Ein Konzept für mehr Bewegung auf den Schulhöfen im Landkreis Gifhorn
Konzeptplanungen von PS+ und ikps zeigen Wege zu klimaangepassten Lern- und Bewegungsräumen
Schulhöfe sind längst mehr als reine Pausenflächen. Sie sind Orte für Bewegung, Begegnung und informelles Lernen – und gewinnen im Zuge von Ganztagsangeboten sowie klimatischen Veränderungen zunehmend an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat der Fachbereich Schule und Sport beim Landkreis Gifhorn mit der Kreistagspolitik den Entschluss gefasst, ein Gesamtkonzept für alle Schulstandorte in eigener Trägerschaft zu erstellen. Auf Basis dieses Konzept zur bewegungsfreundlichen Schulhofgestaltung wurden von PS+ LandschaftsArchitektur und dem Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung (ikps) individuelle Einzelkonzepte für insgesamt 13 Schulstandorte entwickelt. Ziel ist es, die Außenbereiche der Schulen schrittweise zu attraktiven Bewegungs- und Aufenthaltsräumen weiterzuentwickeln und gleichzeitig Aspekte wie Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität stärker zu berücksichtigen.
„Unser Ziel ist es, die Schulhöfe nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig realistisch mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen“
Wiebke Ackermann
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„Deshalb erfolgt die Umsetzung in Bauabschnitten. Wichtig ist uns, dass alle Schulen perspektivisch von den Maßnahmen profitieren.“
Projektleiterin für „Bewegungsfreundliche Schulhöfe" im Landkreis Gifhorn

Schulhöfe im Wandel
Viele Schulhöfe stammen aus einer Zeit, in der Pausenflächen vor allem funktional gedacht waren. Großflächige Asphalt- oder Pflasterflächen, wenig Schatten und ein begrenztes Bewegungsangebot prägen vielerorts noch das Bild. Gerade an warmen Tagen werden diese Flächen schnell zu Hitzeinseln.

„Wir sehen häufig sehr ähnliche Ausgangssituationen:
Dr. Stefan Eckl
große versiegelte Flächen, wenig Aufenthaltsqualität und Bewegungsangebote, die nur einen Teil der Schülerinnen und Schüler ansprechen“.
Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung.
Gleichzeitig hat sich die Rolle der Schulhöfe verändert. Durch Ganztagsangebote verbringen Kinder und Jugendliche mehr Zeit in der Schule – auch außerhalb des Unterrichts. Entsprechend wichtig sind vielfältige Bewegungs-, Spiel- und Rückzugsmöglichkeiten.
Ein zentraler Ansatz der für den Landkreis Gifhorn entwickelten Konzepte ist die Kombination von Bewegungsangeboten mit Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas. Entsiegelte Flächen, zusätzliche Gehölzpflanzungen oder begrünte Bereiche können zur Abkühlung beitragen und gleichzeitig neue Aufenthaltsqualitäten schaffen.

