Bayerns Kommunalpolitik ist oft eine Männerdomäne
Doch es geht auch anders – das zeigen einzelne Beispiele und Lösungsansätze
Auch nach den Kommunalwahlen im März 2026 herrscht in Bayerns Kommunalvertretungen selten Parität. Durchschnittlich sind Frauen nur zu einem Viertel gewählte Gremienmitglieder in Kommunen und Landkreisen. Insgesamt stieg der Frauenanteil seit 2020 zwar um gute zwei Prozent, in 41 Gemeinderäten in Bayern sitzt jedoch gar keine Frau. Doch es gibt Ausnahmen – und Vereine, die unermüdlich dafür arbeiten, dass sich hier etwas ändert.
Das Bayerische Landesamt für Statistik beziffert den Anstieg des Frauenanteils in den kommunalen Gremien gegenüber
2020 um 2,2 Prozentpunkte. Insgesamt ergibt sich für die am 8. März 2026 in den Kommunen und Landkreisen gewählten 37462 Gremienmitglieder ein Frauenanteil von 25,4 Prozent. Das ist weit entfernt von Parität und bestimmt noch lange nicht das Ziel der politischen Teilhabe, das sich Kampagnen und Initiativen wie zum Beispiel „Bavaria ruft – Mehr Frauen in die Räte“ bei der Kommunalwahl wünschten.
Wichtiges Signal und Trendwende: 3,5 Prozent mehr Frauen stellen sich kommunal zur Wahl
Und trotzdem, meint Sabine Appelhagen, Präsidentin des Vereins Frauen in die Politik (FidiP), der auch Gründungsmitglied der „Bavaria ruft“-Initiative war, freuten sie sich sehr über den gestiegenen Frauenanteil. „Für uns ist das ein wichtiges Signal und eine echte Trendwende. Denn in den vergangenen Jahren ist der Anteil von Frauen in der Kommunalpolitik kontinuierlich zurückgegangen.
“ Umso erfreulicher sei es, erklärt sie weiter, dass sich diesmal 3,5 Prozent mehr Frauen zur Kommunalwahl aufstellen ließen und der Frauenanteil in den kommunalen Gremien nun um zwei Prozent gestiegen sei. „Dies zeigt: Wenn das Thema sichtbar gemacht wird und gezielt daran gearbeitet wird, kann sich etwas bewegen.“

Niedrigster Gremienwert: Gemeinde- und Stadträtinnen kreisangehöriger Gemeinden
Es lohnt sich dabei die Einzelgremien genauer zu betrachten, denn hier gibt es große Unterschiede: Bei den Stadtratsmitgliedern der kreisfreien Städte liegt der Frauenanteil mit 36 Prozent am höchsten. Mitglieder des Kreistages sind Frauen mit einem Anteil von 29,6 Prozent. Das Schlusslicht bilden die Gemeinde- und Stadträte kreisangehöriger Gemeinden mit nur 24,5 Prozent. Von den 2056 bayerischen Gemeinden müssen sogar 41 ganz auf eine Frau im Gemeinderat verzichten. Selten herrscht also ein ausgeglichenes Verhältnis in den Gremien. BR 24 hat die Zahlen zum Frauenanteil weiter ausgewertet und festgestellt, dass in 70 Prozent der Gemeinden der Frauenanteil geringer als 30 Prozent ist. Ganz abgesehen von Bürgermeisterinnen, die in Bayern nur 12,5 Prozent der Chefsessel im Rathaus besetzen.

