Beleuchtungen an der Ortsdurchfahrt in Heiningen (im Landkreis Göppingen): Die Verminderung der Lichtverschmutzung zum Schutz der Biodiversität ist Ziel des Landes Baden-Württemberg. Das Besondere: Die Helligkeit der Lampen passt sich automatisch dem jeweiligen Verkehrsaufkommen an. Je weniger Verkehr, umso schwächer die Beleuchtung.

Beleuchtungen an der Ortsdurchfahrt in Heiningen (im Landkreis Göppingen): Die Verminderung der Lichtverschmutzung zum Schutz der Biodiversität ist Ziel des Landes Baden-Württemberg. Das Besondere: Die Helligkeit der Lampen passt sich automatisch dem jeweiligen Verkehrsaufkommen an. Je weniger Verkehr, umso schwächer die Beleuchtung.

Insekten schützen mit intelligent gesteuerter Straßenbeleuchtung

Reduzierte Lichtverschmutzung lässt nachtaktive Tiere aufatmen / Pilotprojekt im Landkreis Göppingen

Pilotprojekt für insektenfreundliche Beleuchtung an der L1217 startet in Heiningen im Landkreis Göppingen – das Land fördert das einjährige Forschungsprojekt zum Schutz von Biodiversität und Umwelt mit 75.000 Euro.

Insekten werden Heiningen lieben – denn seit Neuestem werden sie von einer dimmbaren Straßenbeleuchtung auf ganz neue Art willkommen geheißen. In einem landesweit einzigartigen Projekt wird die Beleuchtungsstärke der Straßenlampen entlang der Ortsdurchfahrt (L1217) nachts dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen angepasst werden. Das heißt: In verkehrsarmen Zeiten kann sie zum Schutz der Insekten heruntergeregelt werden – natürlich ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Gleichzeitig können die Tiere über ein kameragestütztes System beobachtet und gezählt werden.

 

Land unterstützt Forschungsvorhaben mit 75.000 Euro

Das Ministerium für Verkehr des Landes Baden-Württemberg fördert dieses Projekt mit 75.000 Euro aus Mitteln des Sonderprogramms zur Stärkung der biologischen Vielfalt. Die Landtagsabgeordnete Elke Zimmer, Staatssekretärin im Verkehrsministerium, sagte zum Auftakt: „Es freut mich sehr, dass hier in Baden-Württemberg ein solches Projekt startet und dass wir mit Landesmitteln einen entscheidenden Beitrag dazu leisten können. Lichtverschmutzung ist zunehmend ein Problem, dem man sich zum Schutz der Biodiversität annehmen muss. Ich bin gespannt auf die Erkenntnisse aus dem Projekt, die uns zeigen werden, inwiefern Straßenbeleuchtung mittels intelligenter Steuerung insekten-freundlicher gemacht werden kann.“

Intelligente Technik: Spezielle Sensoren und Verkehrskameras an den Lampen registrieren das jeweilige Verkehrsaufkommen und passen dann die Helligkeit jeder Lampe an.

Intelligente Technik: Spezielle Sensoren und Verkehrskameras an den Lampen registrieren das jeweilige Verkehrsaufkommen und passen dann die Helligkeit jeder Lampe an.

Insektensterben soll gebremst werden

Die Verminderung der Lichtverschmutzung zum Schutz der Biodiversität ist Ziel des Landes Baden-Württemberg. Das Landes-Naturschutzgesetz wurde 2020 entsprechend angepasst. Unter anderem solldas dramatische Insektensterben gemildert oder gestoppt werden – auch an Straßenleuchten. Denn die Insekten werden von künstlichen Lichtquellen angezogen und kommen entweder an den Leuchten selbst um oder umkreisen diese bis zur völligen Erschöpfung, was zu einer erhöhten Sterblichkeit führt.

 

Tatsächliches Verkehrsaufkommen bestimmt Lichtstärke

Gemeinsam mit den Projektpartnern Technische Universität Berlin, Netze BW GmbH, Urban Lighting Innovations GmbH, Schréder GmbH und Studio DL untersucht die Gemeinde Heiningen in dem Forschungsvorhaben die Auswirkungen unterschiedlicher Dimm-Level der Straßenbeleuchtung auf die Insekten und Menschen. Die Beleuchtungsstärke soll sich jeweils nach den Erfordernissen des tatsächlichen Verkehrsaufkommens richten und nicht mehr nach standardisierten Durchschnittswerten. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr angelegt.

Wenn die Beleuchtungsstärke an das Verkehrsaufkommen angepasst wird, bedeutet das weniger Lichtstress für Insekten.

