Kanal okay? Diese Kamera untersucht das durch die Eingabe der richtigen Befehle. Die Kontrolle erfolgt von oben.

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5. Juli 2024

Ausbildung in der Umwelttechnologie

Große Karrierechancen für junge Leute mit Abenteuerlust

Der Fachkräftemangel zieht in Deutschland weite Kreise. Laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (Kofa) gab es im Jahr 2023 rund 570.000 offene Stellen, die nicht besetzt werden konnten. Betroffen sind vor allem die Bereiche Gesundheit und Soziales, Lehre und Erziehung sowie Bau, Vermessung und Gebäudetechnik. Im Letztgenannten leidet nicht zuletzt die Abwasserbewirtschaftung unter dem Mangel an Fachkräften.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat daher gemeinsam mit den zuständigen Bundesministerien im Auftrag der Bundesregierung die Ausbildungsordnungen in diesem Bereich modernisiert. Dort tätige Fachkräfte können sich nun schon in der Ausbildung für eines von vier Segmenten entscheiden. Sie werden in der Wasserversorgung, in der Abwasserbewirtschaftung, in der Kreislauf- und Abfallwirtschaft oder in Rohrleitungsnetzen und Industrieanlagen ihre Fähigkeiten einsetzen können. Die gemeinsamen Kernqualifikationen bleiben erhalten. Deshalb gibt es in Zukunft mehr Zeit für die berufsspezifischen fachlichen Inhalte – auch bezüglich der erhöhten Anforderungen an die IT-Sicherheit. An die Stelle der traditionellen Prüfungsstruktur aus Zwischen- und Abschlussprüfung tritt in Zukunft die gestreckte Abschlussprüfung. Die Neuerungen treten zum 1. August 2024 in Kraft.

Straße aufreißen war gestern. Heute wird der Kanal durch das Ziehen eines „Schlauchliners“ von oben saniert. Das hält 50 Jahre.

Straße aufreißen war gestern. Heute wird der Kanal durch das Ziehen eines „Schlauchliners“ von oben saniert. Das hält 50 Jahre.

Neue Broschüre soll informieren

Der VDRK (Verband Deutscher Rohr- und Kanal-Technik-Unternehmen) hat aufgrund dieser Veränderungen nun eine Broschüre veröffentlicht, mit deren Hilfe der neue Beruf „Umwelttechnologe und Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen“ dem Nachwuchs schmackhaft gemacht werden soll. Außerdem sind hier alle Ausbildungsbetriebe – sortiert nach Ländern – aufgelistet. Die Broschüre stellt außerdem Mitarbeiter vor, die in einem munteren Ton schildern, wie vielseitig dieser Berufszweig ist, denn wahrscheinlich fragen sich Außenstehende unmittelbar: „Was macht eigentlich ein Umwelttechnologe für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen?“

So erzählt beispielsweise Chantale Herrmann: „Ich arbeite als Projektleiterin und habe einen vielseitigen, spannenden und coolen Job. Ich bin auf Baustellen, organisiere und koordiniere die Gewerke von Tiefbau bis Kanalsanierung oder checke TV-Untersuchungen und Dichtheitsprüfungen. … Umweltschutz ist ein Megathema.“ Und Philipp Palaske berichtet über seinen Job: „Wir arbeiten mit Kameras, die Kanäle vermessen und in 3-D abbilden. Und wir arbeiten mit Software, die daraus zentimetergenaue Pläne des gesamten Netzes macht. Übers Tablet steuern wir
Roboter, die Kanäle inspizieren und Schäden reparieren.“

Das klingt alles sehr spannend. Aber auch die Aufstiegs- und Gehaltmöglichkeiten dürften für den Nachwuchs interessant sein. Laut der Webseite „Gehaltsreporter“ liegen die Gehälter nach fünf Berufsjahren bei durchschnittlichen 36.818 Euro, nach zehn Jahren bereits bei über 50.000 Euro jährlich. Umwelttechnologen werden nicht nur von den Kommunen und Ländern gesucht, auch Industrieanlagen und Konzerne haben oft Stellen frei und bieten Gehälter von bis zu 70.000 Euro an. Überhaupt dürften die breit gefächerten Einsatzmöglichkeiten für zukünftige Umwelttechnologen spannend sein. Das fachliche Wissen kann in Kläranlagen, im städtischen Kanalisationssystem, aber eben auch in der Industrie zum Einsatz kommen. Außerdem gibt es auch kleinere Unternehmen, die sich auf Umwelttechnologie spezialisiert haben und die bei Bedarf gerufen werden.

Das wichtigste Arbeitsgerät kostet locker eine halbe Million Euro.

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Umweltbewusstsein und Spaß an Chemie

Für jemanden, der am liebsten nur am Schreibtisch sitzt, ist dieser Beruf sicherlich kaum geeignet. Aber er ist perfekt für junge Leute, die gerne im Freien sind und trotzdem Spaß an neuen Technologien haben. Denn natürlich ist dieser Beruf in ständiger Entwicklung. Aber auch ein großes Umweltbewusstsein, geschickte Hände und eine gewisse Abenteuerlust sind von Vorteil. Schließlich gleicht die Kontrolle von alten Rohr- und Kanalanlagen jedes Mal einer kurzen archäologischen Entdeckungsreise. In der Schule sollten die zukünftigen Umwelttechnologen in den Fächern Biologie, Chemie, Mathematik und Physik erfolgreich gewesen sein.

Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber – falls bereits eine Berufsausbildung vorhanden sein sollte – auch kürzer ausfallen. Auch ein Studium neben oder nach der Ausbildung ist möglich. Hier bieten sich die Fächer Umwelttechnik, Versorgungstechnik und Wirtschaftsingenieur an. Die Karrierechancen steigen dadurch natürlich.

Wie weit man es dann nach abgeschlossener Ausbildung bringen kann, berichtet Aziz Al Hallaoui. Er durfte als 13-Jähriger seinem Vater auf der Tiefbaustelle helfen, später lernte er Elektroinstallateur, denn eine Ausbildung zum Umwelttechnologen oder Kanaltechniker gab es damals – so Hallaoui – noch nicht. Später machte er sich mit einem kleinen Pumpenwagen selbstständig. Heute leitet er ein Unternehmen mit 22 Mitarbeitern. Seine Auftraggeber sind breit gefächert. Privatleute wenden sich an ihn, aber auch mehrere Kommunen und Betreiber von Industrieanlagen. Er ist ein gefragter Mann. Nicht ohne Grund, da Umwelttechnologie in unserem Leben eine wesentlich wichtigere Rolle spielt, als die meisten unmittelbar denken. So heißt es in der VDRK-Broschüre: „Du hast noch nie von Umwelttechnologe / Umwelttechnologin für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen gehört? Klar! Der Name ist neu, aber unser Beruf ist seit Jahrtausenden einer der wichtigsten der Welt.“

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17. Juli 2024


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