Barrierefreiheit mit historischem Feingefühl
Wie das Schaezlerpalais und der Kleine Goldene Saal in Augsburg den Spagat zwischen Denkmalschutz und Inklusion meistern
Barrierefreiheit in historischen Gebäuden ist eine Herausforderung, die Fingerspitzengefühl, technisches Know-how und ein tiefes Verständnis für Denkmalpflege verlangt. Die Stadt Augsburg zeigt bei zwei bedeutenden Wahrzeichen, wie dieser Balanceakt gelingen kann: das Schaezlerpalais und der Kleine Goldene Saal. Beide stehen für die Verbindung von kulturellem Erbe und gesellschaftlicher Teilhabe – und beide beweisen, dass Inklusion kein Widerspruch zur Geschichte ist.
Bereits 2006 wurde der Kleine Goldene Saal vollständig barrierefrei gestaltet. Ein Aufzug, rollstuhlgerechte Türen, Rampen und ein barrierefreies WC ermöglichen seitdem allen Besuchern den uneingeschränkten Zugang zu dem prachtvollen Raumensemble. Die technische Ausstattung fügt sich dabei unaufdringlich in das historische Ambiente ein – ein Beleg dafür, dass Denkmalschutz und Barrierefreiheit sich gegenseitig ergänzen können. Aber nur dann, wenn sie mit Sorgfalt geplant werden.
Ein ähnlicher Weg wird derzeit im Schaezlerpalais beschritten, einem der bedeutendsten bürgerlichen Rokokopalais Süddeutschlands. Schon 2022 wurde ein entscheidender Schritt getan: Der Innenhof erhielt einen modernen, behindertengerechten Aufzug, der nun den Zugang zu den Galerie- und Ausstellungsbereichen ermöglicht. Die Integration dieser Anlage in die historische Architektur gilt als planerische Meisterleistung – sie wurde so umgesetzt, dass die historische Substanz gewahrt bleibt und zugleich die Nutzbarkeit des Hauses spürbar verbessert wurde. Baureferent Steffen Kercher erklärt: „Öffentliche Denkmäler machen unsere Stadt wertvoller. Aber sie sollen auch für alle Menschen erlebbar sein können. Eine barrierefreie Ausgestaltung ist deshalb ein zentraler Baustein, den wir sorgsam in allen Gebäuden setzen wollen.“

Weitere Verbesserungen sind geplant
Im November 2025 startet nun die nächste Etappe der Barriereanpassung. Zunächst werden im Ausstellungs- und Cafébereich Bodenschwellen angeglichen, um Stolper-
fallen zu vermeiden. Mobile Rampen sorgen künftig für einen reibungslosen Zugang zu Café und Kasse. Auch im Servicebereich wird nachgebessert: Funkklingeln am Empfang unterstützen Menschen mit Hör- oder Mobilitätseinschränkungen, während eine verbesserte Beleuchtung im Vorraum zu den Sanitäranlagen für mehr Sicherheit sorgt. Zusätzlich erhält die historische Holztür zum barrierefreien WC eine automatische Öffnung – eine kleine technische Hilfe mit großer Wirkung.

Doch die Stadt Augsburg denkt weiter. In Planung ist die Optimierung des bestehenden barrierefreien WCs: Ein unterfahrbares Waschbecken, kontrastreiche Armaturen und eine verbesserte Beleuchtung sollen künftig für mehr Komfort sorgen. Darüber hinaus wird ein taktiles oder optisches Leitsystem konzipiert, das Menschen mit Sehbeeinträchtigung die Orientierung erleichtert. Kontrastreiche Beschilderungen und Markierungen an Glastüren sind dabei ebenso vorgesehen wie eine klare Wegführung zu den Sanitärräumen.
Was in Augsburg geschieht, ist mehr als nur die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben. Es ist Ausdruck eines kommunalen Selbstverständnisses, das kulturelle Teilhabe als Grundrecht begreift. Gerade in Gebäuden, die Geschichte atmen, wird deutlich, dass Barrierefreiheit nicht als Eingriff, sondern als Erweiterung verstanden werden kann – eine Öffnung des kulturellen Erbes für alle.
Der Kleine Goldene Saal und das Schaezlerpalais stehen damit beispielhaft für eine Verwaltung, die Verantwortung übernimmt – für die Bewahrung der Vergangenheit ebenso wie für die Gestaltung einer inklusiven Zukunft.
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Stadt Augsburg –
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Tel.: +49 821 324-4601
baureferat@augsburg.de

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