Bergige Landschaft im Südschwarzwald

Laubbäume wirken sich positiv auf den Wasserspeicher und die Wasserrückhaltung in Landschaften aus. So können diese auf kommunalen Waldflächen sowie in Parkanlagen eine Verbesserung des Wasserspeichers bewirken.

Landschaft als Wasserspeicher

Naturpark Südschwarzwald geht mit gutem Beispiel voran / Anregungen für weitere Regionen und Kommunen

Die zunehmenden extremen Trockenjahre durch den Klimawandel haben auch im Südschwarzwald die Bedeutung eines verbesserten Wassermanagements aufgezeigt. Ein beispielhaftes Projekt im Südschwarzwald widmete sich der Frage, welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserhaushalts und der Speicherleistung in der Landschaft beitragen können. Diese Ergebnisse sind teilweise auch auf andere Regionen und kommunale übertragbar. Hierbei bedarf es jedoch einer detaillierten Betrachtung der jeweiligen Situation vor Ort.

 

Bei dem im Juni 2020 gestarteten Projekt „Landschaft als Wasserspeicher“ führte der Naturpark Südschwarzwald eine Machbarkeitsstudie durch, bei der es um ein verbessertes Management von Wasser geht. Ziel dieser Studie war es, Empfehlungen zur Umsetzung von konkreten Maßnahmen aufzuzeigen, die dazu geeignet sind, die aufgrund des Klimawandels verstärkt im Winterhalbjahr anfallenden Niederschlagsmengen zurückzuhalten und in der Landschaft und den Böden zu speichern. Dieses Wasser soll dann zu einem späteren Zeitpunkt – insbesondere im Frühsommer und Sommer – für Menschen, Tiere und Pflanzen verfügbar gemacht werden. Basierend auf Klimaprojektionen wurden Niederschlagsmengen sowie die relevanten Faktoren wie Oberflächenabfluss, Verdunstung und Wasserspeicherkapazität im Boden berechnet.

Gemeinsam mit Praxispartnern wurden entsprechende Maßnahmen durch Experten von unique land use (Freiburg) entwickelt und analysiert. Diese zielten unter anderem darauf ab, den Oberflächenabfluss zu verzögern oder sogar zu verhindern, was beispielsweise durch Heckenpflanzung, Wiesenmanagement und Baumartenwahl im Wald erreicht werden kann. Wesentlich sind die Verhinderung von unproduktiver Verdunstung sowie die Erhöhung des Wasserspeichers der Böden durch Humusaufbau, um einen zeitverzögerten Abfluss zu erreichen. Darüber hinaus ging es grundsätzlich darum, den gesamten Wasserbedarf in der Landschaft zu reduzieren.

 

Landschaft mit Wiese: Versickerungsmulde (Retentionsmulde), die auf einer Bergmähwiese angelegt wurde.

Versickerungsmulden (sogenannte Retentionsmulden), die auf Wiesen angelegt werden (im Bild links beim Stein), sammeln bei Starkregen Wasser, das dann nach und nach vom Boden aufgenommen werden kann. Damit wird bei Starkregen das schnelle Abfließen des Wassers verlangsamt.

 

Eine Optimierung der Baumartenzusammensetzung durch Erhöhung der Anteile an Laubbäumen, die sich positiv auf den Wasserspeicher und die Wasserrückhaltung auswirken, kann auf kommunalen Waldflächen sowie in Parkanlagen eine Verbesserung des Wasserspeichers bewirken. Die Wirkung dieser Maßnahme bezieht sich auf die Art der Belaubung, welche Einfluss auf die Interzeption hat. Unter Interzeption versteht man den Verdunstungsverlust bei Niederschlägen durch die Abgabe von Feuchtigkeit an die Außenluft, besonders im Wald. Sie ist bei Nadelbäumen meist größer als bei Laubbäumen. Daher ist der Bestandsniederschlag in Nadelbaumbeständen niedriger.

