Der eigenständig bewältigte Schulweg ist für Kinder ein wichtiger Grundstein für ihre Verkehrskompetenz von morgen. Wichtig dabei: Schulwege sollten sicher sein – das ist in der Kommune eine Team-Aufgabe.

Der eigenständig bewältigte Schulweg ist für Kinder ein wichtiger Grundstein für ihre Verkehrskompetenz von morgen. Wichtig dabei: Schulwege sollten sicher sein – das ist in der Kommune eine Team-Aufgabe.

Höhere Priorität für Schulwegsicherheit

Kinder schützen: Ratschläge und Richtlinien für kommunale Entscheidungsträger

Über 22.400 Kinder, die jünger als 14 Jahre alt waren, sind 2020 auf deutschen Straßen verunglückt, 48 kamen ums Leben. 2019 starben 55, 2018 sogar 79 Kinder bei Unfällen. Mehr als die Hälfte der verunglückten Kinder waren jeweils Fußgänger oder Radfahrer. Diese Zahlen zeigen, wie wichtig sichere Schulwege sind. Die Experten der DEKRA Unfallforschung appellieren deshalb an kommunale Entscheidungsträger, dem Thema den nötigen Stellenwert einzuräumen.

„Schulwegsicherheit ist eine Team-Aufgabe in der Kommune“, unterstreicht DEKRA Unfallforscher Markus Egelhaaf. „Schulen, Polizei und kommunale Verwaltung sollten sich zusammentun, und das eng abgestimmt mit der örtlichen Unfallkommission.“

Das Instrument „Schulwegeplan“ spielt dabei eine wichtige Rolle. Es informiert darüber, welche Haupt-Schulwege unter Sicherheitsgesichtspunkten zu empfehlen sind. „Es sollte nicht jede Schule als ‚Insel‘ betrachtet werden.“ Markus Egelhaaf plädiert für eine zentrale Koordination in der Kommune als Ganzes. „Pläne für verschiedene Schulen, etwa Grund- und weiterführende Schulen, müssen aufeinander abgestimmt sein. Nur so gibt es für Kinder und Eltern nach der Grundschule einem Wiedererkennungseffekt.“ Bei weiterführenden Schulen reiche ein Plan mit einen Kilometer Umkreis um die Schule außerdem nicht aus.

Für die Erstellung von Schulwegeplänen hat die Bundesanstalt für Straßenwesen einen Leitfaden veröffentlicht, der in der dritten Auflage (2019) online verfügbar ist. Entscheidend ist für den Unfallforscher, dass Schulwegepläne regelmäßig validiert und aktualisiert werden. Und nicht nur der Plan, sondern auch die Infrastruktur. Nur so gebe es eine Garantie, dass sichere Wege auch sicher bleiben. Die Überprüfung der sicheren Wege sei eine permanente Aufgabe.

Wie aber sehen sichere Schulwege aus? Mit Blick auf zu Fuß gehende Kinder spielen vor allem die Qualität der Gehwege und sichere Querungsstellen eine wichtige Rolle. Hier empfiehlt der Unfallforscher, Fußgängerampeln auch außerhalb der Schulzeiten in Betrieb zu lassen, zumindest als Anforderungsampel. „Kinder gehen auch nach der Schule und am Wochenende ihre bekannten Wege. Sie sollten dort auch immer die gleiche Sicherheitsinfrastruktur vorfinden.“

Entscheidend für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ist, dass sie für andere Verkehrsteilnehmer gut zu sehen sind.

Entscheidend für die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ist, dass sie für andere Verkehrsteilnehmer gut zu sehen sind.

