Mit dem KI-Führerschein in die digitale Zukunft
Wie die Stadt Regensburg mit einem innovativen Lernangebot digitale Souveränität fördert und Bürger für den verantwortungsvollen Umgang mit künstlicher Intelligenz sensibilisiert
Die Stadt Regensburg geht mit einem innovativen Bildungsangebot neue Wege in der kommunalen Smart-City-Strategie: Der „Regensburger KI-Führerschein“ soll Bürger befähigen, künstliche Intelligenz (KI) zu verstehen, verantwortungsvoll zu nutzen und kritisch zu reflektieren. Entwickelt im Rahmen des Smart-City-Förderprojekts REGENSBURG_NEXT und eingebettet in das Reallabor für urbane Mobilität, verbindet das Projekt technologische Aufklärung mit gesellschaftlicher Teilhabe.

Franziska Meier, Smart-City-Koordinatorin im Referat für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg, beleuchtet im Interview die Hintergründe, Ziele und Herausforderungen des KI-Führerscheins.
Deutlich wird, wie kommunale Bildungsangebote zur digitalen Souveränität beitragen und gleichzeitig Ängste gegenüber der neuen Technologie abbauen können.
Was war der Antrieb, den Regensburger KI-Führerschein zu entwickeln?
Meier: Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags – ob in Suchmaschinen, Sprachassistenten oder bei der Verkehrssteuerung – und sie wird künftig nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche betreffen. Deshalb ist es uns als Stadt wichtig, ein grundlegendes Verständnis und einen reflektierten Umgang mit KI zu fördern.
Ideengeber des Regensburger KI-Führerscheins ist Professor Georg Stephan Barfuß, Wirtschafts-, Wissenschafts- und Finanzreferent der Stadt Regensburg. Er brachte die Idee nach Regensburg – inspiriert durch ein KI-Lernprogramm aus Finnland. Als Professor sieht Barfuß KI als Schlüsseltechnologie mit – schon heute – großem gesellschaftlichem Potenzial; als Wirtschaftsreferent betont er ihre Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und den Wohlstand der Stadt. Die Stadt Regensburg hat dieses Potenzial früh erkannt und mit dem AIR-Cluster, Artificial Intelligence Regensburg, seit 2020 ein lokales KI-Ökosystem für Forschung und Anwendung am Innovationsstandort aufgebaut.
Um das Potenzial ausschöpfen und die Technologie verantwortungsvoll einsetzen zu können, braucht es ein grundlegendes Verständnis dafür, was KI ist, wie sie funktioniert und welche Chancen und Risiken sie für die Gesellschaft birgt – auch als Basis für demokratische Entscheidungen. Der Regensburger KI-Führerschein soll alle Bürger befähigen, KI zu verstehen, anzuwenden und auch kritisch zu reflektieren – unabhängig vom Hintergrund.
Welche konkreten Lernziele verfolgt der KI-Führerschein?
Die kostenlose Lernplattform ist als Web-Anwendung konzipiert und bietet interaktive Inhalte, Videos und praxisnahe Anwendungsbeispiele. Das innovative Lernangebot nimmt Bürger und Bürgerinnen auf eine circa 20-minütige Lernreise mit und vermittelt Basiswissen zu KI ebenso wie Informationen zu ethischen Fragestellungen, Datenschutz und verantwortungsvoller Nutzung. In der bildhaften und praxisnahen Darstellung treffen Bürger und Bürgerinnen an sechs Stationen auf bekannte Orte und lokale Akteure und Akteurinnen, um Identifikation mit dem Thema zu schaffen und Regensburg als KI-Standort sichtbar zu machen. Praxisnahe Tipps unterstützen beim richtigen Umgang mit KI und geben Anregungen zur kritischen Reflexion.
Die Ziele des Regensburger KI-Führerscheins sind:
- Zugang zu KI schaffen: Entwicklung einer kostenlosen, niedrigschwelligen Lernplattform für KI – zugeschnitten auf Regensburger Bürger und Bürgerinnen.
- Verständnis fördern: Vermittlung von Basiswissen zu KI, inklusive ethischer Fragestellungen, Datenschutz und verantwortungsvoller Nutzung.
- Begeisterung wecken und Kompetenzen aufbauen: Bürger und Bürgerinnen befähigen, KI zu verstehen, anzuwenden und kritisch zu reflektieren – beispielsweise durch praxisnahe Tipps.
- Barrieren abbauen: Abbau von Ängsten, Vorbehalten und Zugangsbarrieren gegenüber KI durch verständliche, alltagsnahe Inhalte.

