Mehrere Personen, auch Einwanderer, haben eine Schulung und stehen vor einem PC.

Deutschland hat seit 2015 eine Willkommenskultur aufgebaut, die vor allem beim Weg in den Arbeitsmarkt behilflich ist. Es hat sich gezeigt, dass sehr viele Facharbeiter fehlen, was sich wohl sogar noch verschärfen wird. Daher sind Einwanderer mit guter Ausbildung die beste Voraussetzung dafür, einem Fachkräftemangel vorzubeugen.

Sprachkenntnisse sind wichtig

Durch Beratung kann Integration gelingen

Eine Institution, die ganz vorne für eine gelungene Integration ausländischer Mitbürger arbeitet, ist das Welcome Center Baden-Württemberg. Es unterliegt dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus in Baden-Württemberg und berät kleine und mittlere Unternehmen.

 

Dabei sollen vor allem ausländische Fachkräfte einen Platz in der Arbeitswelt finden. Das Welcome Center hat zehn im ganzen Land verteilte Niederlassungen und arbeitet nah am Geschehen. Michela Crispo ist Leiterin des Welcome Centers Schwarzwald-Baar-Heuberg.

 

Portraitfoto von Michela Crispo vom Welcome Center Schwarzwald-Baar-Heuberg

Michela Crispo ist Leiterin des Welcome Centers Schwarzwald-Baar-Heuberg.

Frau Crispo, was können Kommunen tun, die mit den vielfältigen Aufgaben überfordert sind?

Können sich auch Kommunen an Sie wenden?

Crispo: Unser Welcome Center unterstützt Kommunen seit 2014. Für Ratsuchende bieten wir eine Erstberatung oder Orientierungshilfe an. Zum Beispiel unterstützen wir die Ausländerbehörde seit 2021. Wir bieten zum beschleunigten Fachkräfteverfahren Arbeitgebern und Arbeitgeberinnen eine Erstberatung an. Sie können ein beschleunigtes Fachkräfteverfahren bei der zuständigen Ausländerbehörde in Deutschland einleiten, das die Dauer des Verwaltungsverfahrens bis zur Erteilung des Visums deutlich verkürzt wird. Als ältestes WCC in Baden-Württemberg haben wir einen großen Erfahrungsschatz, den wir gerne teilen und weitergeben.

 

Wie sieht denn die Arbeit des Welcome Centers (WCC) in der Praxis aus?

Zu uns kommen neu zugezogene Fachkräfte, aber auch Fachkräfte, die sich noch im Ausland befinden, mit Fragen rund um Thema Leben, Wohnen und Arbeiten in Deutschland. Die Aufgabe des Welcome Centers ist es, die Ratsuchenden richtig zu lotsen und die richtige Institution oder Ansprechpartner zu nennen.

Ferner zeigen wir die weiteren Schritte, die notwendig sind, um hier eine Arbeit zu finden oder wie man sich hier mit anderen Personen vernetzen kann. Außerdem beraten wir zu unseren regionalen Arbeitsmarktstrukturen: Wo gibt es Mangelbereiche, welche Jobs werden gesucht, welche Unternehmenscluster gibt es usw.

Diese Beratung kann nur gelingen, wenn man im Voraus mit den Akteuren in der Region kooperiert und man als Welcome Center immer die neuesten Informationen aus der Region bekommt. Ich sage immer dazu, wir sind wie eine Tourist-Info nur nicht für Touristen, sondern für Personen, die hier leben, wohnen und arbeiten wollen. Das Gleiche gilt auch für Unternehmen aus unserer Region. Das Welcome Center unterstützt Unternehmen, die internationale Fachkräfte einstellen wollen oder diese bereits beschäftigen.

 

Wann ist in Ihren Augen eine Integration wirklich gelungen?

In meinen Augen ist die Integration gelungen, wenn sich die Person in der Gesellschaft zugehörig fühlt und sich in der Region oder am Wohnort wohlfühlt. Auch ein Familiennachzug sehe ich als positiv, weil das für mich bedeutet, dass man mit der Familie hier leben und arbeiten möchte. Wir haben ja eine tolle Vereinsstruktur und ein vielfältiges kulturelles Angebot bei uns in Schwarzwald-Baar-Heuberg. Wer hieran partizipiert, sich einbringt, ist in meinen Augen gut integriert.“

 

Wo liegen die größten Schwierigkeiten und Probleme?

Crispo: „Als Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration ist die deutsche Sprache zu nennen. Sprachbarrieren führen schnell zu Barrieren im Beruf oder im Alltag. Die Person fühlt sich nicht verstanden und es entstehen Missverständnisse und Frust.

 

Kleine Gruppe von Migrantinnen und Migranten bei einer Sprachenschulung

Egal, wo man lebt, die Sprache ist das A und O, um in einem fremden Land Fuß fassen zu können. Deshalb ist es wichtig, dass ein Staat dafür sorgt, dass Einwanderer die Sprache beherrschen.

 

Kann die deutsche Willkommenskultur auf Dauer überleben, auch in Zeiten der Krise? Sehen Sie in der jetzigen Zeit verglichen mit 2015 besondere Probleme?

Deutschland hat seit 2015 eine Willkommenskultur aufgebaut, die vor allem beim Weg in den Arbeitsmarkt behilflich ist. Ich denke, dass in Zeiten der Krise trotz allem, Geflüchtete oder auch Neuzugezogene eine Erwerbstätigkeit aufnehmen können oder eine Ausbildung absolvieren können. Das hat sich mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz gezeigt. Darüber hinaus ist der Fachkräftemangel so eklatant wie nie zuvor – und die Prognosen zeigen, dass er sich sogar noch verschärfen soll. Wir sind auf Zuwanderung dringend angewiesen und damit auf eine Willkommenskultur. Wichtig ist, die Fachkräfte dauerhaft und langfristig zu binden. Ohne eine Willkommenskultur kann das nur schwerlich gelingen.

 

Gibt es eine positive Entwicklung oder eher Rückschritte und Frustration? Haben Sie in Ihrer Arbeit auch hoffnungsvolle Lichtblicke?

Wir erleben regelmäßig, dass unsere Klienten auch lange Zeit nach der Beratung zu unseren Vernetzungs- und Seminarangeboten kommen und dankbar sind für unsere Arbeit. Das zeigt uns, dass unsere Arbeit wichtig ist und wir eine essenzielle Anlaufstelle für Neuzugezogene und auch für Unternehmen sind.

Am schönsten ist es zu sehen, wenn internationale Kräfte bei uns in der Region Fuß fassen, eine Arbeitsstelle finden und sich langfristig und mit ihrer Familie bei uns niederlassen. Diese Win-Win-Situation für die Fachkraft, das Unternehmen und die Region macht die Arbeit im Welcome Center so sinnstiftend.

 

Das Interview führte Ingrid Raagaard.


Logo vom Welcome Center Schwarzwald-Baar-Heuberg

Albert-Schweitzer-Straße 18
78052 Villingen-Schwenningen

Tel. +49 7721 6973252
E-Mail. welcome@wifoeg-sbh.de
Web. https://wirtschaftsfoerderung-sbh.de/welcomecenter

14. Dezember 2022


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