Grüne Energie für die grüne Stadt Staßfurt: Christian Schüler, Wirtschaftsförderer der Stadt Staßfurt, und ein Mitarbeiter von MVV Umwelt, das die Biomethananlage gebaut hat und betreibt, hatten die Idee, das Projekt auf den Weg zu bringen.

Grüne Energie für die grüne Stadt Staßfurt: Christian Schüler, Wirtschaftsförderer der Stadt Staßfurt, und ein Mitarbeiter von MVV Umwelt, das die Biomethananlage gebaut hat und betreibt, hatten die Idee, das Projekt auf den Weg zu bringen.

Mit Meilensteinen zu einem besonderen Leuchtturm-Projekt

Ziel eines Konsortiums in Sachsen-Anhalt ist ein innovatives Projekt mit Modellcharakter für die lokale Energiewende

Vor sechs Jahren nahm das Bauvorhaben für eine Biomethananlage in der Stadt Staßfurt Konturen an. Das brachte zwei Männer auf die Idee, aus der damit möglich gewordenen regenerativen Energieerzeugung ein größeres Projekt zu entwickeln. Ihr ambitioniertes Ziel ist die Energieregion Staßfurt.

Herr Schüler, als Wirtschaftsförderer der rund 25.000 Einwohner zählenden Stadt Staßfurt waren Sie einer der Ideengeber. Das Projekt ist heute weit mehr als eine Absicht …

In der Tat. Ein Mitarbeiter der MVV Umwelt GmbH, die die Biomethananlage gebaut hat und betreibt, und ich hatten die konkrete Idee, grüne Energie für eine grüne Stadt Staßfurt auf den Weg zu bringen. Wir wussten, dass durch diese Anlage reines Kohlendioxid zur Verfügung stehen wird und machten uns Gedanken, wie wir dieses am Standort nutzbar machen könnten.

Der Plan war, bereits vorhandene Anlagen der regenerativen Energieerzeugung – Photovoltaik, Windkraftanlagen, Biomethananlage – zu vernetzen. Denn uns war klar, dass „Power-to-Gas“ ein großes Thema werden könnte. Die Idee nahm vor zwei Jahren weiter Fahrt auf und es wurde ein Konsortium gegründet. Das Fraunhofer Institut IFF aus Magdeburg bekam den Auftrag, eine Machbarkeitsstudie zum künftigen Projekt zu erarbeiten. Die Ergebnisse machten uns Mut, das Thema intensiver voranzutreiben.

 

Ihr hehres Ziel heißt Energieregion Staßfurt. In welchen Schritten soll das in der Praxis realisiert werden?

Wir planen in zwei Phasen. Das Ziel der ersten Phase wird die Produktion von grünem Wasserstoff als neuer Energieträger sein. Aktuell befinden wir uns inmitten der Konzeption, auch um notwendige Fördermittel zu akquirieren. Der Bau von sieben neuen Windkraftanlagen steht in enger Verbindung mit dem Vorhaben, das heißt, er ist die Voraussetzung für die Umsetzung des Projekts.

Heutzutage ist es schwierig, einen neuen Windpark zu platzieren. Das kann funktionieren, wenn man ein Innovationsprojekt vorweisen kann. Für den ersten Schritt brauchen wir den Windstrom, um mittels Elektrolyse grünen Wasserstoff herstellen zu können. Der dazugehörige Elektrolyseur wird von den Konsortialpartnern neben die Biomethananlage gebaut. Fördermittel zur Umsetzung unseres Konzepts werden aktuell geprüft.

Visualisierung des Bestand-Windparks, der im Zuge des Projekts um sieben Windräder erweitert werden soll. Diese neuen Windräder erzeugen dann unter anderem die Energie für die Elektrolyse – also die Wasserstoffproduktion.

Visualisierung des Bestand-Windparks, der im Zuge des Projekts um sieben Windräder erweitert werden soll. Diese neuen Windräder erzeugen dann unter anderem die Energie für die Elektrolyse – also die Wasserstoffproduktion.

Mit welchem Ziel?

