Das Bahnhofsviertel in München wird zum „Central Quartier“
Ein neuer Name begleitet die großflächige Transformation des Viertels
Nach monatelangem Beteiligungsprozess mit über 600 Bürgervorschlägen hat eine interdisziplinäre Jury im Dezember 2025 entschieden: Das Viertel rund um den Münchner Hauptbahnhof heißt künftig Central Quartier. Der Name soll die zentrale Lage mit der internationalen Strahlkraft des Hauptbahnhofs als „Central Station“ verbinden und dem dynamischen Wandel des Viertels Rechnung tragen. Ein Perspektivenwechsel soll damit angestoßen werden.
Das Münchner Viertel rund um den Hauptbahnhof befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, getrieben durch den Ausbau des Hauptbahnhofs, die zweite Stammstrecke und den Bedeutungsgewinn öffentlicher Mobilität. Die Initiative zum neuen Namen will diesen Wandel mit einem Perspektivenwechsel begleiten: weg von einseitigen Zuschreibungen, hin zu einer Identität, die Mobilität, Arbeit, Kultur und internationales Leben in der Stadtmitte verbindet.
Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft der Landeshauptstadt München, bemerkt dazu: „Das Münchner Bahnhofsviertel ist eines der dynamischsten Viertel unserer Stadt. Es ist durch einen stetigen Wandel geprägt und verfügt gleichzeitig über ein erhebliches Potenzial. Mit dem neuen Namen – Central Quartier – soll all den positiven Veränderungen vor Ort Rechnung getragen und ein Signal für die Zukunftsfähigkeit des Viertels gesetzt werden.“ Genau diese Zukunftsfähigkeit stand im Zentrum des Namensfindungsprozesses, den die Initiative „Zukunft Bahnhofsviertel“ gemeinsam mit Vertretern der Stadtgesellschaft, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft angestoßen hat. Begleitet wurde der Beteiligungsprozess durch die Kampagne „Name it – Claim it“. 2025 haben Münchner über 600 Namensvorschläge dazu eingereicht.

rechts: Mai 2025: Bauaktivitäten in München im Central Quartier Bilder: Leonie Lorenz / Accumulata

Warum eine neue Lesart nötig ist
Der Begriff „Bahnhofsviertel“ ist bundesweit häufig mit einseitigen Zuschreibungen verbunden. Diese spiegeln in München nicht wider, was das Viertel heute ist und künftig sein will: ein pulsierender Central Business District mit internationalen Unternehmen, kultureller Vielfalt und einer Bevölkerung aus aller Welt. „Central Quartier“ verbindet der Jury zufolge die zentrale Lage mit der internationalen Strahlkraft des Hauptbahnhofs als Mobilitätsdrehscheibe.
Warum jetzt ein Name?
Das Viertel steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Mit dem Umbau des Hauptbahnhofs zu einem der modernsten Bahnhöfe der Welt und der zweiten S-Bahn-Stammstrecke soll sich das tägliche Fahrgastaufkommen in den kommenden Jahren nahezu verdoppeln. Parallel entstehen über 230.000 Quadratmeter neue Büroflächen, internationale Unternehmen siedeln sich an und der Mobilitätswandel stärkt die Bedeutung zentraler, gut erreichbarer Standorte. Dieser Umbruch verändert Funktion und Rolle dieses Viertels für die gesamte Stadt.
Ein Name schafft dafür mehr als Orientierung: Er bietet einen gemeinsamen Bezugspunkt, macht Identität sichtbar und ermöglicht Identifikation in einer Phase hoher Dynamik. Central Quartier markiert damit nicht nur einen Ort, sondern einen Anspruch – den Übergang von einem vorwiegend als Durchgangsraum wahrgenommenen Gebiet zu einem urbanen Zentrum.
Vom Centralbahnhof zum Central Quartier
Der Name knüpft an die historische Bedeutung des Viertels an. Wie Stadthistoriker Franz Schiermeier bei der Namensverkündung ausführt, hat sich um den 1849 eröffneten Centralbahnhof „ein neues Zentrum für das städtische Leben“ entwickelt, geprägt von Hotels, Vergnügungs- und Kulturangeboten (Theatern, Varietés, Tanzlokalen) und Promenaden.
Nach nahezu vollständiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat sich der Charakter grundlegend verändert. Central Quartier greift die heutige Definition eines Quartiers auf: einen überschaubaren Bereich mit identitätsstiftendem Charakter, klar abgegrenzt von den benachbarten Quartieren Wiesenviertel und Klinikviertel.

Vom offenen Aufruf zur Namensentscheidung
In einem transparenten, mehrstufigen Verfahren hat eine interdisziplinäre Jury die Vorschläge geprüft. Maßgeblich waren Kriterien wie Zukunftsfähigkeit, kommunikative Eignung sowie die Verankerung zentraler Identitätsmerkmale wie „mittendrin“, „pulsierend“, „weltoffen“, „ankommen“ und „inspirierend“. Die Jury setzte sich aus Vertretern der Stadtplanung, des Bezirksausschusses, aus Kultur, Wirtschaft, Hotellerie, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Mit „Central Quartier“ entschied sie sich für einen Namen, der historische Verortung und zeitgemäßes Selbstverständnis verbindet. Die Schreibweise mit C greift dabei sowohl die internationale Prägung als auch die historische Bezeichnung des Central-Bahnhofs auf.
Von der Charta zur Umsetzung
Die Initiative „Zukunft Bahnhofsviertel“ ist aus Forschungsprojekten der TUM entstanden und hat eine nachhaltige Transformation im Interesse der gesamten Stadtgesellschaft zum Ziel. Sie vereint zahlreiche Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft und sonstige Gewerbetreibende aus dem Viertel. Gemeinsam haben sie eine freiwillige Selbstverpflichtung erarbeitet: eine Charta, die konkrete Maßnahmen zur Entwicklung des Quartiers definiert, wozu primär Aktionen zur Verbesserung der Sicherheit und Sauberkeit zählen, darunter transparente, einladende Erdgeschosszonen mit Gastronomie, Kultur und Einzelhandel. [ pb ]

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