Gelbes Schild in Landschaft mit der Aufschrift "Ökostrom"

Die Energiewende hat seit Beginn des Ukrainekrieges neuen Aufwind bekommen.

„Frag doch mal …“ ob sich die Energiewirtschaft überhaupt noch planen lässt?

KOMMUNALtopinform sucht nach Experten, die nach wie vor Projekte und Umsetzungsmöglichkeiten für die Energiewende sehen

Die Energiewende hat viele Gesichter und steckt voller Herausforderungen. Das Jahr 2022 hat mit dem Ukraine-Krieg alle bisherigen Probleme auf den Kopf gestellt oder verschärft. Gas wird teuer und ist vielleicht bald nur noch – wenn überhaupt – in geringem Ausmaß verfügbar. Die Benzin- und Strompreise steigen in immer neue Höhen. Im Frühjahr wurden die ersten Stimmen laut, die die Rückkehr zur Atomenergie forderten.

 

Seit Anfang Juli ist klar, dass die Bundesregierung verstärkt Kohlekraftwerke einsetzen will. Verordnungen, die zum Kohleausstieg führen sollten, wurden wieder aufgehoben. Ein wichtiger Teil der Energiewende wird also verschoben. In diesen Krisenzeiten müsste die Energiewende aber eigentlich schneller verlaufen als geplant. Trotzdem scheint es im Moment so zu sein, dass gerade das Planen immer schwieriger wird.

 

Erneuerbare Energien in hohem Tempo weiter ausbauen

Prof. Dr. Petra Denk vom Institut für Systemische Energieberatung der Hochschule Landshut

Prof. Dr. Petra Denk vom Institut für Systemische Energieberatung der Hochschule Landshut

Petra Denk: „Wir leben in einer spannenden Zeit der Transformation.“

„Der Ausdruck ‚überhaupt noch‘ in Ihrer Frage suggeriert, dass die Energiewirtschaft nun nicht mehr planbar sei. Dies stimmt meines Erachtens so nicht. Wir müssen nun leider in sehr kurzer Zeit sehr anders planen – und das birgt enorme Herausforderungen.
Die Herausforderung in der Energiepolitik besteht seit langem darin, das Zieldreieck mit den Eckpfeilern Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit gesamthaft zu optimieren. In den letzten Jahrzehnten sind wir insbesondere zugunsten der Wirtschaftlichkeit und einer scheinbar vorhandenen Versorgungssicherheit durch einen scheinbar verlässlichen Gaslieferanten ein hohes Risiko eingegangen.
Dass die Energiewende sehr schleppend verlaufen ist und verläuft, war uns allen bewusst. Dass das Gas eigentlich zu billig war, so meine ich, war vielen von uns auch bewusst.
Wir haben seit längerem das Ziel definiert, die erneuerbaren Energien auszubauen und somit nachhaltiger Energie zu erzeugen. Allerdings hinken wir den Zielen weit hinterher. Deshalb ist auch das Osterpaket, das zum Ziel hat, den Umbau des Energiesystems zu beschleunigen, richtig. Wir müssen als Gesellschaft umdenken und den Ausbau der erneuerbaren Energien als Chance begreifen und somit positiver begleiten. Uns allen sollte bewusst werden, dass Energie ein hohes Gut ist, welches seinen Preis hat.

Auf die Frage, wer welche Kosten zu tragen hat, eine Antwort zu geben, ist schwierig. Sicherlich muss der Umbau sozialverträglich und möglichst ursachengerecht – CO2-Kosten eingepreist – allokiert werden.
Wir haben uns zu lange auf zu günstige Energie verlassen, insbesondere auf günstiges russisches Gas. Heute sieht man auf kommunaler Ebene, wer im Vorteil ist. Jene Kommunen, die schon frühzeitig den Eckpfeiler der Nachhaltigkeit in ihrer kommunalen Energiestrategie berücksichtigt haben und somit bereits schrittweise auf kommunaler Ebene das Energiesystem transformiert haben, indem sie im elektrischen Bereich z. B. den Ausbau der Photovoltaik oder aber auch der Windenergie unterstützt haben und im Wärmebereich, wo sinnvoll, Wärmenetze geplant haben. Diese Kommunen haben in der heutigen Zeit weniger zu kämpfen als Kommunen, die lange in der konventionellen Energieversorgung stecken geblieben sind. Für letztere gibt es heute enorme Herausforderungen.

Wir sind mitten in einer spannenden Zeit der Transformation des gesamten Energiesystems. Jeder einzelne von uns kann seinen Beitrag leisten: wir müssen Energie sparen, effizienter werden und unterstützen, dass die erneuerbaren Energien in hohem Tempo weiter ausgebaut werden. Die Transformation ist ein Kraftakt; gleichzeitig kann es aber auch ein Gewinn sein, zu wissen, dass wir zukünftig Energie nachhaltiger und zu angemessenen Preisen erzeugen werden.
Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir für die Versorgungssicherheit und die Umweltverträglichkeit einen höheren Preis zahlen müssen. Denn es gibt nichts umsonst, schon gar nicht günstige Energie zu jeder Stunde. Wenn wir diese Transformation erfolgreich abschließen, dann wird die Energiewirtschaft auch wieder planbarer – und unter nachhaltigeren Rahmenbedingungen.“

 

Lechfall (Stauwehr) bei Füssen

Der Lechfall am südlichen Stadtrand von Füssen ist ein etwa zwölf Meter hohes, in ganzer Breite überströmtes Stauwehr am Lech. Dieses Stauwehr wurde zusammen mit einem Ableitungsstollen zur Nutzung der Wasserkraft bereits in den Jahren 1784 bis 1787 vor den Toren Füssens errichtet. Die Frage ist, ob solche Fluss-Staustufen in Zukunft wieder eine größere Rolle bei der Stromerzeugung spielen könnten.

 

 

Kontakt:
Hochschule Landshut
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Prof. Dr. Petra Denk
Am Lurzenhof 1, 84036 Landshut
Tel.: +49 871 – 506 274
Fax: +49 871 – 506 9274
petra.denk@haw-landshut.de
www.haw-landshut.de

 

 

Weitere Statements zum Thema von:
Egon Leo Westphal, Vorstandsvorsitzender der Bayernwerk AG
Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

_________________________

 

Diskutieren Sie mit!

 

Können wir mit den erneuerbaren Energien noch rechtzeitig das Ruder herumreißen?
Welche nachhaltigen Energie-Lösungen lassen sich schnell und kostengünstig umsetzen?
Welche neuen Technologien sind besonders gefragt?

Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Erfahrungen!

 


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17. September 2022


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