Ein Neubau verursacht prinzipiell mehr CO2
Alte Gebäude werden deshalb zu schnell abgerissen, weil sie im Vorfeld viel mehr Aufwand bedeuten
Die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) haben auf dem Hamburger Extremwetterkongress 2025 bis 2050 eine Temperaturerhöhung um weltweit drei Grad Celsius und in Europa mit sechs Grad prognostiziert, wenn die CO2-Emissionen nicht stärker reduziert werden. Ansonsten werden Überschwemmungen durch Starkregen, Dürre und Hitze drastisch zunehmen, mit teilweise lebensbedrohlichen Folgen – Stichwort Hitzetod. Wir müssen deshalb dringend die CO2-Emissionen senken, empfiehlt Winfried Heusler.
Die „graue Energie“ muss berücksichtigt werden

„Eine Sanierung [sollte] immer die erste Option sein.“
Prof. Dr.-Ing. Winfried Heusler ist Institutsleiter des ift Rosenheim und als Ingenieur Fassadenexperte.
Der Baubereich ist einer der größten Emittenten von CO2 durch die großen Transportvolumina von Baustoffen, Aushub sowie die Herstellung neuer Baumaterialien – insbesondere von Beton, (nicht recyceltem) Stahl und Aluminium. Deshalb verursacht ein Neubau prinzipiell mehr CO2-Emissionen als eine Sanierung. Dennoch wird immer noch zu schnell abgerissen und neu gebaut, weil eine Sanierung oft kleinteiliger und planungsaufwändiger ist. Zudem bauen Investoren gerne neu, um die Grundflächenzahl (GRZ) maximal auszunutzen und damit eine optimale Ausnutzung teurer Baugrundstücke zu erreichen.
Hinzu kommt, dass gesetzliche Regelungen fehlen, bei der die „graue Energie“ für die Entscheidung „Neubau oder Sanierung“ relevant ist. Daher sollte eine Sanierung immer die erste Option sein und ein Abriss mit nachfolgendem Neubau nur in Frage kommen, wenn die CO2-Emissionen des Bestandbaus trotz Sanierung über die gesamte Nutzungszeit höher sind.
Das Instrument für einen objektiven Vergleich ist die Lebenszyklusanalyse (LCA / Ökobilanz) über den ganzen Zyklus eines Gebäudes. Die Analyse muss die Herstellung der Baustoffe, den Bau/Umbau, die Nutzung/Betrieb und den Rückbau inklusive Entsorgung und Recycling umfassen. Deshalb ist die gleichrangige Betrachtung der 30- bis 50-jährigen Nutzungszeit wichtig, in der ein großer Anteil der CO2-Emissionen bis zur ersten grundlegenden Modernisierung entsteht.

Neben Wartung und Instandhaltung sind vor allem die Energiekosten für Heizen und Kühlen zu betrachten. Auch eine effiziente elektrische Wärmerzeugung verursacht noch CO2-Emissionen, weil es noch 10 bis 20 Jahre dauern wird, bis die Stromerzeugung 100 Prozent regenerativ ist. Besonders relevant ist die transparente Gebäudehülle, denn diese beeinflusst den „Energiehaushalt“ und den Nutzungskomfort eines Gebäudes erheblich und braucht einen sehr guten Wärme- und Sonnenschutz. Alle Bauteile sollten einfach zu warten und zu reparieren sein, um eine lange und störungsfreie Nutzung zu gewährleisten – das gilt besonders für alle beweglichen Teile wie Fenster und Türen.
Im Zuge der Klimaanpassung sollte der Sonnenschutz nicht nach der noch gültigen DIN 4108:2013 geplant werden, sondern auf Basis der zukünftigen Klimabedingungen, die der DWD bereitstellt. Ansonsten ist der Sonnenschutz schon bei Inbetriebnahme unterdimensioniert und muss in wenigen Jahren bereits saniert werden. Deshalb müssen bei Sanierung und Neubau die Kosten und CO2-Emissionen für eine Nutzungsdauer von 30 bis 50 Jahren als Entscheidungskriterium herangezogen werden. Die bisherige Ausschreibungspraxis verhindert dies aber bislang und sollte daher geändert werden.

Kontaktdaten:
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www.ift-rosenheim.de
Ein weiteres Statement zum Thema von:
– Petra Wurmer-Weiß, Architektin und Beraterin bei der Bayerischen Architektenkammer
– Dominik Campanella von Concular, Experte für kreislaufgerechtes Bauen
– Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand beim DGNB e.V.
Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!
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Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Kommune beim Gebäudebau gemacht?
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Gibt es genügend geeigneten unbewohnten Altbau, der nachhaltig saniert werden kann?
Wie viele neue Gebäude wurden in den letzten fünf Jahren bei Ihnen vor Ort gebaut?
Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Erfahrungen!











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