Digitaler Begleiter in Ulm
Künstliche Intelligenz für mehr Sicherheit im öffentlichen Raum
Die Stadt Ulm als eine der ersten Städte im Förderprogramm der „Modellprojekts Smart Cities“ zählt bundesweit zu den Vorreitern der Smart-City-Entwicklung. Mit digitalen Lösungen will sie urbane Lebensräume sicherer, sauberer und lebenswerter gestalten – unter Wahrung des hohen Datenschutzstandards.
Ein zentrales Pilotprojekt ist der „Digitale Begleiter“ am Lederhof. Das KI-gestützte System soll die Sicherheit im öffentlichen Raum erhöhen und gleichzeitig das Vertrauen der Bürger in digitale Technologien stärken. Ulm erprobt damit, wie künstliche Intelligenz (KI) und verantwortungsvolle Datennutzung im Sinn einer modernen, bürgerorientierten Stadtentwicklung zusammenwirken.
Ulm testet am Lederhof ein neuartiges Assistenzsystem zur Erhöhung der Sicherheit im öffentlichen Raum. Der sogenannte „Digitale Begleiter“ nutzt KI, um Auffälligkeiten im Verhalten oder in der Umgebung zu erkennen. Ziel ist es, Vandalismus sowie Kriminalität vorzubeugen und gleichzeitig das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu stärken.
„Die Idee ist, die persönliche Sicherheit im öffentlichen Raum zu erhöhen“, erläutert Tom Pfau, Projektleiter in der Abteilung Digitale Agenda, die das Projekt von Seiten der Stadt betreut. Hintergrund sind steigende Kosten durch Vandalismus und ein zunehmendes Unsicherheitsgefühl, insbesondere im Bereich des Ulmer Lederhofs. Der Digitale Begleiter setze daher „auf eine vorausschauende Steuerung der Sicherheit und eine datengestützte Prävention, statt einer reaktiven Überwachung – und das bei voller Einhaltung höchster Datenschutz- und Data-Privacy-Standards“, erläutert Pfau.
KI-gestützte Beobachtung als lernendes System
Das System wertet Bilder aus optischen Sensoren aus und erlernt damit alle möglichen Varianten von Bewegungsanomalien wie Angriffe, Stürze oder Bewegungslosigkeit ebenso wie Veränderungen im Umfeld, etwa durch Müll oder Graffiti. Wird künftig ein solcher Vorfall erkannt, informiert die KI gezielt einen menschlichen Operator.
Dieser Operator kann umgehend reagieren – durch Anpassung der Beleuchtung oder das Abspielen eines akustischen Signals, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Der „Digitale Begleiter“ versteht sich nicht als Überwachungssystem im klassischen Sinn, sondern als technisches Assistenzsystem, das die Sicherheit im öffentlichen Raum unterstützt.

