Gutes Licht für alle
In Offenburg werden Sicherheit und Schutz der Natur zusammen gedacht
Im Offenburger Zwingerpark, einem geschützten Gartendenkmal am Rand der historischen Altstadt, sorgt ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem für die Bedürfnisse von Mensch und Tier.
Der Zwingerpark unterhalb der Stadtmauer zählt, heißt es in Offenburg, zu den schönsten Parkanlagen Mittelbadens. 1899 wurde der Garten mit Teichen, Wasservögeln und großem Baumbestand angelegt. Über die Wenktreppe, benannt nach ihrem Stifter, gelangt man vom Park hinein in die historische Altstadt. Der Park verläuft entlang der südwestlichen Stadtmauer durch einen aufgefüllten ehemaligen Festungsgraben. Der Baumbestand ist sehr alt und die reiche Vegetation wächst prächtig, weil die nahe Stadtmauer die kalten Nordwinde abhält. Einziges Manko für Besucher und die örtliche Bürgerschaft: In einigen Bereichen fühlten sich die Menschen in der kalten und dunklen Jahreszeit nicht wirklich sicher. Das hat sich nun geändert: mit einem ausgeklügeltem Beleuchtungskonzept, das nicht nur den Menschen Sicherheit verspricht, sondern auch Rücksicht auf eine nachaktive Tierwelt nimmt.
Installiert wurden 27 Lichtmasten in einer Höhe von fünf bis sieben Metern sowie fünf Baumstrahler mit insgesamt 133 Strahlern und sogenannten Blendtuben. Die Lampen haben eine Leistung von maximal 15 Watt für die Beleuchtung der Wege und etwa 26 Watt für die Beleuchtung der Stadtmauer und der historischen Skulpturen. In den Nachtstunden werden die Lampen gedimmt und nur noch die Wege beleuchtet, während die Stadtmauer im Dunkeln liegt. Unauffällig und präzise werfen die engstrahligen Spots Lichtkegel mit einer geringen Blendung und weichen Kontrasten auf die Wege. Thomas Leitermann von der Abteilung Straßen, Brücken und Straßenbeleuchtung der Stadt Offenburg erklärt, aus der Sicht der Stadt kombiniere das Projekt mehrere vorbildliche Aspekte: Die Aufwertung des historischen Parks als attraktiver Flanier- und Erholungsraum, die Beseitigung von Angsträumen und damit ein gesteigertes subjektives Sicherheitsgefühl für die Bevölkerung und eine Reduzierung der Stromkosten durch den Einsatz moderner LED-Technik. Gesteuert wird die Anlage über einen speziellen Server mit Visualisierung via DALI-Sensoren. Mit diesem System wird die Anlage aus der Ferne überwacht und ist über ein Tablet bedienbar. „Gemäß dem Naturschutzgesetz Baden-Württemberg ist die Beleuchtung der Stadtmauer und der Skulpturen ausschließlich in den Wintermonaten aktiv. Die Lichtfarbe wurde zudem in einem insektenfreundlichen Spektrum gewählt: 2200 Kelvin für die Wege und 2700 Kelvin für Stadtmauer und Skulpturen“, erklärt Thomas Leitermann.

Das besondere Lichtkonzept hat ein Studio in Karlsruhe entwickelt. „Das Konzept berücksichtigt auch die bedeutsamen alt eingewachsenen Linden, ein Spiel mit dem Schatten macht das Blattwerk auf dem Boden sichtbar“, erläutert Stefan Lotze, in dessen Studio „teilchenwelle“ das Konzept entwickelt wurde. Strahler sind mit Baumgurten in enger Abstimmung mit der Baumpflege der Stadt am Stamm angebracht worden und sorgen im richtigen Abstand für ein Schattenbild einzelner Äste am Boden. „Die präzise, aber weiche und dezente Aufhellung der Stadtmauer ohne Lichter oberhalb der Horizontalen war ein weiteres wichtiges Element.“ Besonders herausfordernd in der ersten Phase sei das hohe Maß an Anforderungen gewesen: eine Vermeidung von Lichtverschmutzung, eine mögliche Beibehaltung des Tag-Nacht-Rhythmusses, Umweltschutz, Ökologie, Biodiversität und eine möglichst geringe Störung für nachaktive Tiere. Außerdem seien, sagt Stefan Lotze, kurz vor der Planungsphase neue Regelungen zum Thema Umweltschutz und Licht in Kraft getreten. Gemeinsam mit der Stadt und den Landschaftsarchitekten sei man schließlich zu den ausgeführten Lösungen gelangt.
Ganz billig ist das „Gesamtkunstwerk“ allerdings nicht. Für die Umsetzung der neuen Beleuchtungsanlage seien insgesamt 450.000 Euro in Planung, Tiefbauarbeiten, Steuerungstechnik, Masten, Strahler sowie einen neuen separaten Stromanschluss für Dauerspannung investiert worden. Für Thomas Leitermann ist das gut investiertes Geld: „Der Zwingerpark – ein wichtiger Teil des Offenburger Grüngürtels – war zuvor eher unscheinbar. Durch die gezielte Beleuchtung erfährt er nun eine deutliche Aufwertung – mit geringem Wartungsaufwand.“
Eine Lösung, die anscheinend nicht nur den Offenburgern gefällt. Im vergangenen Jahr wurde die Kommune Gewinner des Lichtdesign-Preises in der Kategorie Außenbeleuchtung/Öffentliche Bereiche. Begründet wurde die Auszeichnung so: „Behutsame Beleuchtung und genau definierte Zonen bringen hier eine urbane Nutzung und Respekt vor der Natur und ihren Bedürfnissen zusammen. Über die Steuerbarkeit des Lichts und damit die detailliert geplante zeitliche Differenzierung wird die jeweilige Nutzung ermöglicht und das Gartendenkmal zum Leben erweckt.“ [ al ]

Weitere Informationen zum Zwingerpark Offenburg und zu den Leuchten:
https://www.lichtdesign-preis.de/projekt/zwingerpark-offenburg
https://www.meyer-lighting.com/de/projekte/details/zwingerpark
Ansprechpartner:
Tobias Leitermann – Bereich Straßenbeleuchtung
Stadt Offenburg – Fachbereich Tiefbau / Verkehr
Tel.: +49 781 82-2353
tobias.leitermann@offenburg.de

Stadt Offenburg
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77652 Offenburg











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