Kirchheim unter Teck wappnet sich gegen die Hitze
Neuer Hitzeaktionsplan liefert konkrete Schutzmaßnahmen für Bürgerinnen und Bürger in Zeiten der beschleunigten Erderwärmung.
Für die Stadt Kirchheim unter Teck liegt jetzt ein Hitzeaktionsplan vor. Er enthält Vorschläge für konkrete Maßnahmen zum Hitzeschutz, die in einem partizipativen Prozess entwickelt wurden.
Im Vorwort zum Hitzeaktionsplan:
Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader
„Um Folgekosten für die gesamte Stadtgesellschaft zu verringern“
-
„In Zeiten knapper Haushaltskassen ist es deshalb eine große Herausforderung, jedoch notwendig, vorbeugend in den Hitze- und Klimaschutz zu investieren“.
Die extreme Hitzewelle im Juni hat den Klimawandel nochmals verdeutlicht – auch in den kommunalen Verwaltungen. Dabei ist der Trend nicht neu: In den letzten 25 Jahren hat sich die globale Erwärmung deutlich beschleunigt. Vor allem die Zahl an Hitzetagen mit Temperaturen über 30 °Celsius und Tropennächten – mit Temperaturen über 20 °Celsius – haben deutlich zugenommen.
Der Südwesten Deutschlands ist von dieser Entwicklung in einem besonderen Maße betroffen.
Die Stadt Kirchheim unter Teck im Landkreis Esslingen hatte sich deshalb bereits Ende 2024 dazu entschlossen, einen Hitzeaktionsplan anzufertigen. Nach der erfolgreichen Antragstellung beim Förderprogramm KLIMOPASS des Landes Baden-Württemberg ging es im Frühjahr 2025 mit der Erstellung los.
„Hitzeschutz in Städten muss zur Daueraufgabe werden“.
Dirk Messner
Präsident des Umweltbundesamtes
Ein Hitzeaktionsplan dient Kommunen als systematischer Fahrplan. Er soll in Hitzeperioden gesundheitliche Schäden verhindern – besonders bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Insbesondere Kinder und ältere Menschen sind oft nicht in der Lage, selbstständig auf ihre Hitzevermeidung zu achten.
Der Hauptteil des neuen Hitzeaktionsplans für Kirchheim unter Teck enthält konkrete Maßnahmenvorschläge. Diese wurden gemeinsam erarbeitet: Beteiligt waren Beschäftigte aus verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung sowie externe Fachleute und Akteure.
„Wir sehen bereits heute, dass Hitzewellen heißer werden und länger andauern“
Tobias Fuchs
Und mahnt: „Wir müssen uns für die Zukunft auf weitere Zunahmen vorbereiten“.
Vorstand Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst DWD
Federführend für den Prozess der Erstellung des Hitzeaktionsplanes war die Klimaschutzmanagerin der Stadt Kirchheim unter Teck. Das Stuttgarter Büro Ökonsult stand beratend zur Seite. Es moderierte die Workshops und verfasste den Großteil des Textes.

Konkrete Maßnahmenvorschläge
Der erste Teil des Hitzeaktionsplans beschreibt kompakt das Klima in Kirchheim unter Teck. Die Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb hat gut 42.000 Einwohner. Die Zahlen zeigen eine deutliche Veränderung: In den 1960er-Jahren gab es dort im Durchschnitt noch 8,2 Hitzetage pro Jahr. Im Zeitraum von 2010 bis 2020 waren es bereits 19 Hitzetage jährlich. Das heißt: Die Zahl der Hitzetage steigt schneller als die Durchschnittstemperaturen – aber gerade sie sind für die Menschen besonders belastend. Das hat Folgen für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Arbeitsfähigkeit der Menschen.
Wir empfehlen in jedem Fall, bei der Erstellung so eines Hitzeaktionsplanes
Stefan Flaig von Ökonsult
relevante Verantwortliche aus der kommunalen Verwaltung
und – wo möglich – auch aus der Zivilgesellschaft mit einzubinden“.
„Nur so können Maßnahmen entwickelt werden,
die auch in der Praxis funktionieren“.