Welche Messgrößen belegen den Lernerfolg der Teilnehmenden?
An den Stationen müssen verschiedene Aufgaben, beispielsweise in Form eines Quiz’, bearbeitet werden. Am Ende des Kapitels wird dann jeweils ein Teil des Lösungswortes entschlüsselt, bis es nach dem Abschlussquiz komplett aufgelöst wird. Am Ende des Kurses wird die erfolgreiche Teilnahme offiziell mit einem digitalen Zertifikat bestätigt.
Welche Zielgruppen und Branchen profitieren besonders von dem Kurs?
Der Regensburger KI-Führerschein richtet sich bewusst an alle Bevölkerungsgruppen, um einen niedrigschwelligen Zugang zu künstlicher Intelligenz zu schaffen. Besonders profitieren Menschen ohne Vorkenntnisse oder mit Unsicherheiten und Ängsten im Umgang mit KI. Das Angebot ist zudem zweisprachig konzipiert, um auch der internationalen Stadtgesellschaft und Studierenden in Regensburg eine einfache Teilhabe zu ermöglichen. Zusätzlich wird ein Workshop angeboten, um Menschen ohne technische Geräte oder mit mehr Schulungsbedarf nicht auszuschließen. Der KI-Führerschein legt den thematischen Fokus zwar auf den Einsatz im Bereich Mobilität, soll aber Verständnis fördern, Kompetenzen stärken und Barrieren abbauen – unabhängig von Branche oder Vorwissen.
Für welche gesellschaftlichen Herausforderungen ist er gedacht?
Das kostenlose Bildungsangebot wurde entwickelt, um einen praxisnahen Zugang zu einer komplexen Technologie zu schaffen und die digitale Souveränität der Stadtgesellschaft zu fördern. Er hilft dabei, Bürger und Bürgerinnen aufzuklären und ein fundiertes Verständnis für die Chancen und Risiken von KI zu entwickeln, insbesondere in Bezug auf Anwendungsbereiche, Effizienz, Datenschutz und Transparenz. Ein zentrales Ziel ist es, der digitalen Spaltung entgegenzuwirken und allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu neuen Technologien zu ermöglichen, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit KI zu fördern. Darüber hinaus sollen Ängste im Umgang mit neuen Technologien, speziell in urbanen und kommunalen Kontexten, abgebaut und das Vertrauen in diese Technologien gestärkt werden. Der KI-Führerschein trägt somit auch zur Sicherstellung der Souveränität unserer demokratischen Gesellschaft im digitalen Zeitalter bei.

