Wenn der Fahrersitz im Bus leer bleibt
Was im norwegischen Stavanger gerade im Alltag startet, könnte eine Debatte hierzulande neu entfachen
Norwegens Straßenverkehrsbehörde Statens Vegvesen hat im April 2026 grünes Licht gegeben: In Stavanger darf erstmals in Europa ein autonomer Bus ohne Aufsichtsperson im Regelverkehr eingesetzt werden. Die technische Grundlage liefert das norwegische Unternehmen Applied Autonomy mit seiner Plattform xFlow für Fern- und Flottensteuerung.
Im Frühsommer 2026 soll ein autonomer Midibus des Typs Karsan e ATAK im Regelbetrieb durch das Stadtgebiet von Stavanger fahren. Die Route führt durch komplexe innerstädtische Verkehrssituationen, darunter mehrere Knotenpunkte und einen rund 800 Meter langen Tunnel. Der Bus fährt im Mischverkehr mit bis zu 40 Kilometern pro Stunde. Damit wechselt das Projekt vom Versuchsbetrieb in den Alltag des öffentlichen Personennahverkehrs.
Vom Pilot- zum Regelbetrieb
Begonnen hatte das Projekt im Mai 2022. Damals startete eine erste Pilotlinie im Zentrum von Stavanger mit Aufsichtsperson an Bord. Die Strecke war 2,6 Kilometer lang, führte an fünf Haltestellen vorbei, sowie am Hafen, durch vier Kreisverkehre und an zwölf Fußgängerüberwegen. Der Bus absolvierte täglich mehrere Umläufe im dichten Stadtverkehr.
Auf Basis der Betriebserfahrungen erweiterte die Straßenbehörde das Projekt schrittweise. Die Strecke wurde verlängert, die zulässige Geschwindigkeit erhöht und anspruchsvollere Abschnitte wie Tunnelpassagen freigegeben. Mit der Entscheidung vom April 2026 entfällt nun erstmals in Europa die Pflicht zu einer Aufsichtsperson im Fahrzeug. Stattdessen überwacht eine Leitstelle den Betrieb und greift bei Bedarf ein.

Fernbetrieb macht den Ausbau möglich
Zentral für den Regelbetrieb ist die Plattform xFlow von Applied Autonomy. Sie vernetzt Fahrzeug, Leitstelle und Fahrgäste. Mitarbeitende in der Leitstelle überwachen die Fahrt, können bei Störungen eingreifen und stehen den Fahrgästen direkt zur Verfügung. Während in der Pilotphase jedes Fahrzeug einzeln betreut wurde, erlaubt der Fernbetrieb nun einen entscheidenden Schritt: Eine Person kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig begleiten.
„Stavanger zeigt, dass autonome Busse im Alltag funktionieren“, sagt Olav Madland, CEO von Applied Autonomy. „Der Fernbetrieb macht den Einsatz ausbaufähig. Verkehrsunternehmen können ihr Angebot sichern, auch wenn Fahrpersonal fehlt.“
Bedeutung für Deutschland
Auch in Deutschland kämpfen Verkehrsunternehmen mit Personalmangel und steigenden Kosten. Gleichzeitig soll das Angebot im öffentlichen Personennahverkehr wachsen. Der Ansatz aus Norwegen zeigt eine mögliche Lösung: autonome Busse als Ergänzung zum bestehenden Netz, etwa in Randzeiten, auf neuen Linien oder in kleineren Städten.
Norwegen setzt bewusst auf den Einsatz unter realen Bedingungen statt auf abgeschlossene Tests. Der fahrerlose Regelbetrieb in Stavanger dient damit als Referenz für Verkehrsunternehmen, Behörden und Technologieanbieter in Europa.
Weitere Informationen:
www.appliedautonomy.no/portfolio

Applied Autonomy AS
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3616 N-Kongsberg
Email: [email protected]
Webseite: https://www.appliedautonomy.no/











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