Aus der Praxis für die Praxis
Wichtige Veranstaltung zur kommunalen Wärmeplanung bündelt Wissen und Erfahrungsberichte
In Ludwigsburg tauschten sich im Juli rund 150 Vertreter aus Kommunen, Energieagenturen und Verwaltung zur kommunalen Wärmeplanung aus. Praxisberichte und konkrete Umsetzungstipps standen dabei im Mittelpunkt. Das Ziel: Kommunen auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung bis 2040 zu unterstützen.
Die Fachveranstaltung in der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg hatte das Motto „Kommunale Wärmeplanung: Aus der Praxis für die Praxis“. Eingeladen hatte die Stabsstelle Energiewende, Windenergie und Klimaschutz (StEWK) des Regierungspräsidiums Stuttgart in Zusammenarbeit mit der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW).
Ziel war es, den Kommunen im Regierungsbezirk Stuttgart praxisnahes und konkretes Wissen für die Umsetzung der kommunalen Wärmeplanung mitzugeben. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem digitalen Grußwort der Regierungspräsidentin Susanne Bay. Sie betonte: „Unser gemeinsames Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040.“ Das Umweltministerium Baden-Württemberg stellte im Anschluss die zukünftigen rechtlichen Rahmenbedingungen und Anforderungen an die kommunale Wärmeplanung vor. Dabei wurde deutlich: Kommunen stehen nicht nur vor einer gesetzlichen Verpflichtung, sondern auch vor der Chance, ihre Wärmeversorgung zukunftssicher, effizient und klimafreundlich zu gestalten.

Impulse von Machern
Im Zentrum der Veranstaltung standen Erfahrungsberichte aus der kommunalen Praxis. Die Stadtwerke Crailsheim zeigten zum Beispiel, wie eine erfolgreiche Wärmeplanung umgesetzt werden kann. Die Landeshauptstadt Stuttgart schilderte Herausforderungen bei der Integration der Wärmeplanung in bestehende Infrastruktur und die entstehende Komplexität aufgrund von vielfältigen Interessen verschiedener Akteure.
Ein besonderer Beitrag: Das gemeinsame Projekt der Gemeinde Sersheim und der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen. Sie gaben Einblicke in ihre Konvoilösung. Ein Ansatz, bei dem mehrere Kommunen den Wärmeplanungsprozess gemeinsam gestalten. Darüber hinaus gaben die KEA-BW sowie der Projektträger Karlsruhe (PTKA) wertvolle Tipps für die praktische Umsetzung – von der Auswahl geeigneter Datenquellen bis hin zur Einbindung lokaler Akteure.
Am Nachmittag vertieften die Teilnehmer die Inhalte in Workshops. Im Fokus standen dabei innovative Technologien und tragfähige Finanzierungsmodelle für die Wärmewende sowie die Wärmeplanung im Konvoi. Dabei verdeutlichten Impulsvorträge der Stadt Backnang sowie der Energieagentur Kreis Ludwigsburg LEA e. V. die hohe praktische Relevanz der behandelten Themen.
Die Veranstaltung bot Raum für Austausch, Vernetzung und Diskussion – mit dem klaren Ziel, voneinander zu lernen und den Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung gemeinsam zu gestalten. Die Stabsstelle Energiewende, Windenergie und Klimaschutz sowie die KEA-BW zeigten sich zufrieden mit der großen Resonanz und kündigten an, den praxisorientierten Austausch zur kommunalen Wärmeplanung auch künftig zu fördern.

Die vier Elemente eines kommunalen Wärmeplans
- Bestandsanalyse: Erhebung des aktuellen Wärmebedarfs und -verbrauchs und der daraus resultierenden Treibhausgas-Emissionen, einschließlich Informationen zu den vorhandenen Gebäudetypen und den Baualtersklassen, der Versorgungsstruktur aus Gas- und Wärmenetzen, Heizzentralen und Speichern sowie Ermittlung der Beheizungsstruktur der Wohn- und Nichtwohngebäude.
- Potenzialanalyse: Ermittlung der Potenziale zur Energieeinsparung für Raumwärme, Warmwasser und Prozesswärme in den Sektoren Haushalte, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Industrie und öffentliche Liegenschaften sowie Erhebung der lokal verfügbaren Potenziale erneuerbarer Energien und Abwärmepotenziale.
- Aufstellung Zielszenario: Entwicklung eines Szenarios zur Deckung des zukünftigen Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Dazu gehört eine räumlich aufgelöste Beschreibung der dafür benötigten zukünftigen Versorgungsstruktur im Jahr 2050 mit einem Zwischenziel für 2030. Dies gelingt durch die Ermittlung von Eignungsgebieten für Wärmenetze und Einzelversorgung.
- Wärmewendestrategie: Formulierung eines Transformationspfads zur Umsetzung des kommunalen Wärmeplans, mit ausgearbeiteten Maßnahmen, Umsetzungsprioritäten und einem Zeitplan für die nächsten Jahre und einer Beschreibung möglicher Maßnahmen für die Erreichung der erforderlichen Energieeinsparung und den Aufbau der zukünftigen Energieversorgungsstruktur.
Der Prozess der kommunalen Wärmeplanung führt Potenziale und Bedarf systematisch zusammen. Auf diese Weise lassen sich Einsatzmöglichkeiten der Energiequellen im künftigen Energiesystem definieren und lokal umsetzen. Bei der nachfolgenden Einbindung des kommunalen Wärmeplans in die weiteren kommunalen Planungsaufgaben sollten die Beteiligten der Wärme- und Stadtplanung sich regelmäßig abstimmen. Ein kommunaler Wärmeplan wirkt dabei als Routenplaner. Denn seine Ergebnisse und Handlungsvorschläge dienen dem Gemeinderat und den Ausführenden als Grundlage für die weitere Stadt- und Energieplanung. Während des gesamten Prozesses gilt es, die Inhalte anderer Vorhaben der Kommune, etwa die der Bauleit- oder Regionalplanung, zu berücksichtigen.
Mehr Informationen zur Kommunalen Wärmeplanung:
abrufbar auf dem Wissensportal der KEA BW unter:
https://www.kea-bw.de/waermewende/wissensportal/kommunale-waermeplanung
KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH
Kaiserstraße 94a
76133 Karlsruhe











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