Wie wird der Regensburger KI-Führerschein in die Smart-City-Strategie Regensburgs und ins R_Lab Mobilität eingebettet?
Das Stadtentwicklungskonzept „Regensburg-Plan 2040“ benennt die großen Herausforderungen Regensburgs und zeigt die Vision für die zukünftige Entwicklung der Stadt auf. Regensburg soll im Sinne einer nachhaltigen und integrierten Entwicklung zur grünen, gerechten und produktiven Stadt werden. Die im Mai 2023 vom Stadtrat beschlossene Smart-City-Strategie greift diese Dimensionen auf und liefert einen konkreten Handlungsrahmen, um die Chancen der Digitalisierung für Regensburg zu nutzen und innovative Lösungen umzusetzen. Das „Reallabor Urbaner Raum“ schafft, neben sieben weiteren integrierten Maßnahmen, einen Möglichkeitsraum, um innovative Lösungen gemeinsam mit Stadtverwaltung und städtischen Tochterunternehmen, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft zu entwickeln und unter realen Bedingungen im Stadtraum zu erproben.
Der Regensburger KI-Führerschein wurde als Anwendungsfall des „R_Lab Mobilität“ (Reallabor für urbane Mobilität) und ganz im Sinne der städtischen Smart-City-Ziele umgesetzt. Das interdisziplinäre und organisationsübergreifende Projektteam hat die Idee des Referenten aufgenommen und zu einem lokalen, umsetzbaren Lösungsansatz weiterentwickelt. Nach wenigen Monaten Projektlaufzeit konnte der Regensburger KI-Führerschein in Kooperation folgender Projektpartner veröffentlicht werden:
- i40 – the future skills company: Technische und inhaltliche Umsetzung
- Cluster Mobility & Logistics, TechBase Regensburg GmbH: Projektkoordination, Stakeholdermanagement und Kommunikation
- REGENSBURG_NEXT: Gesamtprojektkoordination R_NEXT und Umsetzungsunterstützung, Stadt Regensburg
- Artificial Intelligence Regensburg, TechBase Regensburg GmbH: Unterstützung
Im Rahmen der Förderkulisse „Modellprojekte Smart Cities“ wird das gesamte kommunale Smart-City-Projekt R_NEXT vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) gefördert.

Welche sechs Lernstationen umfasst das Projekt?
Station 1: Der Start!
Das Bruckmandl begrüßt die Teilnehmenden und stellt sich als Lernbegleiter für die Tour vor. Gemeinsam geht es auf eine spannende Fahrradreise durch die Welt der Künstlichen Intelligenz.
Station 2: Was ist KI eigentlich?
Was bedeutet „künstliche Intelligenz“? Professor Kruschwitz von der Universität Regensburg gibt spannende Einblicke in die Technologien hinter KI. Anhand einer Zeitleiste werden Meilensteine auf dem Weg zu den heutigen Formen von KI gezeigt.
Station 3: Das Potenzial der KI
Wie könnte KI unsere Gesellschaft in Zukunft verändern? Katja Punk vom Smart-City-Projekt R_NEXT der Stadt Regensburg präsentiert innovative KI-Pilotprojekte, die bereits heute in Regensburg umgesetzt werden.
Station 4: Generative KI
Professor Baumann von der OTH Regensburg erklärt anschaulich, wie generative KI funktioniert. Außerdem gibt es praktische Tipps, wie man mit gezieltem Prompting bessere Ergebnisse erzielt.
Station 5: Achtung KI!
An einem konkreten Beispiel werden die Risiken und Herausforderungen von KI deutlich gemacht. Dabei wird gezeigt, warum ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Technologie so wichtig ist.
Station 6: Abschlussprüfung und Zertifikat
Am Ende der Tour wartet eine kleine Abschlussprüfung. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat als Nachweis.
Welche Technologien und Plattformen nutzen Sie für die Umsetzung der Lernplattform?
Die interaktive Web-Anwendung wurde mit einem Mobile-First-Ansatz für Smartphones und Tablets entwickelt, ist jedoch auch am Desktop nutzbar. Sie ist gänzlich als Open-Source-Lösung konzipiert, mit DSGVO-konformem Hosting in Deutschland. Als skalierbare, modular erweiterbare und offene Plattform entwickelt, ist sie für weitere Themenfelder und Kommunen einsetzbar. [ dlu ]
Weitere Informationen durch:
Stadt Regensburg – Referat für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen
Bruderwöhrdstraße 15 b, 93055 Regensburg
Smart-City-Koordinatorin Franziska Meier
Tel.: +49 941 507-1061
Meier.Franziska@Regensburg.de
www.regensburg.de/r-next
www.ki-regensburg.de
Stadt Regensburg
Altes Rathaus – Rathausplatz 1
93047 Regensburg











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