Fridays-for-Future-Demo in Konstanz am 20. September 2019: „AlleFürsKlima“

„Frag doch mal …“ wie Klimaschutzmanager und Fridays for Future in Konstanz kommunizieren

Die Klima-Zusammenarbeit am Bodensee ist eng verzahnt

In Konstanz pflegt Fridays for Future offensichtlich engen Kontakt zum Oberbürgermeister, zu den Fraktionen des Gemeinderates und ganz besonders zum Klimaschutzmanager Lorenz Heublein. Die Umweltaktivistin Noemi Mundhaas und ihre Mitstreiter wünschen sich, dass ihr Konstanz dem Land und Bund auch einfach mal Beine macht. Es lohnt sich, die eigene Internetseite der Ortsgruppe mit vielen außergewöhnlichen und interessanten Aktivitäten anzusehen.

 

Lorenz Heublein: „Hauptsache sich gegenseitig pushen und nicht blockieren“

„Die Stadt Konstanz hat sich frühzeitig auf verschiedensten Ebenen offen für eine Zusammenarbeit mit Fridays for Future (FFF) gezeigt: So fanden Anfang 2019 verschiedene Gespräche zwischen FFF und den Fraktionen des Gemeinderats sowie dem Oberbürgermeister statt. Infolgedessen war Konstanz die erste deutsche Stadt, die eine leicht adaptierte ‚Klimanotstandsresolution‘ verabschiedete – und dies sogar einstimmig!

Im Anschluss gab es einen regelmäßigen Austausch zwischen FFF und der Stabsstelle Klimaschutz, häufig auch unter Einbezug des Oberbürgermeisters. Nicht immer verlief dies nur harmonisch, was vor allem im Rollenverständnis beider Parteien begründet liegen dürfte: Während Verwaltung und Politik nach Lösungen suchen müssen, die rechtlich und wirtschaftlich tragbar sind und die die Stadtgesellschaft nicht zu sehr spalten, begreifen die FFF sich häufig als diejenigen, die Probleme benennen, nicht aber für deren Lösung zuständig sind. Letzteres macht natürlich auch den Charme der Bewegung aus: Im Gegensatz zu denjenigen, die an den politischen Schalthebeln oder in der Maschinerie einer Verwaltung sitzen, können Jugendliche und junge Erwachsene anprangern und stetig auf die klimawissenschaftlich belegten Erfordernisse verweisen.

Aus Sicht eines städtischen Klimaschutzkoordinators ist der Druck von außen im Übrigen durchaus hilfreich und notwendig: Auch dadurch konnte sich der Klimaschutz zu einem Thema weiterentwickeln, an dem man nicht mehr ohne weiteres vorbeikommt. Beschlussvorlagen des Gemeinderats müssen inzwischen beispielsweise Aussagen zu Auswirkungen auf den Klimaschutz enthalten, im städtischen Haushalt wurden zusätzliche Mittel für Klimaschutzmaßnahmen bereitgestellt, und bei Neubaugebieten wird eine nahezu vollständig regenerative Energieversorgung vorausgesetzt. Außerdem berichtet die Stadt in regelmäßigen Klimaschutzberichten zu Fortschritten und Schwierigkeiten.

Die zuletzt erwähnten Klimaschutzberichte sind wiederum für FFF und weitere klimaschutzbewegte Gruppierungen der Anlass, ihre Kritik zu äußern, wonach beispielsweise alles viel zu langsam geht. Dies ist einerseits berechtigt, andererseits manchmal frustrierend, da der Spagat zwischen klimawissenschaftlicher Erfordernis (Klimaneutralität müsste demnach eher 2035 als 2050 erreicht werden) und praktischer Umsetzbarkeit aufgrund der Endlichkeit von Kohlendioxid-Budgets mit jedem Tag schwerer wird. Der oft transportierte Eindruck, eine Kommune müsse nur wollen, trügt hier. Alle Ebenen und letztlich auch jede und jeder Einzelne müssten deutlich mehr für den Klimaschutz tun – anders wird es nicht funktionieren.

