Unternehmen fördern zudem Innovationen und können die Attraktivität einer Region erhöhen, was wiederum weitere Investitionen und Fachkräfte anzieht. Deshalb gehört die Wirtschaftsförderung zu den wichtigsten Bereichen der Kommunalpolitik. KOMMUNALtopinform wollte wissen, in welcher Weise Kommunen diese Entwicklungen positiv beeinflussen können.

 

Attraktive Städte sind vor allem produktiv und nutzen ihre Flächen effizient

Portrait von Sandra Wagner-Endres, sie ist Projektleiterin am Deutschen Institut für Urbanistik und betreut die Bereiche Finanzen, Infrastruktur und Wirtschaft.
Sandra Wagner-Endres ist Projektleiterin am Deutschen Institut für Urbanistik und betreut die Bereiche Finanzen, Infrastruktur und Wirtschaft.

Sandra Wagner-Endres: „Wichtig sind drei zentrale kommunale Handlungsfelder.“

„Kommunen können in drei zentralen Bereichen aktiv werden: Flächenentwicklung, Stärkung beziehungsweise Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur und die Beschäftigungsförderung. Dabei ist eine strategische Ausrichtung im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung bedeutsam. Es geht also beispielsweise nicht nur darum, quantitativ Flächen für die Wirtschaft zu entwickeln, sondern bei der Vermarktung ökonomische, ökologische und soziale Faktoren zu berücksichtigen. Flächen sind ein kostbares Gut und klimapolitisch steht eine effizientere Nutzung vorhandener Flächen vor Neuausweisungen auf der grünen Wiese. Eine klimagerechte Flächenentwicklung und Infrastruktur von Gewerbegebieten, die auf erneuerbare Energien und klimaangepasste Bauweisen setzt, bietet auch die Chance die regionale Wertschöpfung zu stärken, wenn Vorhaben beispielsweise durch lokale oder regionale Betriebe realisiert werden. In der Folge können Arbeitsplätze vor Ort entstehen oder gesichert werden.

Das zweite Handlungsfeld zielt darauf, die Wirtschaftsstruktur zukunftssicher zu machen. Das bedeutet beispielsweise Neuansiedlungen von Unternehmen an dem vorhandenen Wirtschaftsprofil auszurichten: Was passt zur bereits vorhandenen Wirtschaftsstruktur, welche Zukunftsbranchen sind vorhanden oder wollen wir stärken? Welche Qualifikationen von Beschäftigten werden benötigt oder sollen gefördert werden? Vor allem größere Städte, aber auch Regionen bewältigen diese Fragen mit eigenen Clusterstrategien.

Mit den fortschreitenden technologischen Veränderungen in der Wirtschaft entwickeln sich Branchencluster zunehmend weiter zu Innovationsclustern, wie beispielsweise die Bereiche Greentech, Biotechnologie oder Digitalwirtschaft/KI.

Innovationscluster können durch die kommunale oder regionale Wirtschaftsförderung gezielt gefördert werden, zum Beispiel durch Veranstaltungen, Aktivitäten zu Vernetzung, Beratung und auch Beschäftigungsförderung. Mit Blick auf die Zukunftsfestigkeit sollte dabei die regionale Wertschöpfung und der Beitrag der Unternehmen dazu berücksichtigt werden.

Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften zählt für die Wirtschaft zu einem der wichtigsten Standortfaktoren. Daraus ergibt sich der Handlungsbedarf für die Kommune im Bereich der Beschäftigungsförderung. Hier können direkte und indirekte Maßnahmen positiv wirken. Zum einen können durch gezielte Bildungs- und Fördermaßnahmen nicht ausgeschöpfte Potenziale von verschiedenen Gruppen, wie Frauen, Älteren, Menschen mit Migrationshintergrund, mit Beeinträchtigungen oder ohne Ausbildung stärker genutzt werden. Um Arbeitskräfte für die Kommune oder die Region zu gewinnen und zu halten, ist eine bedarfsgerechte und funktionierende Infrastruktur bedeutsam. Dazu zählen unter anderem bezahlbarer Wohnraum, Kita-, Schulplätze oder passende Mobilitätsangebote. Die Informationen darüber können einfach und zielgenau durch digitale Tools an potenzielle Arbeitskräfte gerichtet werden. In der Region Nordschwarzwald beispielsweise nutzen Unternehmen ein Tool dieser Art. Interessenten und mögliche Bewerber können überprüfen, wie der Wohnungsmarkt vor Ort aussieht, ob es Kita-Plätze gibt und noch vieles mehr. Es ist sehr wichtig, dass sich mögliche neue Arbeitskräfte schnell und unkompliziert informieren können. Die Unternehmen können das Tool auf ihrer eigenen Webseite einbauen. Das ist ein sehr guter Ansatz, da alle wichtigen Fragen schnell und unkompliziert beantwortet werden. Diese sogenannten weichen Standortfaktoren sind in den letzten Jahren für Unternehmen bei Fragen der Ansiedlung oder Erweiterung immer wichtiger geworden. Eine bedarfsgerechte Infrastruktur und attraktive Freizeitangebote tragen also mittelbar zur Entstehung und Sicherung von Arbeitsplätzen bei.“

 

Bauingenieure und THW-Mitarbeiter bei einer Besprechung in einem baufälligen Gebäude.
Bauingenieure und THW-Mitarbeiter bei einer Besprechung: In vielen Kommunen gibt es Flächen mit alten, zum Teil baufälligen Gebäuden. Nachhaltig und sparsamer ist es, wenn Städteplaner überlegen, wie man solche Flächen und Gebäude sinnvoll nutzen kann, anstatt diese brach liegen zu lassen und anderswo Neues zu bauen.

 

Kontakt:

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Zimmerstraße 13-15
10969 Berlin
Tel. +49 30 39001-0
difu@difu.de
www.difu.de/themen/wirtschaft

 

 

Weitere Statements zum Thema von:
Claudius Mähler, Referent beim Städtetag Baden-Württemberg
Ein Fachteam des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

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