Schleppender Speicher-Ausbau gefährdet die Energiewende
Fachmann sieht im Ausbau ein probates Mittel gegen wetter- und tageszeitabhängige Schwankungen. Was Kommunen jetzt tun können…
Großspeicher sind das Rückgrat einer stabilen Stromversorgung und ein Schlüssel zur erfolgreichen Energiewende. Bei Überproduktion durch Solarparks oder Windkraftanlagen speichern sie Strom und geben ihn bei Bedarf zurück ins Netz. Trotz ihres Potenzials werden sie in Deutschland bislang nur selten umgesetzt.
Kai Klingenhagen leitet den Bereich Batteriespeicher beim unterfränkischen Solarenergie-Spezialisten BELECTRIC. Das Unternehmen entwickelt, baut und betreibt seit fast 25 Jahren Photovoltaik- und Batteriespeichersysteme in ganz Europa und hat weltweit schon mehr als fünf Gigawatt Solarleistung und rund 650 MWh Batteriekapazität errichtet. Kai Klingenhagen erklärt, weshalb der so wichtige Speicher-Ausbau lahmt und wie der Weg in die Zukunft gelingen kann.
Weshalb sind Batteriespeichersysteme wichtig für die Energiewende?
Klingenhagen: Die Erneuerbaren Energien sind wetter- und tageszeitabhängigen Schwankungen unterworfen, was zur Über- oder Unterbelastung im Stromnetz führen kann. Genau hier können Batteriespeicher ansetzen und zusätzliche Netzstabilität gewährleisten, da sie innerhalb von Millisekunden reagieren können. Werden sie in der Nähe eines Solar- oder Windparks eingesetzt, können sie an Tagen mit hohem Energieüberschuss diesen Strom speichern und bei Unterkapazität zurück ins Netz geben.
Speicher erhöhen die Flexibilität im Stromnetz und helfen, Angebot und Nachfrage besser auszubalancieren. Das reduziert Netzentgelte, verbessert die regionale Versorgungssicherheit und ermöglicht den von der Bundesregierung angestrebten Ausbau der Erneuerbaren Energien.

Haben Batteriespeicherprojekte auch Vorteile für Gemeinden oder Bürger?
Absolut. Speicherprojekte bringen planbare Gewerbesteuereinnahmen für die jeweiligen Gemeinden, die gezielt für neue Investitionen und den Strukturwandel in der Region eingesetzt werden können. Auch Bürgerinnen und Bürger profitieren vom Ausbau der Batteriespeicher – spürbar sogar im eigenen Geldbeutel: Wenn weniger Erneuerbare Energien abgeregelt werden müssen und die Netzentgelte sinken, wirkt sich das langfristig positiv auf die Strompreise aus. Darüber hinaus kann ich jeder Gemeinde und ihren Bürgerinnen und Bürgern nur empfehlen, sich in einer Energiegenossenschaft zusammenzuschließen. So lässt sich demokratisch entscheiden, wie Gewinne aus den Erneuerbaren und Speichern reinvestiert werden. Das stärkt die Gemeinschaft und stellt sicher, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.
Und dennoch lahmt der Zubau von Batteriespeichern. Wie kommt das?
Es fehlen rechtliche Details, die es den Antragstellern und Netzbetreibern ermöglichen, einheitlich zu handeln. Auch eine Vereinheitlichung des Antragsprozesses wäre wünschenswert. Es bedarf bundesweit einheitlicher, digitaler und transparenter Prozesse, die Planungssicherheit für alle Beteiligten herstellen. Ohne all das erleben wir nun mit der großen Anzahl an Netzanfragen, über 400 GW, einen Engpass bei der Bearbeitung durch die Netzbetreiber. Es ist aktuell fast unmöglich, einen Netzanschluss für einen Großspeicher zu erhalten. Das führt faktisch zu einem Stillstand beim Ausbau neuer Speicherprojekte.
Sind Speicherprojekte dennoch interessant für Investoren?
Um die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeicherprojekten zu gewährleisten, ist es wichtig, auch Systemdienstleistungen wie Spannungshaltung anzubieten. Trotz einiger Hürden sehen wir, dass Speicher weiterhin interessant für Investoren sind.
Sehen Sie im schleppenden Speicher-Ausbau eine Gefahr?
Es bedarf klarer und positiver Signale für Erneuerbare und Batteriespeicher von der Bundesregierung, denn die für unsere Strominfrastruktur notwendige Speicherkapazität wird derzeit nicht gebaut. Nur wenn der Bau und Betrieb von Erneuerbaren Energien und Batteriespeichersystemen weiterhin interessant für Investoren bleiben, kann die Energiewende gelingen. Und die wiederum ist unerlässlich, um sich von fossilen Brennstoffen unabhängig zu machen und eine günstige, nachhaltige, und zuverlässige Stromversorgung zu ermöglichen.

Was tut BELECTRIC schon heute?
Wir entwickeln, bauen und betreiben nicht nur Photovoltaikanlagen, sondern auch Batteriespeichersysteme. Seit fast 25 Jahren stehen wir Investoren und Gemeinden als vollumfassender Partner für ein wirtschaftliches Gelingen der Energiewende zur Verfügung. Hierfür denken wir nicht nur unsere Projekte, sondern immer auch die Bedürfnisse aller Beteiligten, ganzheitlich.
Wo sehen Sie Ansatzpunkte, um Herausforderungen zu meistern?
Um den derzeitigen Engpass aufzulösen, ist es wichtig, dass zeitnah politische und regulatorische Prozesse geklärt werden. Bei Belectric gehen wir schon jetzt auf die Netzbetreiber, Investoren und Optimierer zu, um zu erörtern, welches Batteriespeicher-Design für alle Parteien der beste Mittelweg ist. Für uns besteht kein Zweifel daran, dass Photovoltaik und Großspeicher die Zukunft sind. Nun liegt es an der Politik, die bestehenden Hürden abzubauen und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Welche Botschaft haben Sie an Gemeinden, die ein Speicherprojekt in Betracht ziehen?
Stellen Sie aktiv geeignete Flächen für Projekte bereit und gestalten Sie Ihre Kriterien offen genug, damit gute Ideen nicht an starren Vorgaben scheitern. Als Gemeinde behalten Sie die Planungshoheit und können ungeeignete Flächen weiter ablehnen. Binden Sie Ihre Bürgerinnen und Bürger ein, denn gemeinsam entsteht Akzeptanz. Die Zeit drängt – treffen Sie mutige Entscheidungen für die nachhaltige Zukunft Ihrer Gemeinde und der kommenden Generationen.
BELECTRIC GmbH
Wadenbrunner Straße 10
97509 Kolitzheim











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