Eine sichere Wasserversorgung? Das war einmal … !
Masterplan soll Kommunen im Raum Stuttgart für den Notstand sensibilisieren
Als erstes Bundesland reagieren die Verantwortlichen im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg auf Prognosen, die für Deutschland sinkende Grundwasserspiegel und Wasser-Engpässe vorausberechnen. Mit dem „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“ – dem ersten dieser Art – will man in Stuttgart die eigenen Kommunen frühzeitig für den Notstand sensibilisieren.
Auf eines konnte man sich in Deutschland eigentlich immer verlassen: Wir leben in einem der regenreichsten Länder der Erde. Häufig zum Ärger all jener, die sich über Jahrzehnte in den „sonnigen Süden“ wünschten, wenn hier mal wieder mitten im Sommer Regenschirmwetter angesagt war. Längst mehren sich die Anzeichen dafür, dass die alten Gewissheiten nichts mehr taugen. Obwohl sich die Zahlen des BDEW, des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e.V., bislang noch ganz gut lesen.
Aktuell werden in Deutschland nur drei Prozent der verfügbaren Wasserressourcen genutzt, und die gesamte Wasserförderung ist zwischen 1990 bis 2023 sogar um etwa 23 Prozent zurückgegangen. Ebenfalls positiv zu verbuchen: Im gleichen Zeitraum ist der personenbezogene Wasserverbrauch um etwa 17 Prozent verringert worden. Zeit, sich zurückzulehnen und die frohe Kunde zu genießen? Eher nicht. Laut einer Studie des BUND nimmt die Zahl der deutschen Regionen im Wasserstress kontinuierlich zu.
In Baden-Württemberg stellt sich das Land den Prognosen und unterzieht die Wasserversorgung aller 1.101 Kommunen mit dem „Masterplan Wasserversorgung Baden-Württemberg“ einem umfangreichem Check. Berechnet wird dabei zunächst einmal der Ist-Zustand, es folgen die Prognosen für die Wasserversorgung im Jahr 2050. Die aktuellen Analysen werden in fünf Chargen durchgeführt und im kommenden Jahr abgeschlossen.

Grundwasserspiegel sinkt in den Regionen
Die Karte zeigt als erstes Resultat der Erhebungen: Der Grundwasserspiegel in den Regionen ist schon jetzt – verglichen mit den Jahren 1990 bis 2020 – um 15 bis 25 Prozent gesunken. In der Folge gab es in Baden-Württemberg schon erste Aufrufe zum sparsamen Wassergebrauch und Umschaltungen der Trinkwasserversorgung aufgrund niedriger Grundwasserstände.
Die sich nach Abschluss der dritten von fünf Chargen aus der Datenanalyse ableitenden Prognosen sind wenig erfreulich: „Mehr als die Hälfte der Kommunen wird den Spitzenbedarf an Trinkwasser in 25 Jahren nicht decken können.“ Aus dem Ministerium heißt es weiter: „Die Ergebnisse zeigen, dass bei rund drei Prozent der Versorgungsgebiete bereits aktuell ein rechnerisches Defizit bei der Deckung des mittleren Wasserverbrauchs besteht. Bis 2050 erhöht sich dies auf zwölf Prozent. Zudem wird bei rund der Hälfte der Kommunen ein Engpass bei der Deckung von Spitzenbedarfen während Trockenperioden prognostiziert.“
Auf der Grundlage dieser Zahlen sollen baden-württembergische Kommunen zukünftig gegensteuern: neue Wasserquellen erschließen, technische Anlagen frühzeitig anpassen beziehungsweise optimieren, die Ausfallsicherheit erhöhen und Wasser- und Bezugsrechte anpassen.

Handlungsempfehlungen und Förderungen für Kommunen
Das Land reagiert auf die alarmierenden Zahlen auch finanziell: Die Fördermittel für Anpassungsmaßnahmen der Versorgungsinfrastruktur werden im kommenden Jahr auf 88 Millionen Euro erhöht. Zum Vergleich: 2016 gab das Land gerade einmal 13 Millionen Euro für diesen Bereich aus. Umweltministerin Thekla Walker erklärt: „Wassermangel bedroht unsere Freiheit. In Frankreich haben Gemeinden bereits den Bau neuer Häuser und die Ansiedlung von Landwirtschaft untersagt, weil das Wasserangebot nicht mehr ausreicht. Solche Verteilungskonflikte wollen wir in Baden-Württemberg vermeiden. Jederzeit Zugriff zu haben auf qualitativ einwandfreies Trinkwasser zu bezahlbaren Preisen ist ein Grundbedürfnis. Das erfüllen wir mit konkreten Handlungsempfehlungen und der deutlich ausgeweiteten Förderung für Kommunen.“
Angedacht ist auch ein gemeinsames Leitbild für Verwaltungen, Planer, Bauherren sowie die Bürger. Zudem unterstützt das Land die Kommunen und Wasserversorger mit der Förderrichtlinie Wasserwirtschaft. Mit den Geldern werden Vorhaben zur Verbesserung der öffentlichen Trinkwasserversorgung gefördert. Damit sollen unter anderem auch unzumutbar hohe Gebühren- und Beitragsbelastungen für die Bürger vermieden werden.
Ebenfalls in Planung ist eine landesweite Strategie für urbanes Wasserressourcenmanagement mit dem Ziel, eine zentrale Informations- und Beratungsstelle zu etablieren, um Kommunen bei der Entwicklung ihrer Infrastruktur in Richtung einer sogenannten Schwammstadt zu unterstützen, die Wasser speichert und damit spart. Verwaltung, Planer, Bauherren sowie Bürger sollen sich zudem an einem gemeinsamen Leitbild orientieren können. Dafür wurden zwölf Aktivitäten definiert, die nach Veröffentlichung der Strategie geprüft und möglichst umgesetzt werden sollen. Schon jetzt ist klar: Auf die baden-württembergischen Kommunen kommt viel Arbeit zu.
Ein zu eins übertragbar sind die Ergebnisse des Masterplans auf andere Bundesländer natürlich nicht. In der Mitte und im Osten Deutschlands zeigen sich deutlich stärker von den steigenden Trockenzeiten betroffene Gebiete. Wahrscheinlich ist, dass eine Datenanalyse, wie sie derzeit in Baden-Württemberg durchgeführt wird, in diesen Regionen noch weit schlimmere Ergebnisse bringen dürfte. [ al ]

Weitere Informationen unter:
https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/wasser/wasser-und-klimawandel/masterplan-wasserversorgung











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