Friedhöfe wandeln sich immer stärker zu parkähnlichen Anlagen.

Friedhöfe wandeln sich immer stärker zu parkähnlichen Anlagen.

29. Oktober 2021 – Anzeige

Friedhöfe als kleine Paradiese begreifen

Neben traditionellen Bestattungsformen wünschen sich viele Bürger neue Wege

Die Anzahl der kirchlich begleiteten Bestattungen in Deutschland hat in den Jahren zwischen 2000 bis 2018 um zirka 16 Prozent abgenommen. Laut www.statista.de hat der Anteil der Discount-Bestattungen an allen Bestattungen zwischen 2014 und 2020 um 25 Prozent zugenommen.

Waren es 1993 noch 33 Prozent Feuerbestattungen und 67 Prozent Erdbestattungen, betrug das Verhältnis 2019 bereits 70 zu 30 Prozent.

Eine Studie von 2019 hinsichtlich der Bestattungswünsche ergab, dass nur noch 14 Prozent ein Sarggrab und elf Prozent ein Urnengrab, 21 Prozent eine pflegefreie Beisetzungsform auf einem Friedhof wie eine Grasbestattung, 19 Prozent eine Baumbestattung in einem Bestattungswald, sechs Prozent eine Urnenbeisetzung auf See, 14 Prozent eine Verstreuung der Asche in der Natur und neun Prozent eine Aufbewahrung der Urne zu Hause beziehungsweise im Garten wünschen (Quelle: www.aeternitas.de).

Wertewandel als Ursache

Individualisierung ist der Megatrend der aktuellen Zeit: Selbstverwirklichung, Selbstbestimmung und persönliche Wahlfreiheit sind prägend für die heutige Gesellschaft. Dies verlangt ein Umdenken nach neuen Trauer- und Bestattungsformen. Traditionelle Friedhöfe bieten für viele Menschen keinen Raum für individuelle Trauermöglichkeiten.

Friedhöfe hatten bisher zwei wichtige Aufgaben:

1. Ein Abschiednehmen als soziales Ereignis zu gestalten, das die verstorbene Person würdigt.

2. Individuelle Trauerarbeit zu ermöglichen und zuzulassen, um Trauer als Teil unseres Lebens zu verstehen.

Sind die Trauer, der Schmerz und die Leere überwunden, tritt an die Stelle Gedenken. Wie schön ist die Vorstellung, auf dem Friedhof neue Kraft zu gewinnen! Dies gelingt nicht in einer tristen Umgebung.

Links: Erinnerungskultur kann sehr schlicht und dennoch würde- und liebevoll sein. Rechts: Wunderschön gestaltete Ecken erinnern an verstorbene Angehörige.

Links: Erinnerungskultur kann sehr schlicht und dennoch würde- und liebevoll sein. Rechts: Wunderschön gestaltete Ecken erinnern an verstorbene Angehörige.

Neue Wege

Für die Friedhöfe der Zukunft bedeutet dies, Allianzen von Innovativem und Traditionellem zu bilden und Neuem aufgeschlossen entgegenzutreten. In der Mehr-Felder-Strategie wird Traditionelles bewahrt und es bleibt Raum für Innovationen. Es gibt bereits Ansätze andersartiger Friedhöfe, die zeigen, was in Zukunft möglich sein kann. Eine weitläufige, naturnahe Landschaft mit einem kleinen See, schönen Aussichtspunkten, Bäumen, Blumen und Kunstobjekten geben dem parkähnlichen Areal ein idyllisches Flair. Welcher Ort dem Grab der verstorbenen Person am besten gerecht wird und ob dieser mit einem Namensstein oder Kunstobjekt gekennzeichnet ist, entscheidet jeder individuell. Konzerte und Veranstaltungen ergänzen das Konzept. Blumenwiesen und Bachläufe haben einen beruhigenden Charakter und symbolisieren den stetigen Kreislauf von Leben und Tod. Friedhöfe sind Freiräume, die für alle Menschen offenstehen und eine willkommene Atmosphäre ausstrahlen sollen, und benötigen gerade deshalb eine liebevolle Gestaltung.

Individuelle Wünsche erfüllen

Es geht nicht darum, die Beisetzung zu reformieren. Menschen, die sich traditionelle Formen wünschen, soll weiterhin eine klassische Erd- oder Feuer-Bestattung ermöglicht werden. Es geht darum, die individuellen Wünsche jedes Einzelnen auf seiner letzten Reise zu erfüllen. Deshalb ist es wichtig, bei der Erstellung von Friedhofskonzepten die Tradition und kulturelle Aspekte zu berücksichtigen. In Zukunft ist es entscheidend, die Bedürfnisse zu verstehen. Friedhöfe sind als besondere Orte zu begreifen, die Trost, Versöhnung, Heilung, Friede, Ruhe aber auch Freude vereinen. Eine umfriedete Umgebung, die als kleines Paradies zu begreifen ist.


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