Die nachhaltigste Methode, in Großstädten neuen Wohnraum zu schaffen, ist, vorhandene Wohnhäuser mit neuen Etagen aufzustocken. Das ist auch in dieser Wohnanlage im Berliner Stadtteil Lichterfelde geschehen.

Die nachhaltigste Methode, in Großstädten neuen Wohnraum zu schaffen, ist, vorhandene Wohnhäuser mit neuen Etagen aufzustocken. Das ist auch in dieser Wohnanlage im Berliner Stadtteil Lichterfelde geschehen.

Nach oben gebaut

Weil Bauland eine Ressource ist: So funktioniert die flexible Nachverdichtung

Mit aufgestockten Gebäuden der Wohnungsknappheit begegnen – das gelang bei einem herausragenden Bauvorhaben in Berlin. Die Sanierung eines ganzen Straßenzuges und die Aufstockung eines Geschosses in Holzsystembauweise bringt mehr Wohnraum in neuen Höhen. Das Bauvorhaben zeigt, wie eine mieterfreundliche Sanierung gelingen kann und zugleich energieeffizientes Bauen durch Quartiervernetzung möglich ist.

16 Altbauten mit 287 Bestandswohnungen und 70 neuen Wohneinheiten gehören zu einer 1930 im Gartenstadtcharakter angelegten Wohnsiedlung im Stadtteil Lichterfelde. Die Gebäude zeichnen sich durch besonders gute Lage, mieterfreundliche Umsetzung der Sanierung und nun durch ein ganzes Stockwerk zusätzlich aus. Umgesetzt wurde der Dachgeschossneubau von der „ZimmerMeisterHaus Manufaktur ARCHE Naturhaus“. Nach und nach hat man alle Gebäude durch die in der Zimmerei vorgefertigten Holzmodule aufgestockt. Bauherr ist die „Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG“.

Der Bauherr entschloss sich zu einer Komplettsanierung mit Umstellung des Heizsystems von Fernwärme auf regenerative, am Gebäude erzeugte Energie zur Heizung und Warmwasserversorgung. Zusätzlich sollte familiengerechter Wohnraum mit großen Wohnungsgrundrissen entstehen, der in der Wohnanlage bislang tendenziell fehlte.

Die über die Jahre stark gestiegenen Instandhaltungskosten waren für die Eigentümer und Mieter inzwischen nicht mehr vertretbar. Durch die hohe Auslastung der Wohnungen konnten Sanierungen der Bäder, Stränge und Elektrik bislang nur sehr sporadisch, beispielsweise bei Auszug eines Mieters, durchgeführt werden. Rohrbrüche, hohe Ausfälle der Elektrik durch Überlastung und eine schlechte Wärmeversorgung aufgrund des veralteten Verteilungssystems waren die Folge.

Notwendige anfallende Kosten für den vorübergehenden Umzug übernahm die Genossenschaft. Da sich die Bauzeiten durch vorproduzierte Holzbau-Elemente erheblich verkürzen, konnte man schon während der Bauphase eine Vielzahl von Anfragen durch Mietinteressenten verbindlich beantworten.

 

Der Bauherr „Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG“ entschloss sich hierbei zu einer Komplettsanierung mit Umstellung des Heizsystems von Fernwärme auf regenerative.

Der Bauherr „Märkische Scholle Wohnungsunternehmen eG“ entschloss sich hierbei zu einer Komplettsanierung mit Umstellung des Heizsystems von Fernwärme auf regenerative.

Fertige Bauelemente

In der Manufaktur läuft das meiste vollautomatisch. Das Holz wird computergesteuert auf die richtigen Maße zugeschnitten und für die weitere Verarbeitung vorbereitet. Auch die nächsten Schritte bis zu den fertigen Bauelementen erfolgen maschinell. Die vorgefertigten Holzbauteile lassen sich in wenigen Tagen auf der Baustelle montieren. Anders als bei mineralischen Baustoffen entfallen die Austrocknungszeiten.

 

Am Gebäude wird daher Energie zur Heizung und Warmwasserversorgung unterirdisch erzeugt.

Am Gebäude wird daher Energie zur Heizung und Warmwasserversorgung unterirdisch erzeugt.

