Spektakuläre Bergung eines frühkeltischen Prunkgrabes nahe der Heuneburg

Die Fundstätte gilt als älteste Stadt nördlich der Alpen

Ein neu entdecktes frühkeltisches Prunkgrab nahe der Heuneburg bei Herbertingen konnte am 6. Oktober 2020 im Block geborgen und zur Untersuchung ins Landesamt für Denkmalpflege gebracht werden.

Eine der wichtigsten keltischen Fundstätten in Deutschland

Die Heuneburg gilt als älteste Stadt nördlich der Alpen und ist eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Mitteleuropas. „Ich freue mich sehr, dass die Denkmalpflege mit ihrer erfolgreichen Forschungsarbeit seit Jahrzehnten spektakuläre Einblicke in die keltische Zeit in unserem Land ermöglicht“, sagte Staatssekretärin Katrin Schütz anlässlich der Blockbergung eines frühkeltischen Prunkgrabes nahe der Heuneburg bei Herbertingen. „Durch die langjährige und systematische Forschungsarbeit des Landesamtes für Denkmalpflege gehört die Heuneburg zu den am besten erforschten keltischen Fundstätten in Deutschland. Der neueste Fund – ein außergewöhnlich großes und aufwändig gestaltetes Holzkammergrab aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus – verspricht weitere spannende Erkenntnisse. Erste Fundstücke aus Gold und Bernstein lassen erahnen, dass in dem Grab eine bedeutende Persönlichkeit von der Heuneburg bestattet liegt“, so Schütz.

Eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Mitteleuropas

Die Heuneburg gilt als älteste Stadt nördlich der Alpen und ist eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten Mitteleuropas. Seit 2019 untersucht das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart in der Donauebene unterhalb der Heuneburg im Gewann Bettelbühl einen frühkeltischen Großgrabhügel.

Bergung der Grabkammer im Block

Da eine fachgerechte Freilegung der Bestattung vor Ort nicht durchgeführt werden kann, wurde die gesamte Grabkammer heute im Block geborgen. Der Block hat ein Gewicht von etwa 80 Tonnen, ist circa acht mal sechs Meter groß. Er wurde mit Hilfe von zwei Schwerlastkränen gehoben und anschließend zur weiteren Untersuchung in die Labore des LAD transportiert. Das Grab wird in den nächsten Jahren von Archäologen, Restauratoren und Naturwissenschaftlern des LAD unter der Leitung von Prof. Dirk Krausse mit modernsten wissenschaftlichen Methoden untersucht und verspricht vielfältige neue Erkenntnisse zur Geschichte und Kultur der frühen Kelten des siebten bis fünften Jahrhunderts vor Christus. Die Arbeiten werden im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes durchgeführt, das sich der archäologischen Erforschung des Umfelds der Heuneburg widmet.

Hölzer und Grabbeigaben teilweise noch erhalten

Eine Sondage-Grabung im Hügelbereich hatte ergeben, dass die Hölzer der Grabkammer und auch Grabbeigaben aus organischen Materialien teilweise noch erhalten sind, was im archäologischen Kontext nur äußerst selten vorkommt. Gleichzeitig haben die denkmalfachlichen Untersuchungen ergeben, dass diese wissenschaftlich außergewöhnlich wertvollen Objekte durch die extreme Trockenheit der vergangenen Jahre bereits Schaden genommen haben und auch vor dem Hintergrund der fortschreitenden klimatischen Veränderungen akut gefährdet sind.

Grabbeigaben aus Gold und Bernstein

Erste Funde, darunter Grabbeigaben aus Gold und Bernstein, nähren außerdem die Hoffnung, dass eine vollständige Untersuchung des Grabes wesentliche neue Erkenntnisse zu zentralen, bisher ungeklärten Forschungsfragen liefern könnte. Denn bereits 2005 und 2010 wurden nur 100 Meter entfernt von der jetzigen Ausgrabungsstelle die Gräber einer vornehmen keltischen Dame und eines circa dreijährigen Mädchens freigelegt, die mit außergewöhnlich reichen Beigaben bestattet worden waren, darunter einzigartige Objekte aus Gold, Bernstein und Bronze. Die dendrochronologische Datierung der Eichen- und Tannenhölzer der Grabkammer ergab zweifelsfrei, dass die vornehme Dame, die in Forschung und Öffentlichkeit inzwischen als „Fürstin vom Bettelbühl“ Bekanntheit erlangt hat, im Winterhalbjahr 583/582 vor Christus bestattet worden war.

Daraus ergeben sich für die Archäologen vielfältige Fragen, die in den kommenden Jahren beantwortet werden sollen. „Wir wollen herausfinden, wer diese prunkvoll bestatteten Personen sind und in welcher Beziehung sie zueinander standen. Wir gehen davon aus, dass es sich um nahverwandte Mitglieder der politisch führenden Familien handelt, die um 600 vor Christus das Sagen auf der Heuneburg hatten“, so Projektleiter und Landesarchäologe Prof. Krausse.


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17. November 2020


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