Das im Sommer 2023 frisch sanierte alte Amtshaus ist inzwischen der gesellschaftliche Mittelpunkt von Iggingen.

Das im Sommer 2023 frisch sanierte alte Amtshaus ist inzwischen der gesellschaftliche Mittelpunkt von Iggingen.

16. Mai 2024

Altes Amtshaus zu neuem Leben erweckt

Dorfgemeinschaft genießt neuen Treffpunkt

Im beschaulichen 3000-Einwohner-Örtchen Iggingen im Ostalbkreis hat ein 350 Jahre altes Amtshaus alle Kriege und Wirrungen überlebt. Nach jahrzehntelangen Diskussionen konnte es nun endlich vor dem Verfall gerettet und zu neuem Leben erweckt werden. Mit einer Gastronomie im Erdgeschoss, einem Gemeinschaftsraum im ersten Stock und Praxisräumen unter dem Dach ist es heute der neue Dorfmittelpunkt.

Kurz nach dem 30-jährigen Krieg setzte die Stadt Gmünd vier Vögte ein – in Bettringen, Lindach, Iggingen und Spraitbach – um die öffentliche Ordnung wiederherzustellen. Das Amtshaus in Iggingen, das etwa1650 erbaut wurde, ist das einzige der vier Amtshäuser, das bis heute erhalten blieb. Seine imposante Erscheinung und Größe übertrafen zur Zeit seiner Erbauung die gewöhnlichen Wohnhäuser in Iggingen, und auch noch heute ist es äußerst beeindruckend. Der Vogt hatte bis 1728 hier seinen Sitz. Anschließend wurde es bis 1802 der Standort des von Gmünd bestellten Schultheiß‘ – dem Eintreiber von Steuern und Schulden.

Das Alte Amtshaus in Iggingen wurde als Dorftreffpunkt mit Gaststube konzipiert.

Das Alte Amtshaus in Iggingen wurde als Dorftreffpunkt mit Gaststube konzipiert.

Dann verlor das Gebäude langsam an Bedeutung. Bis Anfang der 80er-Jahre gab es im ersten Stock noch eine Wohnung, während unten ein Fahrzeug der Feuerwehr untergebracht war. Danach stand das Gebäude über 30 Jahre leer und verfiel immer mehr. Einmal wurde das Gebäude sogar für eine Mark zum Verkauf angeboten. Es kamen keine Gebote. Natürlich war es in all den Jahren auch immer ein Thema für den Gemeinderat. Die Frage nach einer sinnvollen Nutzung stand dabei immer im Raum.

Die liebevoll restaurierte Amtsstube im Erdgeschoss lädt zum Verweilen ein.

Die liebevoll restaurierte Amtsstube im Erdgeschoss lädt zum Verweilen ein.

Wichtige Überlegungen und Ziele

Nach verschiedenen Vorüberlegungen und Besichtigungen ähnlicher Objekte wurde 2004 das Thema Erhalt/Sanierung konkret angegangen. Die bauhistorische Kurzanalyse des Bauhistorikers Diplom-Ingenieur Lohrum und eine Beratung im Gemeinderat im Jahr 2005 waren letztendlich der Einstieg in die Erhaltung und Sanierung des Amtshauses. Nach Jahrzehnte langen Diskussionen entschied sich der Gemeinderat schließlich mit Zustimmung der Einwohner für eine denkmalgerechte Sanierung. Die Sanierung und Neugestaltung des denkmalgeschützten Amtshauses gewann besonders an Bedeutung, als der letzte Gasthof im Ort schloss. Ziel dieses ambitionierten Projekts war es dann auch, die fehlenden Versammlungsräume zu ersetzen und einen Ort für Treffpunkte zu schaffen.

Altes Gemäuer und Balken wurden freigelegt.

Altes Gemäuer und Balken wurden freigelegt.

Im Jahr 2013 wurde mit der Renovierung des Amtshauses begonnen. Parallel erarbeitete der Gemeinderat zusammen mit dem Architekturbüro Kohn und Kohn ein durchdachtes Nutzungskonzept, das im Herbst 2017 verabschiedet wurde. Auch die Ergebnisse des Bürgerbeteiligungsprozesses wurden gezielt berücksichtigt. Eine Umfrage hatte ergeben, dass 90 Prozent einen Mangel an gastronomischen Angeboten beklagten. Außerdem zeigte sich, dass Räume für Jugendliche und junge Erwachsene fehlten, genau wie Treffpunktmöglichkeiten und Angebote für Ältere. Die Sanierung dauerte mehrere Jahre und wurde mit 706.650 Euro vom Land (Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum) und mit 110.000 Euro aus dem kommunalen Ausgleichsstock gefördert.

Die Wirte Anna und Johannes Zweig beim Bierzapfen und Trinken

Die Wirte Anna und Johannes Zweig beim Bierzapfen und Trinken

Erfolg nach der Sanierung

Am 30. Juni 2023 konnte schließlich die Gastronomie mit dem Pächterpaar Anne und Johannes Zweig eröffnen. Bürgermeister Klemens Stöckle erklärte: „Menschen brauchen Orte der Begegnung und Orte brauchen Menschen, die sich begegnen. Es ist schön zu erleben, wie schnell das historische Amtshaus nun mit Leben gefüllt wird.“ Die Gastronomie „Das Amtshaus“ ist seit Sommer 2023 an den vier Öffnungstagen in der Woche so gut wie immer ausgebucht. Auch die beiden anderen Stockwerke werden inzwischen voll genutzt.
Die barrierefreien Räume im ersten Obergeschoss stehen den örtlichen Vereinen, Organisationen, einzelnen Gruppierungen und Privatpersonen zur Verfügung. Die Veranstaltungsmöglichkeiten sind vielfältig: Volkshochschulkurse, musikalische Früherziehung, Gedächtnistraining, Informationsveranstaltungen, Bürgerversammlungen, Familienfeiern von der Tauffeier bis zum Leichenschmaus, Trauzimmer, Kunstausstellungen, Musik und vieles mehr. Auch Einzelpersonen wurden aktiv. Es gab eine Adventsausstellung und in Kürze startet der freie Igginger Spieletreff mit Karten- und Brettspielen.

Die ersten Gäste ließen auch nicht lange auf sich warten.

Die ersten Gäste ließen auch nicht lange auf sich warten.

Unter dem Dach liegt nun die Praxis für Heilpädagogik und Coaching von Dr. Sandra Palfi-Springer. Sie unterstützt Menschen, die ihren „roten Faden“ in der Erziehung von Kindern oder im eigenen Leben (wieder) finden wollen. Der zweite Schwerpunkt liegt auf systemischem Coaching und richtet sich in erster Linie an Menschen mit persönlichen Problemen oder Veränderungswünschen, die beruflich oder privat begründet sind.

In den oberen Etagen stehen mehrere Räumlichkeiten für Besprechungen und Seminare zur Verfügung.

In den oberen Etagen stehen mehrere Räumlichkeiten für Besprechungen und Seminare zur Verfügung.


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Marktplatz 6
73574 Iggingen

Tel. +49 7175 9208-0
Fax. +49 7175 9208-20
E-Mail. info@iggingen.de
Web. www.iggingen.de
Web. www.amtshaus-iggingen.de

17. Mai 2024


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