Wärme aus der Tiefe wird planbar
Was Kommunen von der Fachmesse GeoTHERM in Offenburg mitnehmen können
Die GeoTHERM expo & congress in Offenburg hat sich zu einem festen Termin im Kalender vieler Kommunen entwickelt. Wer vor der Herausforderung steht, eine verlässliche und zugleich klimafreundliche Wärmeversorgung aufzubauen, findet dort nicht nur Technologien, sondern auch konkrete Lösungsansätze und Ansprechpartner. 2026 bestätigte die Veranstaltung erneut ihre Bedeutung – mit wachsender Internationalität, hoher fachlicher Tiefe und spürbarer Aufbruchstimmung.
„Die Stimmung ist euphorisch“, sagt Gabriele Weislogel, Projektleiterin der Fachmesse. „Alle sind begeistert, wie sich die ganze Branche entwickelt.“ Mit 302 (Vorjahr: 280) Ausstellern und 8688 (Vorjahr: 8522) Fachbesuchern zeigte die GeoTHERM erneut ein starkes Wachstum und ihre Bedeutung als Leitmesse der Geothermie-Branche.
Die 17.000 Quadratmeter große Ausstellungsfläche ist frühzeitig ausgebucht, zusätzliche Präsentationen finden auf dem Freigelände statt. Für kommunale Vertreter bedeutet das vor allem eines: eine hohe Dichte an Informationen – und die Notwendigkeit, ausreichend Zeit einzuplanen. Viele Besucher entscheiden sich daher bewusst für zwei Tage, um sich einen fundierten Überblick zu verschaffen.

Orientierung in einem komplexen Markt
Insbesondere für Kommunen, die sich erstmals intensiver mit Geothermie beschäftigen, bietet die GeoTHERM eine wichtige Orientierung. Die Messe hat ihr Konzept in den vergangenen Jahren gezielt weiterentwickelt. Statt einer strikten Trennung nach Anbietern sind heute verschiedene Bereiche wie Bohrtechnik, Anlagenbau, Software und Zulieferer stärker miteinander verzahnt. Das erleichtert es, Zusammenhänge zu verstehen – von der Erkundung über die Planung bis zum Betrieb.
Für kommunale Entscheider entsteht so ein Gesamtbild: Welche Technologien sind verfügbar? Welche Partner werden benötigt? Und wie lassen sich Projekte konkret umsetzen? Nicht selten ergeben sich dabei auch unerwartete Kontakte, die später in Projekten münden.
Internationale Erfahrungen als Entscheidungshilfe
Auffällig ist die starke internationale Beteiligung. „Rund die Hälfte der Aussteller kommt inzwischen aus dem Ausland wie Australien, Neuseeland, China, Japan oder den USA – darunter Unternehmen aus Ländern, in denen Geothermie bereits seit Jahrzehnten erfolgreich genutzt wird“, schildert Weislogel. Für Kommunen in Deutschland eröffnet das die Möglichkeit, von bestehenden Erfahrungen zu profitieren und Risiken besser einzuschätzen.
Das diesjährige Gastland Island hat eindrucksvoll gezeigt, wie konsequent geothermische Energie in ein Energiesystem integriert werden kann. Solche Beispiele liefern wichtige Impulse – gerade für Städte und Gemeinden, die vor grundlegenden Weichenstellungen in der Wärmeplanung stehen.
Kongress liefert belastbare Grundlagen
Parallel zur Ausstellung bietet der Kongress fundierte Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Zwei Fachkongresse zur oberflächennahen und tiefen Geothermie decken ein breites Themenspektrum ab. Die hohe Nachfrage nach den Vorträgen zeigt, wie groß der Informationsbedarf ist – auch auf kommunaler Ebene.
Im Fokus standen unter anderem neue Kraftwerkskonzepte und die Rolle von Geothermie als Bestandteil integrierter Energiesysteme. Am Beispiel der Anlage in Bruchsal wurde deutlich, wie sich Strom- und Wärmeerzeugung kombinieren lassen, und welche Perspektiven zusätzliche Anwendungen wie die Lithiumgewinnung eröffnen können. Für Kommunen sind solche Ansätze besonders interessant, weil sie Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit miteinander verbinden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf geothermischen Speichern. Erdsonden- und Aquiferspeicher könnten künftig eine wichtige Rolle spielen, um Wärme saisonal zu speichern und bedarfsgerecht bereitzustellen. Für kommunale Wärmenetze eröffnet das neue Möglichkeiten, Schwankungen auszugleichen und erneuerbare Quellen effizienter zu nutzen.

