Bei jeder Katastrophenübung wird alles genau dokumentiert. Schulungen helfen allen, vorbereitet zu sein.

Bei jeder Katastrophenübung wird alles genau dokumentiert. Schulungen helfen allen, vorbereitet zu sein.

„Wir sind gut vorbereitet“

Schnaittenbach in der Oberpfalz erstellt ein örtliches Konzept für den Katastrophenschutz als Vorreiter für Bayern

Die Sorge vor einem Blackout wächst in der Bevölkerung. Dabei ist diese Furcht wahrscheinlich unbegründet. Sicherlich ist ein totaler Stromausfall in Deutschland möglich, und er träfe die Gesellschaft bis ins Mark, aber viel wahrscheinlicher wird es zu anderen Katastrophen wie Hitze oder Schneemassen, Wassermangel, Unwetter, Krankheiten oder Luftverschmutzung kommen. Deshalb hat die Regierung der Oberpfalz vor vier Jahren die Kommunen beauftragt, ein Konzept für Katastrophenfälle zu erarbeiten.

Michael Werner ist Oberbrandmeister und federführender Kommandant der Feuerwehren von Schnaittenbach.

Michael Werner ist Oberbrandmeister und federführender Kommandant der Feuerwehren von Schnaittenbach.

Wie es in Amtsstuben mitunter vorkommt, werden solche Aufträge zunächst in eine Schublade gelegt – damit sie reifen. Dann wird die Schublade geöffnet und die Aufgabe angepackt. In dem kleinen bayerischen Städtchen Schnaittenbach war es die Feuerwehr, die sich der Sache annahm.
Vier von fünf Städten weltweit sind bereits Extremwettereignissen ausgesetzt. Das geht aus einer Studie der Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) hervor, die Klimapläne und -daten erfasst und auswertet. Fast die Hälfte kämpft mit Hitzewellen. Auch heftige Niederschläge oder Überflutungen wurden in einem Drittel der Städte zum Problem.
Die Gefahren lauern in vielfältiger Gestalt: Pandemie, Ausfall der Kommunikationsnetze, keine Versorgung mit Benzin, Gas oder Lebensmitteln. Diese Ausnahmesituationen scheinen ein typischer Fall für die Feuerwehr zu sein. Tatsächlich kam auch in Schnaittenbach der Anstoß von der Feuerwehr, ein interdisziplinäres Projekt zu beginnen. Über die kleine Stadt mit 4200 Einwohnern wachen vier Freiwillige Feuerwehren mit 180 männlichen und weiblichen Feuerwehrkameraden. Im Katastrophenfall brauchen sie einen Plan für das Vorgehen, damit Menschen optimal geholfen und Schäden verhindert werden.

Wenn der örtliche Krisenstab tagt, müssen Entscheidungen schnell gefällt werden. Aus diesem Grund gibt es jetzt ein klares Konzept.

Wenn der örtliche Krisenstab tagt, müssen Entscheidungen schnell gefällt werden. Aus diesem Grund gibt es jetzt ein klares Konzept.

Stadt dient als Vorreiter

Wasserfluten und Waldbrände haben in jüngster Zeit einige Schwächen zuständiger Behörden in Deutschland offenbart. Im Ernstfall darf es nicht chaotisch zugehen, und dafür braucht man ein Konzept für die strukturierte Vorgehensweise, an das man sich halten kann. Das war das Anliegen der Feuerwehr in dem oberpfälzischen Städtchen, um ein interdisziplinäres Projekt zu starten – und als eine der ersten Städte in Bayern auch fertigzustellen.
„Seitdem können wir uns vor Anrufen nicht retten“, berichtet Michael Werner, Oberbrandmeister und federführender Kommandant der Feuerwehren von Schnaittenbach. Damit im Örtlichen Krisenstab die Fäden zusammenlaufen, ist der Leitfaden erstellt worden, der 70 Seiten umfasst: „Örtliches Katastrophenschutzkonzept für Schnaittenbach“. Eine informative Zusammenfassung, die auch Listen zum Abhaken für die private Vorsorge enthält, ist als Informationsbroschüre an alle Haushalte verteilt worden.
Wer also jetzt noch nicht weiß, dass es in der oberpfälzischen Stadt einen Leuchtturm gibt, der hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. Denn im Schneckengässchen 13 befindet sich das Feuerwehrgerätehaus, das als Anlaufstelle bei Schadensfällen dient und Leuchtturm genannt wird – ein Leuchtturm, der auch ohne zentrale Stromversorgung funktioniert, weil es dort jetzt auch einen Notstromgenerator gibt. Dorthin kann man sich zur Not auch zu Fuß wenden, wenn andere Informationswege über die Katastrophe nicht mehr funktionieren.
Keineswegs geht es rein um den Blackout: Alle potenziellen Großschadenereignisse sind in den Blick genommen worden, um „gut vorbereitet zu sein“. Die Überraschungseffekte blieben nicht aus. Beispielsweise ist ein Stromausfall keineswegs nur auf die Elektrik beschränkt. Bereits nach 48 Stunden gibt es auch kein Wasser mehr, weil dann keine Flüssigkeit in die Versorgungsbehälter gepumpt wird.
Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wurde intensiv gestaltet. Informationen wurden auf beiden Seiten benötigt. „Bei uns hat die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert“, lautet Werners Erfahrung. „Wenn eine Verwaltung oder Feuerwehr meint, so ein Konzept allein erstellen zu können, dann wird es nichts.“ Mehr als 250 Stunden sind in die erste Erstellung gesteckt worden – „alles im Ehrenamt“, betont der Feuerwehrkommandant, „und alles online, denn wir konnten uns wegen der Pandemie nicht zusammensetzen“.

