Die „grauen Energien“ fallen besonders ins Gewicht
Bei einem Neubau entstehen im Schnitt etwa 2,4 Mal mehr Emissionen als bei einer umfassenden Gebäudemodernisierung
Im Kontext der Klimakrise steht der Bau- und Immobiliensektor massiv unter Handlungsdruck. Fast 40 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen entstehen sowohl durch den energieintensiven Neubau als auch durch ineffizient betriebene Bestandsgebäude. Die Frage, ob Abriss und Neubau noch zeitgemäß sind oder ob der größte Hebel für den Klimaschutz in der energieeffizienten Sanierung bestehender Gebäude liegt, ist vor diesem Hintergrund längst überfällig, sagt Christine Lemaitre.
Die Zukunft liegt im nachhaltigen Umgang mit dem Gebäudebestand

„Städten und Gemeinden kommt dabei eine
zentrale Verantwortung zu.“
Dr. Christine Lemaitre gehört zum
Geschäftsführenden Vorstand beim DGNB e.V.
Bei der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. lautet die Antwort ganz klar: Die Zukunft liegt im nachhaltigen Umgang mit dem Gebäudebestand und der damit verbundenen Transformation in Richtung Klimaneutralität. Dass es sich dabei nicht nur um ein Bauchgefühl handelt, konnten wir unlängst in der Kurzstudie „Klimawirkungen von Sanierungen: Eine lebenszyklusbasierte Analyse“ (www.dgnb.de/hintergrundinformationen) belegen. Betrachtet über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes, also von der Errichtung über die Nutzung bis hin zum Rückbau haben Sanierungen in der Regel eine deutlich bessere CO2-Bilanz als Neubauten.
Besonders ins Gewicht fallen dabei die grauen Energien also die Emissionen, die bei der Herstellung, dem Transport, der Errichtung und dem Rückbau entstehen. Im Schnitt fallen bei Sanierungen zwei Drittel weniger davon an als bei vergleichbaren Neubauten. Ein weiterer Vorteil liegt in der Ressourcenschonung. Auch hier steht die Branche nach wie vor schlecht da. Werden im Sinne des zirkulären Bauens bestehende Bauteile wieder- und weiterverwendet, werden auch wertvolle Ressourcen geschont.

Ebenso ausschlaggebend sind die durch Heizung, Strom, Lüftung und Instandhaltung anfallenden Betriebsemissionen. Sanierungen sind also besonders lohnend, wenn der Betrieb durch Maßnahmen wie Dämmung, effizientere Haustechnik und den Einsatz erneuerbarer Energien deutlich klimafreundlicher, im Idealfall sogar klimaneutral gestaltet wird.
Wer es also ernst meint mit dem Klimaschutz kommt um den Erhalt und die nachhaltige Transformation des Gebäudebestands nicht rum. In den meisten Fällen sind die Maßnahmen klimafreundlicher, ressourcenschonender und sozialverträglicher als bei Neubauten. Abriss und Neubau müssen zur Ausnahme werden und dürfen nur noch dann genehmigt werden, wenn technische, wirtschaftliche und funktionale Gründe nachweislich dafürsprechen.Städten und Gemeinden kommt dabei eine zentrale Verantwortung zu. Als Bestandshalter haben sie eine Vorbildfunktion im Umgang mit den eigenen Immobilien. Zudem schaffen sie die Rahmenbedingungen dafür, was in der eigenen Gemarkung gebaut und gefördert wird. Hier knüpft unsere Initiative Klimapositive Städte und Gemeinden (www.klimapositivestadt.de) an. Seit 2020 sind mehr als 100 Kommunen beigetreten, um sich unabhängig der Einwohnerzahl oder dem Stand des nachhaltigen Transformationsprozesses durch den Austausch von Wissen und Best Practices dabei zu unterstützen, Klimaschutz und Nachhaltigkeit schneller, breiter und zielorientierter umzusetzen.


Kontaktdaten:
DGNB GmbH
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen - DGNB e.V
Tübinger Straße 43
70178 Stuttgart, DE
Tel.: +49 711 722322-0
info@dgnb.de
www.dgnb.de
Ein weiteres Statement zum Thema von:
– Petra Wurmer-Weiß, Architektin und Beraterin bei der Bayerischen Architektenkammer
– Dominik Campanella von Concular, Experte für kreislaufgerechtes Bauen
– Winfried Heusler, Institutsleiter des ift Rosenheim und Fassadenexperte
Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!
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Diskutieren Sie mit!
Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Kommune beim Gebäudebau gemacht?
Wie viele Wohnungen fehlen in ihrem Landkreis?
Gibt es genügend geeigneten unbewohnten Altbau, der nachhaltig saniert werden kann?
Wie viele neue Gebäude wurden in den letzten fünf Jahren bei Ihnen vor Ort gebaut?
Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Erfahrungen!











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