Auch in Köln haben die Rhein-Überflutungen in den letzten Jahren zugenommen.

Auch in Köln haben die Rhein-Überflutungen in den letzten Jahren zugenommen.

17. Mai 2023

(K)ein Plan zum Klimawandel

Die Zeit ist reif für mehr Klimaanpassung in Kommunen

Zahlreiche Todesopfer, weggespülte Dörfer, Dürren und Waldbrände – der durch menschliche Aktivitäten hervorgerufene Klimawandel und seine Folgen waren in den letzten Jahren so sichtbar wie nie zuvor. In Deutschland steigt die Hitzebelastung im Sommer. Im statistischen Mittel treten Starkregenereignisse häufiger auf und gefährden Menschen und Infrastruktur. Zunehmend wird fraglich, ob das von der Politik angestrebte Ziel einer maximalen Erwärmung um 1,5 Grad noch erreicht werden kann.

Klimaschutz und Klima-Anpassung schließen sich nicht aus, sondern sind zwei Seiten einer Medaille. Sowohl natürliche als auch menschliche Systeme müssen sich an die schon sichtbaren Klima-Veränderungen anpassen, damit die Folgen bewältigt werden können. Ein Verschieben in die Zukunft ist keine Option. Denn viele Maßnahmen benötigen Zeit, bis sie wirken. Hier sind vor allem auch die Kommunen als zentrale Aufgabenträger der Klima-Anpassung gefordert: Sie sind zuständig für die Siedlungsentwicklung, für innerörtliche Baumaßnahmen oder mehr Grün in der Stadt. Gleichzeitig haben sie es in der Hand, viele unterschiedliche Akteure vor Ort für das Handeln im eigenen Verantwortungsbereich anzuregen.

Mit Einstiegsberatung beginnen

Aber wo sollen Kommunen bei begrenzten Budgets beginnen? Es empfiehlt sich eine Einstiegsberatung, die zusammen mit der Verwaltung und anderen Zielgruppen in der Kommune potenzielle lokale Gefährdungen identifiziert, wie sie etwa durch Hitze, Starkregen oder andere Extremwetterereignisse zunehmend entstehen. Dabei werden alle Handlungsbereiche von der Stadtplanung über Landwirtschaft bis hin zur Gesundheitsvorsorge von Alten oder Kindern betrachtet und priorisiert.
Die Beratung gibt Tipps, was kurz- und mittelfristig getan werden kann, darunter auch nicht-investive oder preiswerte Maßnahmen. Die längerfristigen und oft kostenintensiven Maßnahmen werden benannt und können so in der Haushaltsplanung vorgesehen und – sofern nötig – Fördermittel dafür beantragt werden. Jede Kommune sollte so einen „Maßnahmen-Fahrplan“ erarbeiten, mit dem sie ihre individuelle Gefährdung durch den Klimawandel gezielt verringern kann.
Zudem bedeuten Maßnahmen zur Klima-Anpassung nicht nur Kosten, sondern sie können auch Mehrwerte schaffen. So bringen naturbasierte Lösungen – „mehr Grün und Blau in der Stadt“ – mehr Lebensqualität für die Menschen und mehr Biodiversität. Für die Akzeptanz von Klima-Anpassungsmaßnahmen ist es wichtig, dabei folgenden Dreiklang zu beachten: Das Aufzeigen der Risiken, des Nutzens und der konkreten Handlungsoptionen.

Das Rheinauhafen-Ufer in Köln steht unter Wasser – im Hintergrund sind die Kranhäuser zu sehen.

Das Rheinauhafen-Ufer in Köln steht unter Wasser – im Hintergrund sind die Kranhäuser zu sehen.

Klima-Anpassung muss betroffene Gruppen einbeziehen

Das Stuttgarter Büro Ökonsult hat für den Einstieg in die Klima-Anpassung eine Vorgehensweise entwickelt, die in Kommunen unter anderem folgende Fragen klärt: In welchen Bereichen ist unsere Kommune vor allem vom Klimawandel betroffen? Welche Akteure und Zielgruppen sind involviert? In welchen Handlungsfeldern können wir uns heute auf den Klimawandel so vorbereiten, dass negative Folgen gemindert und neue Chancen genutzt werden? Wie können wir identifizierte Maßnahmen so priorisieren, dass vorhandene Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden? Dabei sollten alle für die Klimaanpassung relevanten Personen und Einrichtungen (etwa Ämter und Eigenbetriebe) vor Ort einbezogen werden.

Einstiegsberatung in sozialen Einrichtungen

Kinder und Senioren sind besonders vom Klimawandel betroffen. Deshalb sollte eine Beratung für Schulen, Vorschuleinrichtungen und Pflegeheime vor Ort mit den dort zuständigen Personen durchgeführt werden. In einer Kita in Baden-Württemberg im Jahr 2021 informierte Ökonsult die Mitarbeiter vor Ort zunächst über den Klimawandel und die mögliche Verwundbarkeit dadurch. Anschließend identifizierten alle gemeinsam bei einer Begehung des Gebäudes und der Umgebung mögliche Gefährdungen insbesondere durch Hitze und Überschwemmung. In einem dritten Schritt wurden mögliche Maßnahmen vorgeschlagen und in einem ersten Fahrplan in kurz-, mittel- und langfristig unterteilt.

Fördermittel für Einstieg

Auf Bundes- und Landesebene gibt es verschiedene Fördermittel, die Kommunen für die Anpassung an den Klima-Wandel nutzen können. So hat die Bundesregierung mit dem Förderprogramm des Zentrums Klimaanpassung ein stark nachgefragtes Instrument geschaffen:
https://zentrum-klimaanpassung.de/beratung-fortbildung/foerderberatung
Auch einzelne Bundesländer bieten Fördermittel zur Klimaanpassung für Kommunen an. So gibt es in Baden-Württemberg das Förderprogramm „Klimopass“. Darin gibt es drei Förderschwerpunkte: Beratung und Schulung, Vorbereitungsprojekte und investive Umsetzungsprojekte. Das soll Kommunen einen strukturierten Einstieg in das Thema ermöglichen. Die Einstiegsberatung wird mit 80 Prozent gefördert, die Vertiefungsberatung mit 65 Prozent.

Weitere Informationen: https://um.baden-wuerttemberg.de/de/klima/informieren-beraten-foerdern/klimopass/


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17. Mai 2024


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