Links: Im Zweifel laufen im Leuchtturm die Fäden zusammen. Das Feuerwehrhaus ist mit einem Notstromaggregat ausgestattet. Rechts: Die Liste der Einsätze zeigt den Verlauf der Übung.

Links: Im Zweifel laufen im Leuchtturm die Fäden zusammen. Das Feuerwehrhaus ist mit einem Notstromaggregat ausgestattet. Rechts: Die Liste der Einsätze zeigt den Verlauf der Übung.

Änderungen gibt es immer wieder

Schon die Liste der Ansprechpartner muss ständig im Blick behalten werden, damit sie bei Bedarf aktualisiert wird. Und es kommen ständig Aufgaben hinzu. Beispielsweise ein neuer Kindergarten, der bisher noch gar keinen Platz im Leitfaden gefunden hatte, muss auch berücksichtigt werden. Oder die Heizung: „Damals dachte keiner an die Problematik der Versorgung mit Gas.“
Deshalb ist in Schnaittenbach eine jährliche Revision angesetzt – ein Berg an Aufwand, den die Ehrenamtlichen stemmen müssen. Aber es „bleibt ein gutes Gefühl“, betont Werner, der in der Infobroschüre als einer der Ansprechpartner genannt ist. „Alle arbeiten mit Herzblut mit, auch wenn anfangs durchaus kontrovers diskutiert wurde.“ Immer wieder betont Werner die Notwendigkeit der Zusammenarbeit – von der Stadtverwaltung mit dem Bauhof über den Notarzt bis zu externen Beratern.
Ehrenamt bedeutet allerdings nicht, dass keine Kosten anfallen, lautet einer der Hinweise an andere Gemeinden. Deshalb muss man frühzeitig in Gesprächen mit der Verwaltung die Investitionen ansprechen. In Schnaittenbach waren etwa 50.000 Euro erforderlich, beispielsweise für ein Notstromaggregat. „Das Equipment muss auch passen“, erklärt Werner. Dazu gehört die Büroausstattung. Jetzt gibt es in Schnaittenbach sogar einen Haushaltsposten für Aus- und Weiterbildung beim Katastrophenschutz. „In Bayern wurde viel für den Katastrophenschutz getan“, freut sich Werner, „die Arbeit geht weiter, um ihn zu verbessern.“ Es muss nicht immer die Katastrophe sein, „es reicht schon ein Starkregen mit vielen Einsätzen“, weiß der Feuerwehrkommandant aus Erfahrung.
Die kleine Stadt in der Oberpfalz hat ihre Sicherheit neu aufgestellt. Klar ist, dass die Aufgabe, ein Konzept zum Vorgehen bei Katastrophen zu erstellen, viele Menschen aus unterschiedlichen Organisationen und Institutionen in engen Kontakt gebracht hat. Schnaittenbach hat davon profitiert: Eine Stadt rückt zusammen. [ dlu ]

Blackout: Wenn der Strom fehlt, gibt es nach zwei Tagen kein Wasser mehr. In Schnaittenbach sind alle potenziellen Großschadenereignisse berücksichtigt worden, um gut vorbereitet zu sein.

Blackout: Wenn der Strom fehlt, gibt es nach zwei Tagen kein Wasser mehr. In Schnaittenbach sind alle potenziellen Großschadenereignisse berücksichtigt worden, um gut vorbereitet zu sein.


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18. Januar 2023


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