Positive Ausnahmen in Oberbayern: Inning am Ammersee, Grafrath
Aber es gibt auch Gemeinderäte, die eine andere Verteilung aufweisen. Zum Beispiel in der Gemeinde Inning am Ammersee in Oberbayern. Der Ort mit gut 4800 Einwohnern hat bei der letzten Gemeinderatswahl einen Frauenanteil von 62,5 Prozent erreicht und das über sechs verschiedene Listen hinweg. Der Blick auf die vorherigen Kommunalwahlen zeigt, dass es hier einen stetigen Anstieg gab: 2015 gab es schon sechs Frauen, 2022 bereits acht und bei der letzten Kommunalwahl kamen wieder zwei hinzu. Monika Schüßler-Kafka, dritte Bürgermeisterin (UWG Inning) und seit 30 Jahren im Gemeinderat, bemerkt dazu, dass sie schon viele Frauen dafür gewinnen konnte sich für den Gemeinderat aufstellen zu lassen. Man motiviere sich gegenseitig, spreche sich über den Gartenzaun hinweg oder beim Einkaufen an. „10 von 16 Gemeinderäten sind bei uns weiblich, die zweite und dritte Bürgermeisterin auch. Das ist doch ein tolles Signal. Wir sind allesamt starke Frauen, die sich für die Gemeinde Inning einsetzen.“ Viele der Gemeinderätinnen sind über den Elternbeirat in Kindergarten und Schule oder über das Ehrenamt in Vereinen zur Kommunalpolitik gekommen.
Nur noch die Räte der Gemeinden Grafrath und Schöngeising, beide ebenfalls Oberbayern, liegen knapp über diesem Ergebnis. In Grafrath sind zudem zwei Gemeinderätinnen über eine Frauenliste in den Gemeinderat gekommen. Frauenlisten gelten als probates Mittel, um die Frauenquote in den Gremien zu erhöhen und werden oft auch dort angewendet, wo noch gar keine Frauen vertreten sind. Der Landesverband Frauenlisten Bayern e.V. unterstützt und berät Frauen, die vor Ort neue, parteiunabhängige Frauenlisten gründen wollen.
Wie bekommt man mehr Frauen in die Kommunalpolitik
Doch was ist grundsätzlich zu tun, damit sich mehr Frauen in der Kommunalpolitik engagieren und so in Ämter gelangen. FidiP Präsidentin Sabine Appelhagen, deren Verein es sich zur Aufgabe gemacht hat Frauen für eine Karriere in der Politik zu stärken und eine gerechtere Politik durch mehr Teilhabe von Frauen zu ermöglichen, nennt hier vier wichtige Punkte:
- „Wir müssen uns bewusst machen, dass gute Kommunalpolitik beide Perspektiven braucht.“ Frauen gestalteten das direkte Lebensumfeld ihrer Gemeinden mit. Deshalb gehörten sie selbstverständlich auch an die Entscheidungstische.
- „Das politische Klima muss respektvoller werden.“ Frauen erlebten überdurchschnittlich häufig Anfeindungen – sowohl im Netz als auch im politischen Alltag. Dies dürfe kein Normalzustand sein.
- „Wir müssen die Rahmenbedingungen modernisieren.“ Sie nennt hier familienfreundliche, planbare Sitzungszeiten, Kinderbetreuung, klare Regeln für einen respektvollen Umgang und eine gute Moderation von Gemeinderatssitzungen, die das politische Engagement für viele Menschen – nicht nur für Frauen – deutlich erleichtern würden.
- „Es braucht Verbündete.“ Frauen landeten häufig in Strukturen, die über Jahrzehnte von Männern geprägt wurden. Deshalb sei es wichtig, dass männliche Kollegen Frauen ermutigten, sie unterstützten und ihnen den Raum geben, ihre Erfahrungen und Perspektiven einzubringen.
Kontaktdaten:
Frauen in die Politik - www.fidip.de
Landesverband Frauenlisten Bayern e.V. - www.frauenlisten.de
Weitere Beiträge zum Thema finden Sie auch in unserer Rubrik Frag doch mal
Landesverband Frauenlisten Bayern e.V.
Oskar-Stalf-Str. 17
85665 Moosach
Email: [email protected]
Webseite: https://www.frauenlisten.de/











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