Ein Großteil der rund 500.000 Kilometer Abwasserkanäle in Deutschland muss dringend saniert werden. Der Gesetzgeber verpflichtet Betreiber, die Anlagen in Stand und dicht zu halten. Sonst drohen Umweltrisiken für Böden und das Grundwasser. Ausführungsmängel bei Bau oder Sanierung treten oft als Spätschäden auf. Mit einem baubegleitenden Controlling hingegen haben Auftraggeber Gewissheit, dass der Bau oder die Sanierung langfristig sicher und wirtschaftlich ist.

 

Wirtschaftlich und nachhaltig

Kunststoffe sind leichter und meist auch günstiger als Stahl oder Gusseisen. Bei der grabenlosen Verlegung ist die Handhabung zudem einfacher. Das betrifft die Baumaßnahmen wie auch das Fügen und Schweißen. Polypropylen- oder Polyethylen-Rohre sparen dadurch schnell 20 bis 50 Prozent. Die Kosten von Rohrverlegungen mit Polyethylen-Linern betragen etwa 42 Prozent gegenüber einer offenen Bauweise. Die durchschnittliche Nutzungsdauer nach einer Sanierung mit Kunststoffrohren entspricht mit rund 80 Jahren annähernd einer Neuverlegung. Das wirtschaftliche Potenzial von Kunststoff bei der Sanierung von Altrohren entfaltet sich besonders bei alternativlosen Trassenführungen, also wenn zum Beispiel Straßen- oder Bahnverkehr eine Neuverlegung unmöglich machen.

Werkstoffe wie Polypropylen und Polyethylen sind robust, wasserbeständig und langlebig. Das liegt auch daran, dass das Material nicht korrodiert und sich keine Ablagerungen oder Verkrustungen bilden. Polypropylen löst den bisherigen Standardkunstoff PVC bei Kanalrohren immer mehr ab. Es zählt heute zu den rohstoffeffizientesten Standardkunststoffen pro Masseneinheit erzeugtem Neukunststoff, ist zu 100 Prozent recyclebar und unterstützt damit die Entwicklung von der Linear- zur Kreislaufwirtschaft – auch in der Bauindustrie. Das Close-fit-Verfahren mit Rohren aus Polyethylen ermöglicht mit wenigen punktuellen Tiefbaumaßnahmen selbst Arbeiten in Landschaftsschutz- oder FFH-Gebieten.

 

Beim Relining wird das Kunststoffrohr mittels eines Zugkopfes durch eine vorhandene Leitung gezogen.
Beim Relining wird das Kunststoffrohr mittels eines Zugkopfes durch eine vorhandene Leitung gezogen.

 

Sicher und geprüft

Seit Ende der 50er Jahre werden Rohre aus Kunststoffen verwendet. Die erfassten Schadensraten pro Kilometer liegen zum Beispiel in der Wasserversorgung um den Faktor zehn unter denen bei Rohren aus Gusseisen. Leckagen durch Korrosion scheiden als Fehlerquelle aus. Materialbedingte Schäden wie Risse, Wurzeleinwuchs oder undichte Muffen entfallen fast vollständig.

Schweißen ist die wichtigste Verbindungstechnik für thermoplastische Rohre und Halbzeuge. Prüfverfahren gewährleisten die Qualität der Schweißnaht. Drei Punkte sind entscheidend: das Verfahren, das eingesetzte Werkzeug und dessen Handhabung. Zur richtigen Handhabung gehört auch, die äußeren Bedingungen zu berücksichtigen – etwa die Außentemperatur und die Luftfeuchtigkeit. Unter Umständen muss der Schweißer den Arbeitsplatz mit einem Zelt vor Niederschlag schützen und beheizen.

TÜV Süd Industrie Service empfiehlt eine baubegleitende Qualitätssicherung der technisch komplexen Arbeiten. Das schließt eine unabhängige Qualifizierung der eingesetzten Werkzeuge und Verfahren ein. Experten nehmen dazu Schweißmuster vor Ort ab. Sie bewerten die Schweißnähte per Sichtprüfung und mit Laboruntersuchungen. Die Proben entstehen unter den gleichen Bedingungen und mit den gleichen Maschinen und Halbzeugen. Das hauseigene Institut für Kunststoffe verfügt über zahlreiche Versuchsmöglichkeiten. Die Sachverständigen von TÜV Süd kombinieren die Vorteile zerstörender und visueller, zerstörungsfreier Prüfungen. Alle Ergebnisse und die erforderlichen Maßnahmen werden direkt mit dem Auftraggeber abgestimmt. Das sichert langfristig zuverlässige und zugleich wirtschaftliche Leitungssysteme.

Kay Engel und Frank Griebel

 

Beispiel: Die Stadtwerke München

Die Stadtwerke München versorgen 1,5 Millionen Kunden über 3200 Kilometer Leitungsnetz mit etwa 180 Litern Trinkwasser pro Tag. Seit 2012 saniert die Stadt die Leitungen und nutzt dafür Close-fit-Installationen mit Polyethylen-Rohren.

Dabei wird ein gefalteter Inliner durch das zu sanierende Rohr gezogen und dann mit Dampf in Form gebracht.

Seit 2012 wurden bereits 18 Kilometer Liner verlegt. Die Stadtwerke sparten bei der Close-fit-Installation 60 Prozent gegenüber einer herkömmlichen Sanierung. Ein Faktor dabei war, dass weniger Zugangspunkte ausgehoben werden müssen. In Einzelfällen, wie etwa der Querung einer Bahntrasse, war es besonders vorteilhaft, dass kein neuer Graben angelegt werden musste.

Zusätzlich vereinfachten die kürzeren Bauzeiten die behördliche Genehmigung und verbesserten die Akzeptanz in der Bevölkerung. Selbst an Stellen, wo ein Relining, also eine Neuverlegung, nötig war, gelang dies ohne den Verkehr in unmittelbarer Nähe zu beeinträchtigen.

 

 

Mit Hilfe von Biegeprüfungen an Parallelproben ermittelt TÜV Süd die Elastizität verschiedener eingesetzter Kunststoffe.
Mit Hilfe von Biegeprüfungen an Parallelproben ermittelt TÜV Süd die Elastizität verschiedener eingesetzter Kunststoffe.

 

Weitere Informationen und Ansprechpartner:

Die Autoren Kay Engel und Frank Griebel arbeiten am Institut für Kunststoffe der TÜV Süd Industrie Service GmbH. Die Prüfstelle ist unter anderem von Organisationen wie der BAM, DIN, DIBt, DVGW, DVS und DAkkS anerkannt.

 

Anfragen sind möglich unter:

TÜV Süd Industrie Service GmbH  –  Institut für Kunststoffe

Tel. +49 89 5190-3358,  kunststoffe@tuev-sued.de

TÜV Süd AG

Westendstraße 199

80686 München

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