Aktiv im Ehrenamt
Freiwillig für das Gemeinwohl: Jugendliche zum Mitmachen begeistern
Das Ehrenamt ist in der deutschen Tradition fest verwurzelt. Schon im Mittelalter halfen viele Menschen freiwillig und ohne Bezahlung bei der Krankenpflege oder beim Schulunterricht. Im 19. Jahrhundert galt das „bürgerliche Engagement“ schließlich als Ehrensache. Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff „Ehrenamt“. Heute ist das Ehrenamt im Bürgerlichen Gesetzbuch fest verankert, genau definiert und förderungsberechtigt.
Rund 28 Millionen Menschen sind in der Bundesrepublik ehrenamtlich aktiv, viele von ihnen sind Jugendliche und Kinder. Die Jugendgruppe des Technischen Hilfswerks hat beispielsweise 16.370 Mitglieder, und das Jugendrotkreuz kann sogar 160.000 Mitglieder im Alter zwischen 6 und 27 Jahren verzeichnen. Besonders viele aktive junge Menschen gibt es bei den Freiwilligen Feuerwehren. 2024 hatte die Deutsche Jugendfeuerwehr 372.334 jugendliche Mitglieder, über 80.000 von ihnen waren Mädchen.
Dabei ist der ehrenamtliche Einsatz von Kindern und Jugendlichen äußerst breit gefächert. Es gibt Jugendliche, die aktiv im Umweltschutz sind. Bei der Nabu (Naturschutzbund Deutschland) engagieren sich Kinder und Jugendliche beispielsweise in über tausend Ortsgruppen für den Schutz von Natur und Umwelt. Die Arbeit reicht von Krötenrettungen bis zu Müllsammelaktionen und der Pflege von Streuobstwiesen. Andere Jugendliche sind bei der „Stiftung Lesen“ aktiv und bereiten in Seniorenheimen als Vorleser und Vorleserinnen älteren Menschen eine Freude. Aber auch bei der „Tafel“ helfen Jugendliche mit, wenn es um das Verteilen von Lebensmitteln geht, andere sind „Aktivpaten“ und helfen in Kindergärten oder Grundschulen aus.
Früh übt sich
Ein wichtiger Aspekt, der bei der Förderung ehrenamtlicher Engagements von Jugendlichen eine Rolle spielt, ist die Einbindung von Schulen. Viele Schulen bieten mittlerweile sogenannte „Sozialpraktika“ oder Projekte im Rahmen von „Verantwortung lernen“ an. Hier übernehmen Schülerinnen und Schüler für eine begrenzte Zeit eine ehrenamtliche Aufgabe, etwa in Seniorenheimen, bei Umweltprojekten oder in sozialen Einrichtungen. Dadurch lernen sie früh, wie wertvoll freiwillige Hilfe sein kann – für andere, aber auch für das eigene Selbstwertgefühl. Auch Schülervertretungen, Streitschlichter oder Schülerzeitungsredaktionen sind Engagements, die erste wichtige Erfahrungen im sozialen oder organisatorischen Bereich ermöglichen.
Ehrenamtliches Engagement wirkt sich nicht nur positiv auf die Gesellschaft aus, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit junger Menschen. Wer sich engagiert, übernimmt Verantwortung, lernt Teamarbeit, Organisation und den Umgang mit unterschiedlichen Lebenssituationen – Fähigkeiten, die auch im Berufsleben von großer Bedeutung sind. Viele Jugendliche berichten, dass sie durch ihr Engagement neue Interessen entdeckt oder sogar ihren späteren Berufswunsch gefunden haben. Schulen und Universitäten erkennen ehrenamtliche Leistungen zunehmend an, und auch bei Bewerbungen kann ein dokumentiertes Engagement ein entscheidender Vorteil sein.
Trotzdem fehlt es häufig an sichtbarer Wertschätzung. Viele Jugendliche wünschen sich mehr öffentliche Anerkennung – etwa in Form von Urkunden, Ehrenamtskarten, Freistellungen für Fortbildungen oder kleinen Aufmerksamkeiten. Leider sank in den letzten Jahren auch das Interesse, die Zahl der Neuzugänge nahm in allen Bereichen leicht ab. Immer weniger junge Leute scheinen Zeit und Lust zu haben, ihre Freizeit mit Gleichgesinnten aktiv zu verbringen. Die Bayerische Staatsregierung startete deshalb mithilfe des Bayerischen Jugendrings (BJR) im Frühjahr 2025 das Projekt „Jung und Engagiert“. Während des Projektverlaufs sollen Ideen entstehen, mit denen man junge Leute in Bayern gezielt erreichen kann.

Netzwerke sollen Jugend erreichen
Der BJR ist mit 103 Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringen in ganz Bayern vertreten. Mit den Mitteln der Jugendarbeit und -politik vertritt er die Belange aller junger Menschen im Freistaat. Bedürfnisse und Probleme von Kindern und Jugendlichen kommuniziert der BJR im Dialog mit der Gesellschaft. Dazu arbeitet er mit Verbänden, öffentlichen Stellen, Institutionen und Organisationen zusammen. Der Jugendring bietet also ein breites Netzwerk. Während der Aktion konnten deshalb in den Frühjahr- und Sommermonaten in ganz Bayern Seminare und Workshops stattfinden, bei denen Verantwortliche ihre Ideen zusammentragen konnten.
Dabei gab es drei Schwerpunkte:
- Digital denken
- Sozial-ökologische Transformation
- Zugänge öffnen
Im Bereich „Digital denken“ beschäftigten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen nicht nur mit der Frage, wie man Jugendliche über die sozialen Medien digital erreichen kann – es ging auch darum, dass die neuen Technologien innovative Möglichkeiten für ehrenamtliche Mitarbeit bieten. So kann ein Ehrenamt auch darin bestehen, dass Jugendliche die Web-Seite eines Vereins pflegen oder sogar aufbauen.
Unter dem Thema „sozial-ökologische Transformation“ beschäftigte man sich hauptsächlich mit den globalen Herausforderungen, die einen Übergang zum dritten Themenbereich – „Zugänge öffnen“ – darstellen. Denn eine post-migrantische Gesellschaft muss auch Gruppen ansprechen, die mit der deutschen Ehrenamt-Tradition noch nicht vertraut sind. An den Workshops beteiligten sich zahlreiche bayerische Jugendverbände. Der Ehrenamtsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung unterstützte die Workshops, die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales gefördert wurden.
[ raa ]

Weitere Informationen unter:
www.bjr.de/handlungsfelder/ehrenamt
Bayerischer Jugendring (BJR) – Körperschaft des öffentlichen Rechts
Herzog-Heinrich-Straße 7
80336 München











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