Unsere stacheligen Freunde
Fast schon auf der Roten Liste: Wie wir mit naturnahen Gärten und ein paar Tipps auch Igeln helfen können
Igel haben es heutzutage schwer. Ihre Lebensräume schwinden. Immer mehr Hecken, artenreiche Wiesen oder andere Strukturen weichen monotonen Agrarflächen oder dichter Bebauung. Zwar gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Braunbrustigel oder Westigel, wie sie genauer heißen, heute noch in Deutschland leben. Doch klar ist, dass ihr Bestand zurückgeht. Der einst so häufige Kleinsäuger steht inzwischen auf der Vorwarnliste der Roten Liste.
Aktuell leben mehr Igel in der Stadt als auf dem Land. Auch hier besteht die Gefahr, dass Populationen voneinander isoliert sind, sodass kein genetischer Austausch mehr stattfinden kann. Das schlägt sich ebenso negativ auf die Fitness der verbliebenen Igel nieder wie das knappe Nahrungsangebot. Die Tiere finden immer weniger Insekten. Im Notfall fressen Igel Schnecken, doch die bekommen ihnen nicht gut.
Zu allem Überfluss erleiden Igel oft tödliche Verletzungen, verursacht durch menschliche Aktivitäten. Schätzungsweise 500.000 Tiere verenden jedes Jahr im Straßenverkehr. Seit den vergangenen Jahren haben sie außerdem mit Mährobotern zu kämpfen. Entgegen der Aussagen vieler Hersteller erkennen diese Geräte die Tiere nicht. Igel fliehen bekanntlich nicht, sondern rollen sich zur Verteidigung ein. Das schützt sie jedoch weder vor Autos noch vor den Klingen der Maschinen. Besonders gefährdet sind Jungtiere, gerade wenn die Mähroboter in der Dämmerung und nachts fahren. Schwer verletzte Igel bekommen wir in der Regel nicht zu Gesicht, da sie sich in Verstecke zurückziehen.

Igelfreundliche Gärten schaffen ist möglich
Dabei ist es gar nicht schwer, Igeln zu helfen. Das können wir sowohl auf kommunalen Flächen als auch auf privaten Flächen tun. Grünflächen können wertvolle Lebensräume sein, wenn wir sie vielfältiger gestalten. Dann bieten sie Igeln nicht nur Nahrung, sondern auch abwechslungsreiche Strukturen als Ruhe- und Versteckmöglichkeiten.
Der Schlüssel liegt darin, Flächen naturnah zu gestalten und zu pflegen, damit diese Vielfalt auch über den Winter erhalten bleibt. Ein allzu gründlicher „Herbstputz“ räumt oft genau jene Strukturen ab, die Igel dringend benötigen. Für den Winterschlaf ab November brauchen sie Laub und Reisig, um sich daraus ein warmes Nest zu bauen. Doch auch der Erhalt von Strukturen, die den Tieren nicht direkt und auf den ersten Blick nutzen, unterstützen sie.
Gehen Grünflächen kurzgeschoren in den Winter, verlieren auch viele Insekten, die sich in Wiesen fortpflanzen, ihre nächste Generation. Igel fressen neben Laufkäfern und Würmern auch Raupen. Wer sich also um Falter kümmert, hilft zugleich den Igeln. Und wer Igeln hilft, schafft Lebensräume für viele weitere Tierarten – etwa für Amphibien oder zahlreiche Insekten, die ebenfalls Laub- und Reisighaufen zur Überwinterung benötigen.

Wie können Flächen gestaltet und gepflegt werden, damit Igel und andere Tiere profitieren?
- Im Herbst die Laubhaufen liegen lassen, Äste darunter mischen und den Haufen mit Reisig abdecken: Das bietet Igeln Platz für den Winterschlaf. Auch Amphibien, Insekten und andere Tiere können die Haufen nutzen.
- Abgestorbene Stängel stehen lassen: Diese nutzen zahlreiche Insekten als Winterquartier, sei es als Ei, Larve, Puppe oder ausgewachsenes Insekt. Daher sollten auch Wiesen nicht komplett auf einmal gemäht werden. Weil Igel Insekten fressen, profitieren auch sie davon.
- Naturnah gärtnern und zumindest an einigen Ecken Wildnis zulassen: In solchen „vergessenen“ Zonen haben Tiere Ruhe. Strukturen, etwa aus Totholz, werden gerne als Unterschlupf angenommen.
- Heimische Pflanzenarten im Garten anpflanzen: Die Insektenwelt kann diese deutlich besser nutzen als exotische Arten. Nicht nur die klassischen Bestäuber, auch Zikaden, Blattkäfer oder Heuschrecken leben an und von Pflanzen. Manche Tierarten sind spezialisiert. Sie brauchen eine bestimmte Pflanzenart, die sie nur in der mitteleuropäischen Flora finden.
- Hecken aus heimischen Gehölzen pflanzen: Sie bieten Schutz und Nahrung für zahllose Arten. Als linienförmige Habitate können sie für wichtige Verbindungen zwischen Biotopen sorgen. Das ist wichtig für den genetischen Austausch innerhalb einer Art. Durch Hecken kommen Igel auch einfacher in Ihren Garten, denn Igel sind „Wanderer“.
- Gärten nicht (durchgängig) einzäunen: Damit bleiben sie für Igel leichter zugänglich. Ist ein Grundstück dennoch komplett eingezäunt, sollten an einigen Stellen Durchschlupfmöglichkeiten geschaffen werden. Diese sogenannten „Igeltore“ müssen mindestens 10 x 10 Zentimeter groß sein.
- Gefahren für Igel minimieren: Kellerschächte sollten abgedeckt werden. An Teichen sorgen Ausstiegshilfen (Steine oder Bretter) dafür, dass ein Igel wieder schnell ins Trockene zurückfindet. Beim Mähen umsichtig fahren und auf Mähroboter verzichten. Die ersten Kommunen haben inzwischen Nachtfahrverbote für diese Geräte verhängt.
- Zu guter Letzt: Unbedingt auf den Einsatz von Gift verzichten, da es Igel über ihre Nahrung aufnehmen können. Gift hat zudem immer auch Auswirkungen auf andere Organismen. In einem naturnahen Garten – und nicht nur da – ist keinerlei Gift nötig.
Das Gute an diesen Maßnahmen ist: Wer so vorgeht, schützt damit nicht nur Igel. Auch andere Tiere profitieren davon. Und letztlich auch wir. Denn es ist inzwischen unbestritten, dass eine intakte Natur auch zu unserem Wohlbefinden beiträgt.

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Treffpunkt Vielfalt – Naturnahe Gestaltung von Wohnquartieren; Argumente, Möglichkeiten, Entscheidungshilfen“
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