkwasser und zu den Farben des Logos der Stadtwerke Bayreuth.

Früher betongrau schimmert das Gebäude des Bayreuther Wasserwerks jetzt je nach Lichteinfall blau, grün oder türkis, passend zum Thema Trinkwasser und zu den Farben des Logos der Stadtwerke Bayreuth.

Wie ein Reifenwechsel bei voller Fahrt

Zahnräder greifen ineinander: Das Wasserwerk auf dem Bayreuther Eichelberg wurde während laufendem Betrieb komplett saniert

Das Wasserwerk auf dem Bayreuther Eichelberg wurde nach rund 50 Jahren Betrieb komplett saniert und für den nächsten Lebensdauerabschnitt frisch gemacht. Dank umfangreicher fundierter Planungen und eines herausragenden Teams aus Bauherrenvertretern, Planungsbüros und Handwerksfirmen konnte die Trinkwasserproduktion ständig weiterlaufen und wurden Budgets eingehalten.

Wer mit dem Auto von München nach Berlin fährt, kann es eigentlich kaum übersehen: das Wasserwerk auf dem Bayreuther Eichelberg, das die Stadtwerke Bayreuth von 2017 bis 2019 für rund 4,8 Millionen Euro saniert haben. Das Gebäude schimmert je nach Lichteinfall blau, grün oder türkis, passend zum Thema Trinkwasser und zu den Farben des Logos der Stadtwerke Bayreuth. In den vergangenen Jahren wurde fast alles „auf links gedreht.“

 

Die komplette Anlagen- und Regeltechnik ist neu, 350 Meter Rohrleitungen wurden ausgetauscht und auch am Gebäude selbst wurde kräftig gewerkelt: Der alte Kaskadenturm wurde abgerissen, ein Anbau für ein Silo musste her, eine Wand aus Milchglas wurde durch große Fenster ausgetauscht, die alte Waschbetonfassade wurde durch Aluminiumplatten ersetzt und das Dach musste runter.

 

Entsäuerung: Flachbettbelüfter ersetzen Kaskadenturm

Den wichtigsten Meilenstein der Sanierung haben die Stadtwerke Bayreuth bereits Ende Januar erreicht: Seitdem ist die Anlage, die etwa ein Drittel der Wagnerstadt jährlich mit rund 1,3 Milliarden Litern Wasser versorgt, nahezu voll einsatzfähig. Sowohl die physikalische Entsäuerung als auch das Aufhärten funktioniert seitdem wieder im Zweiklang.

Eine Aufbereitung des Wassers aus den Tiefbrunnen ist erforderlich, weil es sehr weich ist und zu viel Kohlensäure enthält und damit korrosiv wirken würde. Um die Vorgaben der Trinkwasserverordnung und der Korrosionsschutznormen einzuhalten, wird das Rohwasser aufgehärtet und die freie Kohlensäure entfernt. Früher geschah Letzteres in einem Kaskadenturm: Das Wasser floss durch zahlreiche Kästen und wurde dabei ordentlich durchgeschüttelt. Dieser Vorgang war von außerhalb des Bauwerks durch Wandöffnungen zu beobachten, was mit den heutigen hygienischen Vorschriften nicht mehr vereinbar ist.

Das Wasserwerk auf dem Bayreuther Eichelberg wurde nach rund 50-jährigem Einsatz bei laufendem Betrieb komplett saniert. Ergänzt wurden hierbei zwei große, gelbe Jurakalkfilter-Behälter.

Das Wasserwerk auf dem Bayreuther Eichelberg wurde nach rund 50-jährigem Einsatz bei laufendem Betrieb komplett saniert. Ergänzt wurden hierbei zwei große, gelbe Jurakalkfilter-Behälter.

Wasserwerk dank guter Planung ohne Unterbrechung in Betrieb

Nach der Sanierung übernehmen nun mehrere Flachbettbelüfter diese Aufgabe. Große geschlossene Edelstahlquader, in denen Luft ins Wasser geblasen wird. Bevor diese allerdings eingebaut werden konnten, musste der alte Kaskadenturm abgerissen werden. Eine große Herausforderung, weil während der kompletten Baustellenphase weiter Trinkwasser aus der Anlage geliefert wurde.

Als der Kaskadenturm entfernt war, mussten die alten Filter die Entsäuerung des Wassers – bei verringertem Volumenstrom – alleine  übernehmen. Nach Einbau und Inbetriebnahme der Flachbettbelüfter konnten nacheinander die beiden Filter erneuert werden.

Der Betrieb des Wasserwerks ähnelte während der Bauphase einem Reifenwechsel am Auto bei voller Fahrt. Durch das zeitversetzte Einheben der Filter über Dach war das Wasserwerk gar einige Wochen als Cabrio unterwegs. Dies konnte alles nur erfolgreich gemeistert werden, weil alle Beteiligten zielorientiert an einem Strang gezogen und die umfangreichen Vorgaben aus der Planungsphase unter genauer Einhaltung der Umbauschritte eingehalten haben.

 

Jurakalkfilter-Einbau automatisiert Wasseraufbereitung

Der verfahrenstechnische Teil des Plans stammt vom Ingenieurbüro shp aus Markt Schwaben. „Bei den Planungen zeigte sich relativ früh, dass die Stadtwerke Bayreuth einen großen Anbau hätten stemmen müssen, wenn das Wasser auch künftig in der gewohnten Reihenfolge hätte aufbereitet werden sollen“, erklärt Geschäftsführer Klaus Mitter. Deswegen schlug sein Büro vor, das Rohwasser künftig zuerst durch die neuen Jurakalkfilter zu schicken und anschließend das Wasser in den Flachbettbelüftern zu entsäuern.

Damit war nur ein relativ kleiner Anbau für ein acht Meter hohes Jurakalk-Lagersilo nötig, mit dessen Hilfe die frühere manuelle Jurakalknachfüllung aus Säcken nunmehr automatisiert erfolgen kann.

Alles in allem zeigt das erfolgreiche Sanierungsprojekt, dass mit dem erforderlichen Know-how, mit der nötigen Kreativität und mit der ausreichenden Zeit in der Planungsphase in Verbindung mit einer guten Bestandssubstanz ein Neubau umgangen werden konnte.

Das Resultat ist ein modernes Wasserwerk, das alle aktuellen Anforderungen an Wasserqualität, Betrieb und Objektschutz einhält, für einen neuen Lebensdauerabschnitt gerüstet ist und mit seiner herausragenden Bauhülle einen besonderen Akzent im Stadtbild setzt.

Die Flachbettbelüfter entfernen überschüssige Kohlensäure aus dem Wasser.

Die Flachbettbelüfter entfernen überschüssige Kohlensäure aus dem Wasser.

Weitere Informationen zu diesem Projekt:

http://shp-ib.de/aktuelles/einweihung-wasserwerk-eichelberg-in-bayreuth


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21. Februar 2020


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