Idar-Oberstein liegt langgezogen im Nahetal. Hier der Blick vom Schloss Oberstein

Idar-Oberstein liegt langgezogen im Nahetal. Hier der Blick vom Schloss Oberstein

„In Idar-Oberstein wird man glücklich sein“

Idar-Oberstein wird binnen eines Jahres zu einer der reichsten Kommunen von Rheinland-Pfalz – und nun?

Die 30.000-Einwohner-Stadt Idar-Oberstein an der Nahe ist traditionell als Bundeswehrstandort und Edelstein- und Schmuckstadt bekannt. Der Ort ist außerdem seit langem bei Touristen sehr beliebt, denn die umliegende prachtvolle Landschaft des Hunsrücks begeistert Wanderer und Radfahrer.

Trotzdem gab es auch viel Schatten. So gehörte Idar-Oberstein in den vergangenen Jahrzehnten zu den ärmsten Kommunen in Rheinland-Pfalz. Aber dann geschah ein kleines Wunder. Vor rund dreizehn Jahren hatte das Mainzer Unternehmen „BioNTech“ neue Laborräume gesucht und war in Idar-Oberstein fündig geworden.
Kaum jemand im Ort beachtete das Unternehmen, das damals ebenfalls rote Zahlen schrieb. Mit der Entwicklung von mRNA-Wirkstoffen und einem Impfstoff gegen Corona wurde das Unternehmen weltberühmt. Das Geld begann zu fließen – und landete über die Gewerbesteuer auch in den leeren Stadtkassen.
Idar-Oberstein steht deshalb heute vor einem Wandel, mit dem niemand gerechnet hatte. Die Stadt kann ihre Zukunft völlig neu gestalten. Wie will Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU, 53) damit umgehen? Das erzählt er im Interview mit KOMMUNALtopinform.

Frank Frühauf (CDU) ist im letzten Juni mit fast 90 Prozent Zustimmung in seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister von Idar-Oberstein gewählt worden.

Frank Frühauf (CDU) ist im letzten Juni mit fast 90 Prozent Zustimmung in seine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister von Idar-Oberstein gewählt worden.

KOMMUNALtopinform: Herr Oberbürgermeister Frühauf, Ende 2021 konnte Idar-Oberstein 120 Millionen Euro Schulden zurückzahlen und war dann immer noch mit 110 Millionen im Plus. Waren Sie in diesem Moment der glücklichste Oberbürgermeister der Bundesrepublik?
Frank Frühauf: Ich war jedenfalls ein sehr glücklicher Oberbürgermeister, weil man in Idar-Oberstein nun wieder die Dinge selbst gestalten kann. Es war schön zu wissen, dass nun eine vernünftige Planung für die Zukunft möglich ist.

Sie haben Ende 2021 gesagt „Wir können jetzt Geschichte schreiben“. Wie hat sich diese Vision entwickelt? Besteht die Gefahr, dass die Stadt angesichts der Möglichkeiten den Überblick verliert?
Ich habe den Vorteil, dass ich aus dem Unternehmertum komme. Ich kann deshalb mit großen Zahlen umgehen. Ich denke, dass es wichtig ist, die Leute von Anfang an mitzunehmen. Bei einem so großen Geldsegen ist das natürlich nicht einfach. Aber es ist uns gelungen. Die oberste Priorität galt dabei der Nachhaltigkeit. Deshalb war es sehr wichtig, die Stadt völlig zu entschulden. Außerdem müssen wir auch an die Verpflichtungen der kommenden Jahre denken. Es ist wichtig, dass man diese Bereiche aufstockt, damit man dafür in den nächsten 30 Jahren keine Gelder erwirtschaften muss. Wir haben mit einer größeren Summe die Pensionsrückstellungen aufgestockt, damit verringern sich für die nächsten 30 Jahre die jährlichen Aufwendungen. Wichtig war mir außerdem, dass wir die Bürger und Bürgerinnen und die Unternehmen entlasten. Wir haben insgesamt 63 Millionen Euro in den Händen der Unternehmen und auch der Bürger und Bürgerinnen gelassen, indem wir die Grundsteuer und die Gewerbesteuer massiv gesenkt haben. Wir haben nun mit die niedrigsten Sätze in Rheinland-Pfalz.