Wenn die Beleuchtungsstärke an das Verkehrsaufkommen angepasst wird, bedeutet das weniger Lichtstress für Insekten.

Heiningens Bürgermeister ist stolz auf Vorreiterrolle

Das Heininger Projekt „KI gestützte adaptive Straßenbeleuchtung zum Schutz von Biodiversität und zur Energieeinsparung“ ist unter den 37 Finalisten in der Kategorie Nachhaltigkeit für den Innovationspreis Reallabor 2022 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Der Bürgermeister der Gemeinde Heiningen, Norbert Aufrecht, zeigte sich begeistert über das vom Land geförderte Forschungsvorhaben: „Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind zukunftsweisend für die kommunale Straßenbeleuchtung. Wir sind stolz, dass diese innovative, effiziente und vor allem insektenschützende Technik in unserer Gemeinde erstmals umgesetzt wird und wir hier landesweit eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir hoffen, dass die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt dazu beitragen, dass unser Beispiel in Baden-Württemberg Schule macht.“

 

Intelligente Technik ist im Einsatz

Bereits bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt Heiningen sind LED-Straßenleuchten installiert worden, die nun um weitere Technik zur adaptiven Lichtsteuerung ergänzt wurden. So erfolgt die Erfassung des Verkehrsaufkommens mittels Verkehrskameras, Bluetooth-Tracker, vorhandenen Echtzeitverkehrsdaten sowie hochauflösenden Mikrofonen. Die daraus gewonnenen Daten werden in einem sogenannten Lichtmanagementsystem weiterverarbeitet, das im Anschluss entsprechende Steuerungen der Dimm-Level der Straßenleuchten vornimmt. So wird die Beleuchtungsstärke entsprechend des reduzierten Verkehrsaufkommens abgemindert. Beleuchtete Fußgängerüberwege sind davon ausgenommen, da diese zur guten Erkennbarkeit von Fußgängern höhere Anforderungen an die Ausleuchtung erforderlich machen.

Das Pilotprojekt in Heinigen an der L1217 wurde gestartet von der Staatssekretärin Elke Zimmer (Mitte), von Bürgermeister Norbert Aufrecht (links), von Steffen Ringwald, dem Geschäftsführer Netze BW (rechts), und den Landtagsabgeordneten Ayla Cataltepe (Zweite von links) und Nicole Razavi.

Das Pilotprojekt in Heinigen an der L1217 wurde gestartet von der Staatssekretärin Elke Zimmer (Mitte), von Bürgermeister Norbert Aufrecht (links), von Steffen Ringwald, dem Geschäftsführer Netze BW (rechts), und den Landtagsabgeordneten Ayla Cataltepe (Zweite von links) und Nicole Razavi.

„Insekten-Tracking“ soll Erkenntnisse bringen

Mit einem kameragestützten Insekten-Monitoring-System („Insekten-Tracking“) soll begleitend untersucht werden, inwieweit sich die reduzierte Beleuchtungsstärke positiv auf nachtaktive Insekten auswirkt. Ein Novum in dieser Studie soll das Zählverfahren der Insekten an den Leuchten sein. Hierbei werden keine Insektenfallen an den Leuchten montiert, sondern Monitoring durch spezielle Kameras und intelligente Software umgesetzt, die die Insektenaktivitäten zuverlässig aufnehmen und mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auswerten können, ohne dabei Lichteigenschaften zu verändern.

Bei diesem Forschungsprojekt arbeiten mehrere Partner aus der Beleuchtungs- und Energiebranche sowie der Wissenschaft mit der Gemeinde Heiningen zusammen, um die bedarfsangepasste Beleuchtung auf Ortsdurchfahrtsstraßen zur Verminderung der Lichtverschmutzung zu realisieren.

Steffen Ringwald (Geschäftsführer Netze BW, links) erklärt das Sensorsystem der Straßenlampen.

Steffen Ringwald (Geschäftsführer Netze BW, links) erklärt das Sensorsystem der Straßenlampen.

 


Das Logo des Ministeriums für Verkehr besteht aus einem Wappen, und zwei Schildhalter, es steht auf der rechten Seite ein Hirsch, dieser repräsentiert Württemberg und auf der linken Seite steht der Greif, dieser steht für Baden. Das Schild ist in den Farben goldfarben gestaltet, in der Mitte sieht man das Wappen mit drei schwarzen Löwen die nach links schreiten. Darunter steht in großen Lettern: "Baden-Württemberg", darunter dann "Ministerium für Verkehr".

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9. August 2022


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