Geeignete Baumarten, die bei dieser Maßnahme berücksichtigt werden können, müssen je nach Standort ausgewählt werden. In niedrigen Lagen gelten grundsätzlich die Eichenarten sowie Spitzahorn oder zur Beimischung die Elsbeere als klimaangepasst. In höheren Lagen zum Beispiel des Schwarzwalds können die Buche sowie der Bergahorn stärker als bisher genutzt werden. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Wassermanagements in der Landschaft beziehen sich auf Wiesenflächen. Hierfür können je nach Situation bestimmte Ansätze gewählt werden. Beispielsweise kann eine Anpassung der Schnitthöhe (acht bis zehn Zentimeter) und des -zeitpunkts vorgenommen werden. Zudem sollten ein dauerhafter Bewuchs und das Schließen von Lücken Teil dieser Maßnahme sein.

 

Eine Agroforst-Baumgruppe und Pflanzen mit vielen, starken Wurzeln an einem Bachlauf

Bewusst gewählte Bepflanzung hilft (links): Agroforst-Baumgruppen in der Landschaft verringern unter anderem die Wind- und Wassererosion und helfen dem Boden, mehr Wasser zu speichern. Rechts: Werden an Bächen Pflanzen mit vielen, starken Wurzeln gepflanzt, kann der Grund mehr Wasser aufnehmen, ohne zu erodieren.

 

Trockenheitstolerante Sorten ertragen Wasserknappheit

Eine weitere Möglichkeit, vor allem bei bewirtschafteten Wiesen oder Weideflächen, kann eine Mischung aus trockenresistenten, winterharten Kulturen mit guter Eignung für Beweidung und Mahd sein. Ein Grünlandbestand mit verschiedenen Arten hat das Potenzial, während Trockenphasen durch lokale Vermehrung trockenheitstoleranter Sorten widerstandsfähiger auf Wasserknappheit zu reagieren. Je nach Nutzung, etwa intensiv oder extensiv, und den jeweiligen Boden- und Standort-, beziehungsweise Klimabedingungen, sollte eine Mischung aus unterschiedlichen Grünlandpflanzen ausgewählt werden. Eine weitere Maßnahme ist die Etablierung von Hecken durch Feldgehölze sowie Sträucher als Barrieren für Wind- und Erosionsschutz. Zusätzlich bilden die Hecken ein in der Regel kleinräumiges Mikroklima und wirken sich durch die Beschattung und Erschließung von tiefer liegenden Nährstoffvorräten positiv auf die angrenzenden Flächen aus. Eine Abmilderung von den Effekten durch Wetterextreme wird somit bewirkt und stellt eine Verbesserung gegenüber Trockenstress dar.

Insgesamt wurden im Rahmen des Projektes 23 Maßnahmen entwickelt, die auf lokale Situationen angepasst werden können. In verschiedenen Kombinationen und unter Berücksichtigung der jeweiligen jährlichen Niederschlagsmenge, kann von April bis Oktober bis zu 17 Prozent mehr Wasser im Boden verfügbar werden.

Außerdem kann die Anzahl an jährlichen Trockentagen bis zu 30 Prozent  reduziert werden. Hierbei spielt die Erhöhung natürlicher Wasserspeicher im Vergleich zu künstlichen Systemen (zum Beispiel Zisternen) eine essenzielle Rolle. Einige Maßnahmen können auch für kommunale Flächen, immer mit dem nötigen Bezug zu dem Standort in der Landschaft, nützlich sein. Unter dem Standort wird in der Regel die Bodenart, die momentane Grundwasserversorgung sowie andere Faktoren wie die Höhenlage oder die Ausrichtung (Exposition) einer Fläche verstanden.   Dr. Thomas Asbeck

 

Landschaft mit Bergmähwiese im Südschwarzwald

Bergmähwiesen mit den passenden Wildblumen haben Potenzial: Auf die Auswahl spezieller Pflanzen, die mehr Trockenheit tolerieren, kommt es ebenfalls an.


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13. Dezember 2022


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