Waldbaden inmitten eines Naturparks: So etwas ist eine gute Gelegenheit, die angenehme Wirkung des Waldes auf dem Körper zu spüren.

Waldbaden inmitten eines Naturparks: So etwas ist eine gute Gelegenheit, die angenehme Wirkung des Waldes auf dem Körper zu spüren.

Mensch und Natur – zwei starke Säulen, die einander brauchen

Naturparke sind Transmissionsriemen für die Umsetzung von Klimazielen

Überraschend: Der Schönbuch wurde als erster Naturpark Baden-Württembergs bereits vor einem halben Jahrhundert gegründet. Seither sind weitere sechs auf 36 Prozent der Landesfläche hinzugekommen, mit denen die Arbeitsgemeinschaft Naturparke ein starkes Netzwerk aufgebaut hat. Im Gespräch mit Kommunaltopinform spannt Forstdirektor Roland Schöttle, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Naturparke Baden-Württemberg, den Bogen zur Zukunftsstrategie 2030.

Unter welchen Voraussetzungen kann ein Gebiet zum Naturpark werden?

Es sind zwei wesentliche Voraussetzungen: Ein Naturpark kann nur dort entstehen, wo wir besonders wertvolle Landschaftsräume haben. Diese zeichnen sich durch einen hohen Anteil an  Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten oder europäischen Schutzgebieten für Natur und Landschaft aus. Es geht immer um eine qualitativ hochwertige und schützenswerte Natur. Eine zweite Säule ist der wirtschaftende Mensch, der in dieser oftmals strukturell benachteiligten Region lebt.

Wenn diese beiden Voraussetzungen zusammenkommen, kann man über die Gründung eines Naturparks nachdenken. Ein Naturpark ist keine staatliche Institution, sondern vor allem ein Instrument des bürgerschaftlichen und kommunalen Interesses. Naturparke können aber Land und Bund dabei unterstützen, ihrer nationalen und internationalen Verantwortung, zum Beispiel im Bereich Klimaschutz und Biodiversität, und damit den Anforderungen eines European Green Deal gerecht zu werden. Sie sind sozusagen der Transmissionsriemen für die Umsetzung von politischen und gesellschaftlichen Zielsetzungen.

 

Die Naturparke des Landes verabschiedeten kürzlich ihre Zukunftsstrategie 2030. Liegt dem ein einheitlicher Fokus zugrunde?

Ja, Ausgangspunkt sind immer die beiden Säulen Mensch und Natur. Es geht darum, Menschen zu sensibilisieren, ihr Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der Region weiter zu entwickeln und zu öffnen. Uns kommt es konkret darauf an, einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Biodiversität zu leisten. Das heißt, mit Maßnahmen wie der Landschaftspflege und des Naturschutzes muss die vorhandene Qualität mindestens erhalten, aber möglichst verbessert werden. Darauf bauen unsere vier Säulen der Zukunftsstrategie auf – Schutz, Erholung, Bildung und Entwicklung.

 

Hat dennoch jeder Naturpark individuelle Strategien oder sind alle miteinander vernetzt?

Beides stimmt. Zum einen hat jeder Park seinen spezifischen Naturpark-Plan für die Zukunft seiner Region in einer Zeitperspektive von zehn Jahren zugeschnitten. Es wurden aber auch gemeinsame Akzente gesetzt, um landesweit wirksam zu sein. Nur so können unsererseits kraftvolle Kampagnen fürs Land entstehen, beispielsweise im Bereich der Naturpark-Schulen. Zwischenzeitlich wurde von fast allen Naturparken dieses inhaltlich und qualitativ abgestimmte Konzept übernommen. Ähnlich ist es im Bereich Biodiversität mit unserer Kampagne ‚Blühende Naturparke‘. Mit diesen Kampagnen adressieren wir die Politik und betreiben engagierte Lobbyarbeit. In den letzten drei Jahren förderte das Land mit zusätzlich 1,3 Millionen Euro die Stärkung unserer Geschäftsstellenarbeit. Aktuell sind wir im Gespräch mit den Regierungsfraktionen, um ein Netzwerk von Naturpark-Rangern zu etablieren.