Innovation für den urbanen Raum
Wie praxisnah die Branche inzwischen arbeitet, zeigt auch der Blick auf neue Technologien. Ein ausgezeichnetes seismisches Erkundungsfahrzeug etwa wurde speziell für den Einsatz in Städten entwickelt. Es arbeitet deutlich leiser als bisherige Systeme und kann auch nachts eingesetzt werden, ohne Anwohner zu stark zu belasten. Für Kommunen, in denen Akzeptanzfragen eine zentrale Rolle spielen, sind solche Entwicklungen von großer Bedeutung.
Geothermie rückt in den Fokus der Wärmeplanung
Die Herausforderungen der kommunalen Wärmeplanung sind auf der GeoTHERM deutlich spürbar. Viele Städte
und Gemeinden stehen unter Zeitdruck, tragfähige Konzepte zu entwickeln. Gleichzeitig wächst das Interesse an der Geothermie als grundlastfähiger, erneuerbarer Energiequelle.
Die Messe zeigt: Die Technologie ist verfügbar, Projekte werden umgesetzt, und die Branche entwickelt sich dynamisch weiter. Unterstützt durch gesetzliche Rahmenbedingungen – etwa ein geplantes Beschleunigungsgesetz – könnte sich die Umsetzung künftig weiter beschleunigen.
Netzwerke als Schlüssel zum Erfolg
Neben Technik und Fachwissen bleibt der persönliche Austausch ein entscheidender Faktor. Für Kommunen ist die GeoTHERM vor allem auch eine Plattform, um mit Energieversorgern, Projektentwicklern, Bohrunternehmen und Forschungseinrichtungen ins Gespräch zu kommen. Viele Projekte beginnen mit ersten Kontakten auf der Messe und werden in den folgenden Monaten konkretisiert.
„Diese Netzwerkfunktion ist ein wesentlicher Grund dafür, dass sich die Veranstaltung seit zwei Jahrzehnten behauptet“, berichtet Weislogel. Die Messe lebt vom Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure – von Verbänden über Unternehmen bis hin zu öffentlichen Institutionen.
Ein Höhepunkt war erneut die Verleihung des Ruggero Bertani European Geothermal Innovation Award 2026 durch den European Geothermal Energy Council (EGEC). Ausgezeichnet wurde die Herrenknecht AG für den „Urban Vibro Truck“. Es handelt sich um ein speziell für urbane seismische Messungen entwickeltes Fahrzeug, das geothermische Zielstrukturen im Untergrund effizienter und mit weniger Störungen für Anwohner erfassen soll. Der Truck stand bei herrlichem Wetter und 20 Grad Temperatur im Außengelände.
„Es gibt viele Konstanten über die Jahre hinweg. Ein Marktplatz wie die Geotherm funktioniert über 20 Jahre nur im Zusammenspiel mit Partnern. Auch der Bundesverband Geothermie oder der Bundesverband Wärmepumpe sind seit Jahren vor Ort auf der GeoTHERM zu finden“, ergänzte Weislogel.
Ausblick auf das Jubiläumsjahr
2027 feiert die GeoTHERM ihr 20-jähriges Bestehen. Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung sind gegeben: Die Nachfrage ist hoch, die Themen sind aktueller denn je, und die Rolle der Geothermie in der Wärmewende wächst weiter.
Für Kommunen bleibt die Messe damit ein wichtiger Anlaufpunkt. Sie bietet nicht nur einen Überblick über den Stand der Technik, sondern auch konkrete Hilfestellung bei der Umsetzung – und damit genau das, was in Zeiten anspruchsvoller Transformationsprozesse besonders gefragt ist. [ dlu ]

Weitere Informationen unter:
https://www.geotherm-offenburg.de/de
Messe Offenburg-Ortenau GmbH
Schutterwälder Straße 3
77656 Offenburg
Telefon: +49 781 9226-0
Webseite: https://www.messe-offenburg.de/











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