Was gehört in naher Zukunft zu den größten Herausforderungen?
Wir müssen Arbeitskräfte finden oder selbst für die Ausbildung der nötigen Fachkräfte sorgen. Der Landkreis hatte bereits eine Fachkräfte-Initiative gestartet. Das reicht leider nicht. Wir müssen uns mit allen verfügbaren Mitteln dafür einsetzen, dass wir genügend Arbeitskräfte bekommen. Die zweite große Herausforderung ist der benötigte Wohnraum. Wir müssen für die Menschen, die zu uns kommen, bezahlbaren Wohnraum oder adäquates Bauland bereit haben. In diesem Bereich gehen wir im Moment verstärkt den Weg der Nachverdichtung. Trotzdem werden wir zusätzlich noch neues Bauland erschließen müssen. Hier müssen wir aber die Gegensätze von Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch genau im Auge behalten.

Die Stadt hat bisher etwas verarmt gewirkt …
Dieses Stadtbild wird sich völlig ändern. Wir werden Programme für die Innenstadt entwickeln, wir werden die Straßen ausbauen und erneuern und die Infrastruktur verbessern. Außerdem führen wir in den Innenstädten von Idar und Oberstein in Zusammenarbeit mit den Gewerbetreibenden eine Reihe von Verbesserungsmaßnahmen durch. Wir arbeiten an einem Begrünungskonzept und an Plänen zur Belebung der Innenstädte. Abgesehen davon kommen noch weitere große Veränderungen auf uns zu. Im Moment wollen viele Unternehmen in Idar-Oberstein investieren. Alleine die Bundeswehr will 500 Millionen investieren. Dazu kommt das Klinikum, das 130 Millionen investiert, Biontech investiert ebenfalls viel Geld in den kommenden Jahren. Die Firma Polymer wird sich hier ansiedeln und bis zu 500 Arbeitsplätze schaffen. Wir reden also von Gesamtinvestitionen von rund einer Milliarde Euro. Dazu kommen noch viele kleinere Firmen. In zehn Jahren wird man die Stadt nicht wiedererkennen.

Idar-Oberstein ist weltweit als Edelsteinstadt bekannt. Wird die Stadt in Zukunft auch für etwas anderes bekannt sein?
Die Edelstein- und Schmuckbranche war hier natürlich immer ein großes Thema und wird es auch bleiben. Aber es gibt hier auch andere Branchen, die ebenfalls schon lange sehr wichtig sind. Diese Branchen sind breit gefächert und reichen von der Bundeswehr bis zu Zulieferern der Automobilindustrie. In der Stadt sind außerdem etliche Hightech-Firmen entstanden, die ursprünglich aus dem Edelstein- und Schmuckbereich kamen. Sie konnten ihre Kenntnisse auf andere Bereiche übertragen. Dazu kommen nun Firmen, die sich neu bei uns niederlassen. Idar-Oberstein wird sich deshalb grundlegend verändern und auch für viele andere Bereiche bekannt sein.

Die Stadt hatte schon vor dem Geldsegen den Masterplan 2030 erstellt …
Ich hatte mir 2015 – am Anfang meiner Amtszeit – die Frage gestellt, ob die Mitarbeiter im Haus nicht Ideen einbringen könnten. So entstand dieser Plan mit einer Reihe von durchführbaren Projekten. Alle Abteilungen im Rathaus und in der Stadtverwaltung haben dazu mithilfe von verschiedenen Bürgerbeteiligungsprozessen beigetragen und die Anregungen und Wünsche der Bürger gebündelt und zu diesem Masterplan zusammengefasst. Der Plan wurde nicht teuer eingekauft, wir haben ihn selbst erstellt. Wir können laufend überprüfen, welche Aufgaben kurzfristig oder längerfristig zu lösen sind. Der Masterplan wird laufend angepasst, und wir halten an dieser grundsätzlichen Idee weiter fest.

Wenn Sie zaubern könnten, wie würde Idar-Oberstein in 30 Jahren aussehen?
Idar-Oberstein ist in 30 Jahren eine kleine, wunderhübsche Stadt inmitten blühender Landschaften mit zufriedenen Unternehmen, glücklichen Bürgern und einer tollen Infrastruktur für alle Menschen, die hier leben. Wir sind von einer wunderschönen Landschaft umgeben. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald liegt ganz in der Nähe, die Word-Life-Balance kann hier wirklich gelebt werden. Wer nach Idar-Oberstein kommt, wird glücklich sein.

Das Interview führte Ingrid Raagaard.

Romantisches Idar-Oberstein – Blick auf die Altstadt von Oberstein und die berühmte Felsenkirche.

Romantisches Idar-Oberstein – Blick auf die Altstadt von Oberstein und die berühmte Felsenkirche.


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28. November 2022


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