Das Hochwasser in Tuttlingen: Am 23. Januar 2018 trat die Donau über die Ufer. Auch auf dem Donauspitz stand das Hochwasser unter dem Poststeg.

Das Hochwasser in Tuttlingen: Am 23. Januar 2018 trat die Donau über die Ufer. Auch auf dem Donauspitz stand das Hochwasser unter dem Poststeg.

Vieraugenprinzip als Grundidee

Drei Landkreise kooperieren in der Wasserwirtschaft

Hochwasser und Starkregen sind seit langem ein Thema für die Landkreise Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen. Für die Verantwortlichen in den Landratsämtern der 76 Gemeinden umfassenden Region wurden Voraussagen solcher Ereignisse wie auch die Berechnung gefährdeter und nicht gefährdeter Flächen immer komplexer und anspruchsvoller. Seit Januar besteht im Bereich der hydrodynamischen Berechnungen zwischen den drei Kreisen eine regionale Kooperation.

Das Umweltministerium des Landes Baden-Württemberg hatte im Rahmen des Programms zur Stärkung der Umweltverwaltung insgesamt acht Stellen für die interkommunale Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen zur Bewerbung ausgeschrieben. Im Zusammenschluss bewarben sich die drei benachbarten Landkreise erfolgreich für die neue Fachstelle Hydraulik und haben jetzt mit der Diplom-Ingenieurin Lydia Seitz eine erfahrene Fachfrau an ihrer Seite. Ihr Schreibtisch steht seit fünf Monaten im Amt für Umwelt, Wasser- und Bodenschutz im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis.

 

Frau Seitz, die Freude der Landräte war groß, zumal Sie als Spezialistin auf diesem Gebiet gelten. Wo sammelten Sie ihre handwerklichen Erfahrungen?

An der Uni Stuttgart habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Wasser- und Umweltsystemmodellierungen schwerpunktmäßig Hydraulik- und Geschiebetransportmodellierungen durchgeführt und hydraulische 2D-Modelle selbst erstellt und plausibilisiert. Dort holte ich mir ein gutes handwerkliches Rüstzeug.

Hochwasser in Tuttlingen: Blick vom Café Golem auf den Rathaussteg

Hochwasser in Tuttlingen: Blick vom Café Golem auf den Rathaussteg

Warum ist das Interesse an der neuen Fachstelle für die Landratsämter so groß? 

Die Stelle ermöglicht einen erheblichen Beitrag zur Stärkung der Umweltverwaltung. Ich bin dabei ausschließlich für die Plausibilisierung zuständig. Das heißt, ich habe die Möglichkeit, die Ergebnisse von 2D-Berechnungen, die von Ingenieurbüros im Zuge von Genehmigungsverfahren zur Verfügung gestellt werden, im Zweifelsfall besser einzuschätzen. Bisher war es so, dass deren Resultate beispielsweise nur auf PDF-Karten vorlagen und eine detaillierte Überprüfung nur eingeschränkt möglich war.

Jetzt stehen mir unterschiedliche Softwareprogramme zur Verfügung, mit denen ich die Modelle auf dem Computer ansehen und gegebenenfalls nachrechnen kann.

Neu ist, dass die Ingenieurbüros nicht nur ihre Ergebnisse der hydraulischen Berechnungen weitergeben, sondern auch ihre Modelldaten. Die Idee dahinter ist ein Vieraugenprinzip. Anhand der Hydraulikmodelle gibt es verschiedene Annahmen, die man treffen muss. Mit meinen jetzigen Möglichkeiten lassen sich die Auswirkungen der verschiedenen Annahmen besser einschätzen und bewerten. Die Berechnungen haben größtenteils rechtliche Folgen, wenn es zum Beispiel um die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten geht oder um die Genehmigung von Bauprojekten in Überschwemmungsgebieten. Und das bringt natürlich eine große Verantwortung mit sich.

Der Donaupark im Januar 2018 unter Wasser: Im Sommer stehen die Bänke im Normalfall an grünen Hopfenranken.

Der Donaupark im Januar 2018 unter Wasser: Im Sommer stehen die Bänke im Normalfall an grünen Hopfenranken.

Betreten auch Sie Neuland mit ihrer jetzigen Tätigkeit?

Durchaus. Bisher ging es in meiner Arbeit um Hydraulikberechnungen in Fließgewässern. Neu sind für mich jetzt die Starkregengefahrenkarten hinzugekommen. Das ist ein sehr aktuelles Thema, das eine andere Art der Modellierung fordert, da die Überschwemmung nicht aus dem Fluss, sondern aus dem Umland kommt und man dabei auf Fließwege achten muss. Generell geht es darum, gefährdete Infrastrukturen zu identifizieren und gegebenenfalls geeignete Maßnahmen zu treffen. Spezialisierte Ingenieurbüros führen in der Regel die Berechnungen durch. Mir obliegt auch hier die Plausibilisierung, damit belastbare Entscheidungen besser getroffen werden können. Diese Ereignisse haben in den letzten Jahren stark zugenommen. Spannend ist, mich auch auf dem Gebiet einzuarbeiten.

 

Bedeutet Ihre Tätigkeit nicht auch für Sie als sprichwörtliche Dienerin dreier Herren, eine gewisse Aufgabenbalance zu meistern?

Alle drei Landkreise gehen unterschiedlich mit meiner neuen Stelle um, da auch die Aufgabenverteilung der drei Landkreise sehr unterschiedlich ist.

In Tuttlingen und im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es momentan sehr viele laufende und geplante Starkregenrisikomanagements, wohingegen diese in Rottweil nicht so aktuell sind. Das kann sich natürlich auch jederzeit wieder ändern. Die Projekte werden dadurch ganz unterschiedlich verteilt und es finden viele Absprachen unter uns statt. Vor allem auch was die Priorisierung betrifft.

Ein Konflikt ist bisher nicht daraus entstanden. Meine Stelle wird aktuell vom Land finanziert, sodass Kostenfragen bezüglich der Modelle mit dem Land geklärt werden müssen. Innerhalb von zwei Jahren wird das Projekt evaluiert und entschieden, wie diese Stellen in Zukunft gestaltet werden.

 

 

Internetseiten der beteiligten Landratsämter:

Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis: www.lrasbk.de

Landratsamt Tuttlingen: www.landkreis-tuttlingen.de

Landratsamt Rottweil: https://www.landkreis-rottweil.de/de/Aktuelles/Aktuelle-Nachrichten/Nachricht?id=2410&item=article&view=publish


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