Nutzung durch Einzelpersonen und Gruppen
Das System kann von allen Menschen genutzt werden, die sich im Areal aufhalten. „Der Service ist für ausnahmslos jeden gedacht, der sich digital begleiten lassen möchte“, heißt es. Der Einstieg erfolgt einfach über den Scan eines QR-Codes am Eingang des Lederhofs. Damit wird die Begleitung über eine mobile Anwendung aktiviert und kann dort auch wieder beendet werden.
Nicht nur Einzelpersonen, auch Gruppen können den Dienst nutzen. „Es werden dabei nur die Personen überwacht, die aktiv die digitale Begleitung aktivieren“, ergänzt Pfau. Die maximale Zahl gleichzeitig begleitbarer Personen wird derzeit noch in Last- und Performance-Tests ermittelt. Über die App lässt sich auch manuell Alarm auslösen – beispielsweise, wenn sich eine Person selbst in einer bedrohlichen Situation befindet.
Technische Zuverlässigkeit und Weiterentwicklung
Nach Angaben der Umsetzungspartner bestehen keine grundlegenden technischen Risiken. Dennoch ist das System in der Pilotphase noch nicht fehlerfrei. „Es kann dazu kommen, dass gerade bei vielen Personen auf dem Areal nicht immer zuverlässig erkannt wird, ob es beispielsweise zu einem Handgemenge kommt oder mehrere Personen zu Boden gehen“, sagt der Projektleiter. Die Algorithmen würden jedoch kontinuierlich verbessert, „so dass die Erkennung jeden Tag zuverlässiger wird.“ Entwickelt haben den „Digitalen Begleiter“ im Auftrag der Stadt Ulm die Unternehmen beebucket GmbH, Cortex Media GmbH und SWU TeleNet GmbH.
Datenschutz im Fokus
Der Umgang mit personenbezogenen Daten steht im Zentrum des Projekts. In Workshops mit dem Datenschutzbeauftragten der Stadt Ulm, der Parkbetriebsgesellschaft und der sozialen Jugendarbeit wurde das Thema Datenschutz von Beginn an intensiv behandelt.
Eine externe Datenschutzfolgeabschätzung kam zu einem positiven Ergebnis. Das Gutachten prüfte mögliche Risiken wie unrechtmäßigen Zugriff, Datenverlust oder Manipulation. Fazit: „alles im grünen Bereich.“ Das System bewege sich „unter dem Blickwinkel des Datenschutzes in einem rechtlich sicheren Rahmen“, betont Pfau.
Besonderes Augenmerk liegt auf dem Prinzip „Privacy by Design“: Es werden keine biometrischen Merkmale erfasst. Die Aufnahmen dienen allein der KI-gestützten Analyse und werden nicht zur Identifizierung von Personen verwendet.

Modellprojekt auch für andere Städte
Das Projekt am Lederhof gilt als Pilotprojekt, das im Rahmen der „Modellprojekte Smart Cities“ des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen gefördert wird und auch anderen Kommunen als Vorlage dienen kann. „Der Digitale Begleiter kann als Blaupause für weitere Städte und urbane Lebensräume dienen“, so die Initiatoren. Aus dem Projekt sei bereits ein eigenes Unternehmen hervorgegangen, das die Technologie skalierbar und unter Einhaltung europäischer Standards ermögliche.
Damit bietet Ulm nicht nur eine lokale Lösung für ein drängendes städtisches Problem, sondern entwickelt zugleich ein übertragbares Konzept zur Verbesserung von Sicherheit und Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.
Beitrag zur smarten Stadtentwicklung
Der „Digitale Begleiter“ ist Teil der städtischen Digitalstrategie. Neben dem Sicherheitsaspekt werden auch andere Themen der intelligenten Stadtentwicklung berücksichtigt. So soll die Beleuchtung am Lederhof durch neue Multifunktionsstelen ersetzt werden, in denen Module wie Kameras, Lautsprecher, WLAN und Beleuchtung integriert sind. Diese Technik kann direkt mit dem Digitalen Begleiter vernetzt werden.
Ein weiteres Projekt widmet sich der Müllproblematik im Areal. In Kooperation mit dem Transferzentrum für Digitalisierung, Analytics & Data Science (DASU) sollen studentische Projekte innovative Lösungen für Sauberkeit und Ordnung im Quartier entwickeln.
Mit dem Digitalen Begleiter erprobt Ulm ein datengestütztes Instrument zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum. Das System verbindet moderne KI-Technologie mit einem hohen Datenschutzniveau und setzt auf aktive Einbindung der Bürger. Wenn sich das Konzept bewährt, kann es künftig in weiteren Städten eingesetzt werden – als Baustein für eine vernetzte, sichere und zugleich datenschutzkonforme urbane Umgebung. [ dlu ]

Weitere Informationen zum „Digitalen Begleiter“ am Lederhof:
Stadt Ulm – Abteilung Digitale Agenda
Weinhof 7 in 89073 Ulm
Projektleiter Tom Pfau
Tel.: +49 731-161-1197
t.pfau@ulm.de
www.ulm.de/leben-in-ulm/digitale-stadt
www.ulm.de/leben-in-ulm/digitale-stadt/innovationsmotor/ii_wb_lederhof
Stadt Ulm – Öffentlichkeitsarbeit und Repräsentation
Münsterplatz 50
89073 Ulm











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