Zukunftsstrategie 2030: Für ein gutes Miteinander von Mensch und Tier im großen Erholungsgebiet und Lebensraum Natur.

Zukunftsstrategie 2030: Für ein gutes Miteinander von Mensch und Tier im großen Erholungsgebiet und Lebensraum Natur.

Mehrere Leuchttürme stehen in der Zukunftsstrategie 2030, greifen wir mal drei heraus, beispielsweise die blühenden Naturparke …

Damit sprechen wir Städte und Gemeinden an, damit sie ihr interkommunales Grün extensiver entwickeln, das heißt Reduktion der Mahd, weniger Düngung und die Verwendung von regional heimischem Saatgut. Von unserer Seite bieten wir dazu Beratungen, Informationsveranstaltungen und Schulungen an.

 

… und was verbirgt sich hinter dem neugierig machenden ‚bewusstWild‘?

Naturparke sind Erholungsgebiete für Menschen, die wir in die wunderbaren Landschaften einladen möchten, damit sie Besonderheiten kennenlernen und genießen können. Das steht auch unter dem Aspekt Besucherlenkung. Will heißen: Wir machen ein attraktives Angebot, müssen aber auch die Anforderungen von Schutzgebieten und Tierlebensräumen damit verbinden. Wegeführungen orientieren sich an Ruhezonen und Brutgebieten. Mensch und Tier sollen gut miteinander zurechtkommen. Dafür klären wir über Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit auf. Nur wenn Menschen Sympathie für Tiere haben, übernehmen sie Verantwortung und denken darüber nach, was nächtliche Waldläufe querfeldein für Wildtiere bedeuten. Wir versuchen mit der Kampagne, Menschen zu bewegen, mal die Sichtweise zu wechseln. Auch Wildtiere wollen nicht, dass wir durch ihre Schlafzimmer laufen. Waldbaden ist ein gutes Beispiel: Menschen sollen die angenehme Wirkung des Waldes in und auf ihrem Körper erleben, aber bitte nicht abseits der Wege. Über unsere Naturpark-Führer bieten wir zahlreiche solcher Freizeitaktivitäten an.

Im Naturpark Obere Donau ist Bootfahren ein Erlebnis der besonderen Art. Mitten im Wasser warten dann auch schon zwei Stühle mit Tisch auf Gäste.

Im Naturpark Obere Donau ist Bootfahren ein Erlebnis der besonderen Art. Mitten im Wasser warten dann auch schon zwei Stühle mit Tisch auf Gäste.

Der Leuchtturm Nummer drei heißt Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Naturpark-Schulen leben und arbeiten nach dem Prinzip ‚mit Hand, Herz und Verstand‘. Das bedeutet, Dinge zu verstehen, Emotionen zu entwickeln und selbst Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Die Idee ist auch, dass über schulische Bildungskonzepte die Lebenswirklichkeit in der Gemeinde im Bildungsplan ergänzt wird. Wir haben viele Partnerschulen  mit denen wir arbeiten, und zu denen zum Beispiel unsere Naturpark-Schulen mit einem Ernährungs- und Kochbus vorfahren. Unsere Ideen für aktive und emotionale Erlebnisse im Naturpark sind so zahlreich, dass sie den Rahmen des Interviews sprengen würden. Ich kann Interessierten nur empfehlen, sich auf unseren Internetseiten über die vielfältigen Angebote zu informieren.   [ sf ]

Abenteuer Natur – spannende Erlebnisse helfen Kindern, Dinge zu verstehen, Emotionen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Abenteuer Natur – spannende Erlebnisse helfen Kindern, Dinge zu verstehen, Emotionen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen.

Für Rückfragen:

Roland Schöttle: Tel.: +49 7676-9336-22


AG Naturparke Baden-Württemberg

Haus der Natur
Dr.-Pilet-Spur 4
79868 Feldberg

Tel. +49 7676 9336-10
Fax. +49 7676 9336-11
E-Mail. info@naturpark-suedschwarzwald.de
Web. www.naturpark-suedschwarzwald.de
Web. www.naturparke-bw.de

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22. Oktober 2021


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