Eine gute Sicht auf den Verkehr und örtliche Verkehrsberuhigungen machen Schulwege sicher

Auch die Sicht ist ein wichtiges Thema, deshalb sollten relevante Sichtlinien immer freibleiben. Hier müssen vor allem die Parkplätze in der Nähe von Ampeln und Fußgängerüberquerungen kritisch betrachtet werden. Außerdem können auch beliebte und durchaus wichtige Stadtmöbel – Sitzbänke, Abfalleimer – die Sicht behindern. „Aber auch vermeintlich banale Dinge wie das Mähen von Grünflächen im Verkehrsraum spielen eine Rolle. Kinder müssen für andere Verkehrsteilnehmer gut zu sehen sein und selbst gute Sicht auf den Verkehr haben.“ Das Parken auf Geh- und Radwegen sollte deshalb im Interesse der Schulwegsicherheit konsequent geahndet werden.

Wesentlicher Bestandteil von Verkehrssicherheit sind die gefahrenen Geschwindigkeiten. Im Bereich von Schulen spricht sich Egelhaaf für maximal Tempo 30 aus. „Je nach Straßenart kann diese Anordnung auf die Schulzeiten beschränkt sein, was erfahrungsgemäß die Akzeptanz fördert. Je einsichtiger eine Regel, umso eher halten sich Verkehrsteilnehmer daran.“

Auch die richtige Gestaltung von Bushaltestellen kann Unfälle verhindern. Genügend Platz ist wichtig, ebenso die gute Einsehbarkeit der Wege zur und von der Haltestelle. Außerdem muss man darauf achten, dass der nachfolgende Verkehr hinter dem haltenden Bus hält oder nur langsam vorbeifährt. So werden Unfälle mit Kindern vermieden, die vor oder hinter dem Bus die Straße überqueren. Das kann durch den Einsatz von Ampeln geschehen, oder durch bauliche Maßnahmen, die den Verkehr im Bereich der Bushaltestelle einbremsen. Querungshilfen im Haltestellenbereich sollten möglichst den direkten Weg zur Schule abbilden und keine allzu großen Umwege erforderlich machen.

Ein nicht zu unterschätzendes Sicherheitsproblem ist vielerorts das so genannte „Elterntaxi“. „Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, meinen es natürlich gut. Oft geht das Ganze aber nach hinten los“, befürchtet der Unfallforscher. Zum einen trägt es nicht dazu bei, dass Kinder eigene Verkehrskompetenzen erwerben und sich damit sicher im Straßenverkehr bewegen. Zum anderen führt der Fahrzeugandrang oft zu Verkehrschaos und zu gefährlichen Situationen. „Wenn sich das ‚Elterntaxi’ nicht vermeiden lässt, muss es zumindest so organisiert sein, dass niemand über Gebühr gefährdet wird.“ Ausgewiesene Halteplätze in zumutbarer Entfernung sollten eingerichtet und im Schulwegeplan verankert sein. Auch die Aufklärung der Eltern über den Sinn des Erlernens von Selbstständigkeit im Verkehr ist wichtig.

Für die Erwachsenen ist es nicht einfach, sich vorzustellen, wie sich ein kleines Schulkind im Straßenverkehr fühlt. Große, aufblasbare „Gulliver-Autos“ von DEKRA helfen dabei.

Für die Erwachsenen ist es nicht einfach, sich vorzustellen, wie sich ein kleines Schulkind im Straßenverkehr fühlt. Große, aufblasbare „Gulliver-Autos“ von DEKRA helfen dabei.

Regelmäßige Verkehrserziehung ist Pflicht

Eine wichtige Forderung der Experten betrifft das Thema Verkehrserziehung insgesamt: „Regelmäßige und aufeinander aufbauende Verkehrserziehung vom Kindergarten bis in die höheren Klassen ist für die sichere Teilnahme am Straßenverkehr unerlässlich“, betont Egelhaaf und verweist auf den DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2019 zum Thema „Kinder im Straßenverkehr“ „Die Basiserziehung im Kindergarten und die fundierte Radfahrausbildung im Grundschulalter sollten nicht vernachlässigt werden. Die Verkehrskompetenz, die Kinder bis zum Ende der Grundschule erlangen, prägt später ihr Verhalten im Straßenverkehr und ihre Regelkenntnis. Hier wird der Grundstein für die Verkehrssicherheit von morgen gelegt.“


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28. Dezember 2021


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