Der Hauptteil des Hitzeaktionsplans enthält 17 Maßnahmenvorschläge. Diese wurden innerhalb von zwölf Monaten in verschiedenen Fach-Workshops erarbeitet, im Detail beschrieben und nach Wichtigkeit geordnet.
Im Bericht werden diese Maßnahmenvorschläge aus praktischen Gründen in drei verschiedene Bereiche gegliedert:
- Maßnahmen zur Kommunikation bzw. Informationen
- Akut-Maßnahmen in Hitzephasen
- Mittel- und langfristige Maßnahmen
Für jede dieser Einzelmaßnahmen wurden Steckbriefe erstellt, aus denen die Ziele, die für die Umsetzung federführend verantwortlichen Stellen sowie Einschätzungen für den Ressourcen- und Zeitbedarf ersichtlich sind.
Die Basis für eine erfolgreich Anpassung an Hitzephasen ist eine zielgenaue Kommunikation. Denn nicht nur die breite Öffentlichkeit, sondern vor allem relevante Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sollten die Gefahren von heißen Tagen bzw. Hitzewellen kennen, ihre Bedeutung richtig einschätzen und im Bedarfsfall konkrete und praxisnahe Handlungsempfehlungen erhalten, um Risiken zu minimieren. Dafür wurden verschiedene Maßnahmen entwickelt und in Steckbriefen genau beschrieben. Beispiele dafür sind der genaue Ablauf für einen Alarmplan und die gezielte Ansprache von besonders gefährdeten Gruppen.
Dann empfiehlt der Hitzeaktionsplan mehrere Maßnahmen für die Zeit vor und während akuter Hitzephasen. Dazu gehören beispielsweise kurzfristige Maßnahmen zur Kühlung in Schulen und Kitas oder das schon vorhandene Angebot kostenloser Trinkwasserbrunnen weiter auszubauen.
Neben Verhaltensänderungen empfiehlt der Hitzeaktionsplan mittel- und langfristige Maßnahmen. Diese werden fortlaufend in der städtischen Klimaanpassungspolitik umgesetzt. Das Ziel ist eine dauerhaft höhere Hitze-Resilienz. Diese baulichen Maßnahmen betreffen Gebäude und die Infrastruktur. Dafür müssen zuerst die genauen Kosten und die Finanzierung geklärt werden. Ein Beispiel ist die klimaschonende Kühlung in Schulen und Kindergärten. Auch Sonnenschutz und Wärmedämmung gehören in diesen Gebäuden dazu. Zudem gibt es Vorschläge, wie öffentliche Räume in der Stadt besser vor Hitze geschützt werden können.
Priorisierung und zentrale Koordination
Alle in den Workshops entwickelten Maßnahmen wurden von den Teilnehmenden vor dem Hintergrund praktischer Erfahrungen und Bedarfe diskutiert und priorisiert. „Dabei war uns sehr wichtig“, so Moderator Stefan Flaig, „bei der Bewertung von Maßnahmen nicht von Anfang an die Schere der Finanzierbarkeit im Kopf zu haben“. Die Priorisierung für den Hitzeaktionsplan wurde deshalb nach den Prinzipien „Dringlichkeit“ und „Wirksamkeit“ der Maßnahmen vorgenommen.
Für einen erfolgreichen Hitzeschutz ist eine zentrale Koordinationsstelle nötig. Diese Stelle steuert fortlaufend die Umsetzung des Hitzeaktionsplans. Sie bereitet zum Beispiel regelmäßige Treffen für alle Beteiligten vor und lädt dazu ein. Bei diesen Treffen besprechen die Mitglieder den aktuellen Stand und planen weitere Maßnahmen. Das Sachgebiet Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Innovation wird dafür diese Aufgabe koordinieren. Im letzten Kapitel des Hitzeaktionsplanes wird ein Fahrplan zur weiteren Vorgehensweise skizziert.
Die konkrete Umsetzung liegt jetzt in der Verantwortung der Stadtverwaltung und des Gemeinderats. Natürlich wird dies immer im Lichte der jeweiligen Haushaltslage und der Gewinnung von Fördermitteln geschehen.
Ökonsult GbR
Augustenstraße 124
70197 Stuttgart











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