Zwischen Zukunft und Pflicht: kommunale Schwimmbäder im Umbruch
Oberndorf am Neckar liefert ein Beispiel, wie eine Belastung zum Baustein kommunaler Entwicklung werden kann
Kommunale Schwimmbäder sind für viele Städte und Gemeinden weit mehr als Orte zum Schwimmen. Sie sind Treffpunkt, Lernort und Stück Lebensqualität. Gleichzeitig geraten sie zunehmend unter Druck: Steigende Kosten, alternde Infrastruktur und neue gesellschaftliche Anforderungen stellen Kommunen vor schwierige Entscheidungen.
Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen gemeinsam mit Z_punkt GmbH zeigt nun einen möglichen Ausweg – und fordert ein Umdenken: Bäder sollen nicht länger nur als Belastung der Haushalte gesehen werden, sondern als aktive Bausteine der kommunalen Entwicklung.
„Unverzichtbar für die Menschen vor Ort“
Wie wichtig Schwimmbäder für Städte und Gemeinden sind, zeigt das Beispiel Oberndorf am Neckar. Oberndorfs Erste Beigeordnete Dilek Akdeniz bringt es auf den Punkt: „Schwimmbäder erfüllen aus unserer Sicht mehrere zentrale Funktionen.“
Für sie sind es mehr als Freizeitangebote: „Sie sind Orte der Erholung für alle Generationen. Gleichzeitig sind sie unverzichtbar für das Schwimmenlernen – insbesondere für Kinder und Schulkinder – und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge und zur Sicherheit.“
Hinzu kommt ein oft unterschätzter Faktor: „Ein attraktives Bad steigert die Lebensqualität und macht unsere Stadt als Wohn- und Arbeitsort attraktiver.“
Diese Perspektive teilen viele Kommunen – auch wenn sie dafür anscheinend einen hohen Preis zahlen.
Hohe Kosten, begrenzte Spielräume
Die Realität ist ernüchternd. Viele Bäder stammen aus den 1970er und 1980er Jahren und sind entsprechend sanierungsbedürftig. Gleichzeitig steigen Energiepreise, Personalbedarf und technische Anforderungen.
Diskussionen im Landtag von Baden-Württemberg zeigen: Der Sanierungsstau ist vielerorts erheblich. Förderprogramme helfen punktuell, etwa bei energetischen Maßnahmen – doch den laufenden Betrieb müssen die Kommunen selbst stemmen.
Dabei ist klar: Kostendeckend arbeiten kann kaum ein Bad. „Sie gehören zu den freiwilligen Aufgaben einer Kommune, haben aber eine hohe gesellschaftliche Bedeutung“, sagt Akdeniz. „Wir unterstützen das Bad so lange, wie es finanziell verantwortbar ist.“ Ein Balanceakt, der politische Entscheidungen verlangt.