Insofern ist die Zusammenarbeit zwischen einer Stadtverwaltung und Aktivisten stets in einem Spannungsverhältnis zu sehen. Die Hauptsache dabei: das gemeinsame Ziel eines wirksamen Klimaschutzes im Auge behalten und sich pushen, nicht aber blockieren.“

 

Kontakt:
Lorenz Heublein
Klimaschutzmanager
Stadt Konstanz
Untere Laube 24, 78462 Konstanz
Tel.: +49 7531 900-2544
Lorenz.Heublein@konstanz.de
www.konstanz.de

 

 

Noemi Mundhaas: „Wir haben geschafft, dass an jedem Küchentisch über das Klima gesprochen wird“

„Seit über zwei Jahren wird auch in Konstanz freitags fürs Klima gestreikt, damit auf kommunaler Ebene endlich der Lage angemessen gehandelt wird. Im Mai 2019 dann der erste große Erfolg: Konstanz ruft als erste deutsche Stadt den Klimanotstand aus. Nur müssen wir leider sagen, dass die seitdem ergriffenen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichen.
Aber! Was wir geschafft haben ist, dass wirklich an jedem Küchentisch über das Klima gesprochen wird. ‚Warum Klimanotstand, ist das wirklich nötig?‘ wurden wir oft gefragt. Und ja, das ist es.
Bei unseren Aktionen oder Vorträgen geht es weniger darum, was jede einzelne Person machen sollte, sondern welche Rahmenbedingungen und Maßnahmen die Politik vorgibt. Ja, wir alle sollten klimabewusster leben und es gibt ein paar kleine Maßnahmen mit großer Wirkung, die wir alle umsetzen sollten: echten Ökostrom beziehen, zu einer nachhaltigen Bank wechseln, Flugreisen vermeiden und uns überwiegend pflanzlich ernähren. Aber solange es einfacher ist, mit dem Auto in die Stadt zu fahren als mit dem Bus, und die Flugreise nur einen Bruchteil der vergleichbaren Bahnfahrt kostet, werden wir uns in der Masse nicht klimagerecht verhalten. Hier muss die Politik endlich die richtigen Anreize schaffen. Das können Preise sein, die den Klimaschaden des jeweiligen Produktes enthalten oder autofreie Städte, in denen die nächste Bushaltestelle näher ist als das eigene Auto im Parkhaus. Wir wollen zur Klimaaufklärung beitragen, sodass jeder selbst in der Lage ist zu erkennen, dass zu wenig passiert und öffentlich diskutierte Maßnahmen bewerten kann.
Auch der Kontakt zur Stadt ist uns wichtig, um dort für Klimagerechtigkeit zu werben. Wir stehen deshalb im engen Kontakt mit den Fraktionen, dem Klimaschutzkoordinator und dem Oberbürgermeister, um Maßnahmen auszuarbeiten und zur Diskussion zu stellen. Dabei ist es uns wichtig, dass wir bei den Diskussionen nicht in Kleinigkeiten verfallen, sondern wir uns immer auf das eigentliche Ziel konzentrieren: Der Wunsch nach einem guten Leben für uns, unsere Familien und die Stadtgesellschaft. Aber es gibt nun mal auch physikalische Grenzen und Gegebenheiten, die wir leider nicht wegdiskutieren können. Wir sind in einer Klimakatastrophe! Und ja, wir wissen, dass die Stadt nicht in allen Bereichen alleine agieren kann. Aber wir wünschen uns angesichts des Klimanotstandes mehr Mut, endlich mal unbequeme Maßnahmen anzugehen. Und Konstanz könnte dem Land und Bund auch einfach mal Beine machen. Denn wir haben es satt, immer nur zu hören, dass für praktisch jedes Hindernis beim Klimaschutz jemand anderes zuständig sei. Deshalb haben wir gerade eine Ebenen übergreifende Podiumsdiskussion organisiert. Dort konnten Oberbürgermeister, Landtags-, Bundestags- und Europaabgeordnete zusammen klären wo es klemmt und was jetzt passieren muss. Denn die Zeit rennt, in weniger als zehn Jahren muss Klimaneutralität erreicht sein, in Europa genauso wie in Konstanz.“

 

Kontakt:
www.fridaysforfuture-konstanz.de   und
https://www.facebook.com/FridaysForFutureKonstanz/

 

Links: Am 2. Juli 2020 inszenierte Fridays for Future eine besondere Beerdigung: Todesursache Kohleeinstiegsgesetz. Rechts: Unter anderem am 29. November 2019 fand ein globaler Klimastreik in der Konstanzer Innenstadt statt.

 

Die Resolution „Konstanz klimapositiv 2030“ wurde am 2. Mai 2020 an OB Ulrich Burchard übergeben.

 

 

Die Aussagen weiterer Klimaaktivisten können Sie hier ebenfalls nachlesen.
Bisher haben wir noch folgende Statements zur Klimathematik von:
Flensburg
Freiburg
Naturpark Südschwarzwald
Neu-Ulm / Ulm
Staatsministerium Baden-Württemberg und KEA Baden-Württemberg

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

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Redaktion KOMMUNALtopinform
Verlag und Medienhaus Harald Schlecht
Auf dem Schildrain 8
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21. Juni 2021


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