Wir denken bei grünem Wasserstoff an die Mobilität. Das heißt, wir wollen für Busse, Züge und Pkws den grünen Wasserstoff liefern. Unsere Idee ist finanziell realistisch umsetzbar, Fördermittel sind bei einem solchen Innovationsthema jedoch unabdingbar. Staßfurt liegt direkt an der A14, der Hauptader zwischen Magdeburg und Halle. Genau deshalb haben wir vor zwei Jahren sozusagen vor unserer Tür einen neuen Rasthof entwickelt, an dem ein neues Gewerbegebiet und eine Wasserstofftankstelle etabliert werden sollen.

Die Wasserstoffnutzung kann insbesondere für den öffentlichen Personennahverkehr attraktiv sein. Der große Vorteil ist eine deutlich höhere Reichweite im Gegensatz zu Elektrofahrzeugen.

 

Soll der Wasserstoff aus der Windenergie ausschließlich für die Mobilität genutzt werden?

Nein, ein zweiter Vermarktungsweg wird die Einspeisung des grünen Wasserstoffs zu einem bestimmten Volumenanteil in das Erdgasnetz sein. Damit ist auch die Speicherung von überschüssigem Wasserstoff gewährleistet, denn der größte Speicher für erneuerbare Energien in Deutschland ist das Erdgasnetz.

In einer zweiten Phase planen wir eine stoffliche Nutzung des Wasserstoffs in der industriellen Produktion, beziehungsweise die Erzeugung von grünem Gas (Methan), welches entsteht, wenn dem Wasserstoff das Kohlendioxid aus der Biomethananlage zugegeben wird. Weiterhin können Methanol und daraus Biokunststoffe hergestellt werden.  Die stoffliche Nutzung wird besonders für die Ansiedlung neuer Unternehmen in Staßfurt interessant sein.

Erste Phase der Umsetzung der Energieregion: Erzeugung des grünen Wasserstoffs und Nutzung im Mobilitätssektor.

Erste Phase der Umsetzung der Energieregion: Erzeugung des grünen Wasserstoffs und Nutzung im Mobilitätssektor.

In Ihrem Projekt ist die Einbeziehung der Bürger der Region vorgesehen. Welche Idee verfolgen Sie damit?

Wir wollen ein Zentrum für grüne Energie werden. Dazu wurden verschiedene strategische Leitlinien in der Stadt festgelegt. Auch unsere Bürger gehören dazu, für die ein Windsparbrief aufgelegt werden soll. Zielsetzung ist, diesen Windsparbrief mit einem festen Zins zu versehen. Die Region soll damit von unserem Projekt partizipieren. Nach unserer Projektvorstellung vor einem Jahr in einem Gespräch mit der Ministerin Claudia Dalbert und weiteren Ansprechpartnern des Ministeriums für Umwelt und Energie und des Ministeriums für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, wurde uns eine langfristige Unterstützung für unser Projektvorhaben zugesichert.

 

Projektkoordinator und überregionaler Partner

Die MVV Umwelt GmbH begleitet von fachlicher Seite gemeinsam mit der Stadt Staßfurt die Gesamtprojektkoordination. Weitere Partner des Konsortiums sind die Stadtwerke Staßfurt GmbH und die EMS (Erdgas Mittelsachsen GmbH).

Katharina Kozuchar, Projektleiterin in der Abteilung Geschäftsentwicklung zum Portfolio des Unternehmens: „Als Tochtergesellschaft des Mannheimer Energieunternehmens MVV bildet die Erzeugung von Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen einen Schwerpunkt unserer Unternehmensstrategie. Neben der thermischen Verwertung von Restabfällen setzen wir auf die Energieerzeugung aus Biomasse, Bioabfall und Biomethan als auch auf Windenergie und Photovoltaik, mit einer installierten Leistung von 467 MW elektrisch nur aus erneuerbaren Energien. In Staßfurt betreiben wir eine Biomethananlage auf Basis nachwachsender Rohstoffe. In der Anlage werden jährlich rund 62.000 Tonnen Substrat zu Biogas vergoren, das vor Ort aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist wird. Die Energieregion Staßfurt ist für uns ein wichtiges Projekt im Bereich Sektorenkopplung. Wesentlicher Bestandteil des Projekts neben dem Windpark ist der Bau eines Elektrolyseurs, der mithilfe des Windstroms Wasserstoff zur regionalen Nutzung produzieren wird.“

 


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Web. www.wirtschaft.stassfurt.de

3. August 2020


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