Wo die kommunale Wärmeplanung jetzt steht
Gute Rahmenbedingungen im Süden / Was über Erfolg und Scheitern entscheidet
Die kommunale Wärmeplanung ist bundesweit seit 2024 Pflicht. Während Baden-Württemberg bereits auf mehrere Jahre Erfahrung zurückblickt und alle Städte in dem Bundesland mit mehr als 100.000 Einwohnern den Wärmeplan fristgerecht fertiggestellt haben, ist der Prozess in einigen Städten anderer Bundesländer noch nicht beendet, darunter in Frankfurt am Main, Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr. Der Befund zeigt: Nicht die technischen Voraussetzungen entscheiden über den Fortschritt, sondern politische Weichenstellungen, kommunale Organisation und die konsequente Umsetzung.
Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW). Nach ihren Angaben leben inzwischen mehr als 80 Prozent der Einwohnenden in Kommunen, die bereits über einen Wärmeplan verfügen oder ihn weitgehend erarbeitet haben. Es gibt insgesamt 766 Kommunen, in denen die Wärmeplanung abgeschlossen oder in Planung ist. Diese 766 Kommunen haben zusammen 9,9 Millionen Einwohner.

Früher Einstieg in Baden-Württemberg
Nach Angaben des Kompetenzzentrums Kommunale Wärmewende (KWW) verfügen inzwischen rund 1700 Kommunen in Deutschland über einen veröffentlichten Wärmeplan, deutlich mehr arbeiten noch daran. 26 Prozent der baden-württembergischen Kommunen haben bereits einen abgeschlossenen Wärmeplan. Der Unterschied zu anderen Bundesländern erklärt sich vor allem durch den frühen Einstieg Baden-Württembergs. Bayern beispielsweise folgt erst seit Inkrafttreten des Bundesgesetzes den bundesweiten Vorgaben.

Technisch gesehen ist der Süden Deutschlands im Vorteil. Bayern verfügt über gut ausgebaute Fernwärmenetze sowie bundesweit führend Anteile erneuerbarer Energie in der Fernwärme. Biomasse, Wärmepumpen und Tiefengeothermie spielen bereits heute eine wichtige Rolle. Baden-Württemberg punktet mit der frühen politischen Steuerung und inzwischen eingespielten Planungsprozessen. Baden-Württemberg und Bayern verfügen mit dem Oberrheingraben beziehungsweise dem Molassebecken nördlich der Alpen über die bedeutendsten Tiefengeothermie-Standorte Deutschlands.
„Das ist praktisch der Jackpot“, meint Riecken. Durch die im Erdinneren gespeicherte Wärme kann Strom erzeugt oder große Wärmenetze gespeist werden. Gleichzeitig profitieren beide Länder von einem starken Photovoltaikausbau. Erneuerbarer Strom wird künftig zum wichtigsten Energieträger der Wärmewende, insbesondere für Wärmepumpen. Nachholbedarf besteht weiterhin beim Ausbau der Windenergie in beiden Bundesländern.

Planung allein reicht nicht
Ein fertiger Wärmeplan bedeutet noch keine Wärmewende. „Der Wärmeplan ist eigentlich erst der Startschuss“, betont Riecken. Entscheidend sei, die Ergebnisse dauerhaft in kommunale Entscheidungsprozesse zu überführen. Sie empfiehlt feste Verantwortlichkeiten, etwa durch
Wärmebeiräte oder interdisziplinäre Steuerungsgruppen aus Verwaltung, Stadtwerken und weiteren Akteuren. Nur so lasse sich der Umsetzungsfortschritt dauerhaft begleiten.
Ein Beispiel liefert Steinheim an der Murr. Dort entsteht mit SOLNET eines der größten Niedertemperatur-Wärmenetze Deutschlands. Der Ausbau erfolgt auf Grundlage eines langfristigen Straßen- und Erschließungsplans und zeigt, wie aus einer kommunalen Wärmeplanung konkrete Infrastruktur entsteht.

Finanzierung und Kommunikation entscheiden
Viele Kommunen sehen die Finanzierung als größte Herausforderung. Nach Ansicht der KEA-BW muss jedoch nicht jede Kommune selbst Betreiberin eines Wärmenetzes werden. Neben Stadtwerken kommen Genossenschaften oder private Betreiber infrage. Kommunale Netze bieten zwar größere Gestaltungsmöglichkeiten, externe Betreiber können Investitionen erleichtern. Zentrale Versorgung über Wärmenetze gilt zudem als langfristig preisstabiler als dezentrale Öl- und Gasheizungen. Mit der anstehenden Novelle des Wärmeplanungsgesetzes gewinnt zudem die kommunale Kälteplanung an Bedeutung. Vor allem größere Städte müssen sich künftig stärker auch mit Kühlkonzepten beschäftigen – Kälte und Wärme müssen gemeinsam gedacht werden.
Ebenso wichtig ist aus Sicht der KEA-BW die Kommunikation der Ergebnisse aus der Wärmeplanung. Die Wärmeplanung dürfe nicht hinter verschlossenen Türen entstehen. Das Gesetz schreibt eine stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit und weiterer lokaler Akteure ausdrücklich vor. Denn die Wärmewende wird letztlich nicht allein im Rathaus entschieden, sondern auch von Hauseigentümern, Unternehmen und Energieversorgern umgesetzt.
KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH
Kaiserstraße 94a
76133 Karlsruhe











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