Bezahlbar bleiben – für alle
Besonders sensibel ist die Frage der Eintrittspreise. Einerseits steigen die Kosten, andererseits sollen Bäder für alle zugänglich bleiben.
„Ein sozial vertretbarer Eintrittspreis muss sich an vergleichbaren Bädern in der Region orientieren“, erklärt Akdeniz. Ziel sei ein „ausgewogenes Verhältnis zwischen Wirtschaftlichkeit und sozialer Zugänglichkeit“. Familien, Kinder und Jugendliche dürften nicht ausgeschlossen werden.
Ob ein Bad akzeptiert wird, zeigt sich dabei nicht nur in Zahlen. „Besucherzahlen und Auslastung sind wichtig“, sagt Akdeniz. „Aber genauso zählen Rückmeldungen aus der Bürgerschaft und Diskussionen im Gemeinderat.“ Das Bad ist damit auch ein Seismograf für die Stimmung vor Ort.
Neue Rolle: vom Bad zum Zukunftsort
Hier setzt die aktuelle Studie an. Sie fordert einen Perspektivwechsel: Schwimmbäder sollen künftig als „Ermöglicher“ kommunaler Entwicklung gedacht werden.
Das klingt abstrakt, hat aber konkrete Ansätze. Bäder können zu Orten werden, die mehrere Funktionen verbinden: Treffpunkt, Gesundheitsangebot, Lernort – und sogar Teil der Energieinfrastruktur.
Die Idee: Bestehende Stärken nutzen. Bäder verfügen über Technikkompetenz, Erfahrung im Energiemanagement und sind etablierte öffentliche Räume. Diese Fähigkeiten könnten auch in anderen Bereichen der Kommune helfen.
Mehr als Wasser: neue Nutzungskonzepte
Künftig könnten Schwimmbäder deutlich vielseitiger genutzt werden. Die Studie spricht von „multicodierten Orten“ – also Orten mit mehreren Bedeutungen gleichzeitig.
Denkbar sind:
- Räume für Gesundheits- und Präventionsangebote
- Treffpunkte für Nachbarschaft und Vereine
- kühle Rückzugsorte bei Hitzeperioden
- Bausteine lokaler Energie- und Wärmenetze
Für Kommunen eröffnet dieser Gedanke neue Perspektiven. Gleichzeitig bedeutet es auch zusätzliche Anforderungen an Planung, Betrieb und Finanzierung.

Nachhaltigkeit wird zum Schlüsselthema
Ein Bereich, in dem viele Städte bereits handeln, ist die Nachhaltigkeit. Auch in Oberndorf ist das Freibad Teil dieser Strategie.
„Bei Sanierungen prüfen wir, wie Energieeffizienz und moderne Technik integriert werden können“, erläutert Akdeniz. Ziel sei es, den Energieverbrauch zu senken und langfristig nachhaltigere Lösungen zu nutzen.
Das passt zur allgemeinen Entwicklung: Klimaschutz und steigende Energiepreise machen den effizienten Betrieb zur zentralen Aufgabe.
Förderprogramme: Hilfe mit Hürden
Unterstützung von Bund und Ländern ist für viele Projekte unverzichtbar – doch sie kommt nicht immer an.
Akdeniz beschreibt die Praxis mit deutlichen Worten: „Die Antragstellung bindet erhebliche personelle Ressourcen.“ Programme seien oft überzeichnet, Fristen kurz, Verfahren komplex.
Gerade kleinere Kommunen stoßen hier an Grenzen. „Eine kontinuierliche Investitionsstrategie ist sinnvoller als das Aufschieben von Maßnahmen“, sagt Akdeniz. Dafür brauche es jedoch verlässlichere Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie.
Risiken bleiben – Planung wird entscheidend
Sanierungen sind immer mit Unsicherheiten verbunden. Verdeckte Mängel, steigende Baukosten oder technische Anpassungen können Projekte verteuern.
Deshalb gilt: Ohne sorgfältige Planung und finanzielle Reserven geht es nicht. Gleichzeitig müssen Kommunen darauf achten, dass Einschränkungen für die Bevölkerung möglichst gering bleiben.
„Eine Schließung sollte so kurz wie möglich sein“, betont Akdeniz. Idealerweise dauere sie nicht länger als eine Badesaison.
Zwischen Anspruch und Realität
Die Zukunft der kommunalen Schwimmbäder entscheidet sich vor Ort – in Rathäusern und Gemeinderäten. Dort müssen täglich Kompromisse gefunden werden: zwischen Haushaltsdisziplin und gesellschaftlichem Anspruch, zwischen Investition und Verzicht.
Die neue Perspektive der Studie liefert dafür einen wichtigen Impuls. Sie zeigt, dass Schwimmbäder mehr sein können als ein Kostenfaktor.
Oder, wie es in vielen Kommunen empfunden wird: Sie sind ein Stück öffentlicher Raum, das verbindet – und das sich zu erhalten lohnt. [ dlu ]

Stadt Oberndorf am Neckar
Klosterstraße 3
78727 Oberndorf am Neckar











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