„Grünflächen und Bäume wirken wie natürliche Klimaanlagen“
Ulrike Moser
„Untersuchungen zeigen, dass begrünte Bereiche deutlich kühler sind als versiegelte Flächen. Durch mehr Vegetation entstehen angenehmere Aufenthaltsorte – auch an heißen Tagen.“
Landschaftsarchitektin bei PS+
Neben der klimatischen Wirkung ermöglichen solche Maßnahmen auch neue Raumstrukturen. Schulhöfe können in kleinere Bereiche gegliedert werden: Aktionsflächen für Bewegung, ruhigere Aufenthaltszonen oder naturnahe Lernorte im Freien.
Planung im Dialog
Auf Basis eines Kreistagsbeschlusses vom Dezember 2020 entwickelte die Sportentwicklungsplanung beim Landkreis Gifhorn gemeinsam mit ikps das „Rahmenkonzept bewegungsfreundlicher Schulhof Landkreis Gifhorn“, in dem Qualitätsstandards der Gestaltung als Grundlage für den Gesamtprozess und die Umsetzung definiert wurden. Entsprechend des Rahmenkonzepts wurde der Planungsprozess sukzessive pro Schulstandort durchgeführt.
Ein wesentliches Merkmal des Projekts war der hohe Grad an Beteiligung. Für jeden Schulstandort wurden Workshops durchgeführt, an denen Vertreterinnen und Vertreter der Schulgemeinschaft sowie des Landkreises teilnahmen. Zu Beginn stand jeweils eine gemeinsame Begehung des Geländes. Anschließend wurden Stärken, Schwächen und Wünsche gesammelt und diskutiert. Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Hausmeister und Elternvertretungen brachten ihre Perspektiven ein.
Auf dieser Grundlage entwickelte PS+ die jeweiligen Konzeptpläne, wobei Ideen und Anregungen aus den Beteiligungsformaten berücksichtigt wurden. ikps moderierte die Workshops und brachte sportwissenschaftliche Impulse ein. Die Entwürfe wurden anschließend erneut mit allen Beteiligten diskutiert und die daraus resultierenden Maßnahmen priorisiert.
Die kooperative Planung mit lokalem Expertenwissen der Teilnehmenden vor Ort und der Expertise von ikps und PS+ führte im Verlauf der Planung zu Konzepten, die individuell auf die 13 verschiedenen Schulstandorte im Landkreis Gifhorn angepasst sind. Durch die Kombination aus Workshop und einer Ortsbegehung konnte einerseits auf die verschiedenen Wünsche und Forderungen der Schülerschaft und des Personals eingegangen werden. Andererseits konnten durch eine Betrachtung der Schulhofverfassung, des Baujahrs und der zur Verfügung stehenden Flächen die speziellen Stärken und Schwächen aus bewegungsfreundlicher und bautechnischer Perspektive in die Planung eingebracht werden. Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich Schulhöfe sein können – und wie individuell die Lösungen ausfallen müssen. Während manche Standorte viel Raum für neue Bewegungsangebote bieten, geht es an anderen Orten darum, kleine Flächen intelligenter zu nutzen oder bestehende Strukturen aufzuwerten.
Unterschiedliche Standorte – individuelle Lösungen
Ein Beispiel ist das Otto-Hahn-Gymnasium in Gifhorn, dessen Schulgelände unmittelbar an einen Waldbereich grenzt. Hier wurde im Workshop deutlich, dass die naturnahe Umgebung stärker in die Nutzung einbezogen werden könnte. Die Konzeptplanung sieht daher vor, den Waldbereich behutsam zu öffnen und durch einen Rundweg sowie zusätzliche Aufenthaltsbereiche erlebbar zu machen. Ergänzend sind Bewegungsangebote wie eine Boulderwand oder eine Netz- und Spiellandschaft vorgesehen.
Am Gymnasium Hankensbüttel geht der Ansatz noch einen Schritt weiter: Hier wird der Schulhof stärker mit dem umliegenden Quartier verknüpft. Ein Niederseilgarten und weitere Bewegungsangebote sollen so angeordnet werden, dass sie auch außerhalb der Schulzeiten genutzt werden können und damit einen Mehrwert für den Ort schaffen. Der Niedrigseilgarten ist außerhalb des Schulgeländes angeordnet, kann aber auch von der Schülerschaft genutzt werden.
Das Sibylla-Merian-Gymnasium in Leiferde verfügt bereits über viele Grünflächen. Hier konzentriert sich das Konzept auf eine stärkere Strukturierung des Geländes, zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten und neue Bewegungsangebote. Ein geplanter Obstgarten und weitere Baumpflanzungen knüpfen an das Profil der Schule als Umweltschule an.


Bild: PS+ Planung von Sportstätten
Der zentrale Schulhof der IGS Wittingen, eine 3.000 qm große versiegelte Asphaltfläche, soll vollständig aufgebrochen werden. Neben der Flächenentsiegelung entstehen neue Aufenthaltszonen und Bewegungsangebote. Zusätzlich werden durch die Maßnahmen zwei räumlich voneinander getrennte Schulhöfe gestalterisch miteinander verbunden. Zur Entsiegelung und Begrünung wird eine umfängliche KfW-Förderung aus dem Programm „Klimaschutz in Kommunen“ in Anspruch genommen.
Ein langfristiger Entwicklungsprozess
Die Konzeptplanungen bilden die Grundlage für eine langfristige Umsetzung. Der Landkreis Gifhorn hat dafür ein mehrjähriges Programm aufgelegt, das die Schulhöfe schrittweise weiterentwickelt.
Die Umsetzung bringt durchaus auch organisatorische Herausforderungen mit sich – etwa begrenzte Haushaltsmittel, lange Planungs- und Ausschreibungsprozesse oder die Koordination verschiedener Fachbereiche. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie durch eine strategische Planung langfristige Verbesserungen erreicht werden können. Für die Umsetzung der Konzepte stehen im Haushalt des Landkreises bis 2036 jährlich 400.000 Euro zur Verfügung. Zusätzlich soll die Beantragung von unterschiedlichen Fördermitteln geprüft werden.

Schulhöfe als soziale Räume
Neben Bewegung und Klimaanpassung spielt auch die soziale Dimension eine wichtige Rolle. Attraktive Schulhöfe fördern Begegnungen, ermöglichen Rückzugsmöglichkeiten und können Konflikten vorbeugen. Langfristig sollen die neu gestalteten Flächen daher nicht nur während der Pausen genutzt werden, sondern auch außerhalb der Unterrichtszeiten als offene Räume für Kinder und Jugendliche dienen. Mit den Konzeptplanungen von PS+ und ikps für die Schulhöfe zeigt der Landkreis Gifhorn, wie Außenräume von Schulen neu gedacht werden können – als bewegungsfreundliche, klimaangepasste und gemeinschaftliche Orte im Alltag von Schülerinnen und Schülern.
PS+ LandschaftsArchitektur PartmbB
Katharinenstraße 31
49078 Osnabrück











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