 

Der Großteil der bisherigen Energiekosten entfällt

Das Planungskonzept für diese Bauaufgabe stammt von dem Unternehmen eZeit Ingenieure aus Berlin. Für den schon existierenden, hohen Dachspeicher wählten sie einen Dachgeschossneubau in Holz, der die Gebäude nur um etwa eineinhalb Meter erhöht. Die äußerst kompakte Bauform ermöglicht es, ohne übermäßig dicke Dämmstärken den jährlichen Heizwärmebedarf (ohne Warmwasser) von ursprünglich 200 bis 210 kWh/m² auf etwa 33 kWh/m² zu senken. Der alte Dachraum wurde in allen Gebäuden rückgebaut und durch den Neubau aus Holzfertigteilen ersetzt. Für das Dach und die Außenwände wählte man Zellulose-Dämmung: ökologisch sinnvoll, wirtschaftlich und gut für den sommerlichen Wärmeschutz.

Durch intelligente Anlagentechnik und Beheizung der Gebäude mit niedrigen Vorlauftemperaturen wird der nutzbare Solarertrag der solarthermischen Anlage langfristig enorm erhöht: von rund 300 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf über 700 kWh.

Überschüssige und niedrige Temperaturerträge der Solaranlage werden in den sogenannten eTank geleitet, den man direkt neben den Gebäuden errichtet hat.

Durch die fast vollständige Unabhängigkeit von Strom- und Energielieferungen im Bereich der Heizungsanlage ist man weniger von steigenden Energiepreisen betroffen. Das autarke regenerative Energiekonzept drückt den derzeit hohen Verbrauch in den Gebäuden erheblich nach unten.

 

Das Planungskonzept für diese Bauaufgabe stammt vom Unternehmen eZeit Ingenieure aus Berlin. Für den schon existierenden, hohen Dachspeicher wählten sie einen Dachgeschossneubau in Holz, der die Gebäude nur um etwa eineinhalb Meter erhöht.

Das Planungskonzept für diese Bauaufgabe stammt vom Unternehmen eZeit Ingenieure aus Berlin. Für den schon existierenden, hohen Dachspeicher wählten sie einen Dachgeschossneubau in Holz, der die Gebäude nur um etwa eineinhalb Meter erhöht.

 

In die Zukunft investiert

Für das Bauvorhaben bekam der Bauherr einen zinsgünstigen KfW-Kredit mit Tilgungszuschuss. Mit diesen Mitteln wird bei vier der Gebäude des Bauvorhabens in Berlin-Lichterfelde unter anderem der CO2-Ausstoß in der Gebäudetemperierung mittels regenerativer Energien systemisch minimiert sowie der Bedarf an Grauer Energie zum Erreichen des notwendigen Dämmwertes ermittelt.

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Investitionen in verschiedene verwendete Materialien und welche Dämmstärken sinnvoll sind, damit eine Investition in Umwelt entlastende Verfahren ökologisch und ökonomisch besonders erfolgreich sein kann.

 

Gebäude in der Berliner Wohnsiedlung im Stadtteil Lichterfelde vor der Sanierung (links) und bei der Aufstockung (rechts)

Gebäude in der Berliner Wohnsiedlung im Stadtteil Lichterfelde vor der Sanierung (links) und bei der Aufstockung (rechts)

Erstmalige Förderung eines Bauvorhabens durch Umweltinnovationsprogramm UIP

Das Projekt wird in Teilen gefördert vom Umweltinnovationsprogramm (UIP) und kann bereits mit einem äußerst niedrigen Primärenergiebedarf auf Basis der Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG) punkten. In den Häusern des ersten Bauabschnittes wurde im ersten Jahr des Betriebes der geforderte durchschnittliche Primärenergiebedarf von 40 kWh/m² deutlich unterschritten. Das Umweltinnovationsprogramm (UIP) ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Das Vorhaben gilt als Leuchtturm-Projekt für sozialverträgliches Bauen und Sanieren und wertet den Standort erheblich auf – ein kurzes Unterfangen wird diese Angelegenheit jedoch dennoch nicht: Das Bauvorhaben dauert insgesamt etwa zehn Jahre.

 

Aufgestockte und sanierte Gebäude mit Solarzellen in Berlin Lichterfelde

Aufgestockte und sanierte Gebäude mit Solarzellen in Berlin Lichterfelde

 

Weitere Informationen zur Holzbauweise:

www.ezeit-ingenieure.de

www.arche-naturhaus.de  

www.zmh.com


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