Die Seilbahn Koblenz, auch Buga-Seilbahn oder Rheinseilbahn genannt, ist eine Luftseilbahn über den Rhein in Koblenz. Sie wurde als Attraktion und fast ausschließlich für touristische Zwecke für die Bundesgartenschau 2011 gebaut.

Die Seilbahn Koblenz, auch Buga-Seilbahn oder Rheinseilbahn genannt, ist eine Luftseilbahn über den Rhein in Koblenz. Sie wurde als Attraktion und fast ausschließlich für touristische Zwecke für die Bundesgartenschau 2011 gebaut.

„Lasst uns eine Seilbahn bauen“

Innerhalb des ÖPNV können urbane Seilbahnen eine sinnvolle Ergänzung sein

Gemeinderäte diskutieren häufig emotional darüber, ob Seilbahnen zum Trend der modernen Mobilität gehören. Begeisterte Befürworter werden mitunter als Spinner abgetan oder als Vorreiter gelobt. Über urbane Seilbahnen, die im Gegensatz zu touristisch genutzten Bahnen ins Konzept des ÖPNV eingebunden werden, entbrennt viel Für und Wider. Stefan Tritschler, Geschäftsführer des Verkehrswissenschaftlichen Instituts in Stuttgart, ist ein profunder und um Rat befragter Fachmann unter anderem für Verkehrsplanung im schienen- und straßengebundenen ÖPNV.

Hat Deutschland für einen Erfahrungsaustausch bereits ein Vorzeigeobjekt?

Leider ein klares Nein. Aus baulicher und technischer Sicht ist das am ehesten die Seilbahn in Koblenz. Sie wurde allerdings für die Bundesgartenschau gebaut und erfüllt überwiegend touristische Zwecke.

Wer gute Beispiele sehen will, muss nach Südamerika gehen. Mit etlichen Anlagen sind dort viele Länder Vorreiter. In deren Städten gibt es ganze Netze solcher Seilbahnen, die massiv in der Nutzung des ÖPNV sind.

Die Koblenzer Seilbahn bietet für Rollstuhlfahrer und Fahrgäste mit Fahrrädern oder Rollator einen barrierefreien Einstieg.

Die Koblenzer Seilbahn bietet für Rollstuhlfahrer und Fahrgäste mit Fahrrädern oder Rollator einen barrierefreien Einstieg.

Unsere Gemeinderäte diskutieren zum Teil auch sehr kontrovers darüber …

Die Bahnen haben hohe Aktualität und wecken große Begeisterung. Das zeugt auch davon, dass sich in der Kommunalpolitik etwas tut. Aber die Entscheidung sollte rational getroffen werden, wie bei anderen Verkehrsmitteln für den ÖPNV auch. Eine Seilbahn sollte sich nach nüchterner Betrachtung einfach als besseres Konzept herausstellen. Dazu gehört zuallererst eine Nachfrage.

Nur weil eine Seilbahn neu und technisch toll ist, darf man nicht vergessen, dass sie ein Teil des ÖPNV sein muss. Sie steht zu den anderen Konzepten – Bussen und Stadtbahnen – absolut in Konkurrenz.

 

Welche Voraussetzungen gehören für die Verantwortlichen in den Kommunen weit oben auf die Prioritätenliste, bevor es in die Detailplanung geht?

In einem kleinen Ort wird man nicht an urbane Seilbahnen denken. Die erste Grundüberlegung wird sein, ob überhaupt eine passende Nachfrage vorhanden ist. Eine solche Bahn eignet sich gut, wenn Verbindungen möglich sind, die entlang einer Linie liegen, Kurven und Abzweige sind keine Option. Eine Frage ist auch, ob sich der Korridor für eine Seilbahn eignet und welche Hindernisse die Seilbahn gut überqueren könnte. Wenn diese groben Betrachtungen positiv ausfallen, kann man sich vertiefend mit dem Thema beschäftigen. Eine schöne Idee allein reicht nicht.

Ausstiegsbereich an Koblenzer Seilbahn-Station

Ausstiegsbereich an Koblenzer Seilbahn-Station

Angenommen, für Schüler oder Autofahrer wäre die Seilbahn ein Grund umzusteigen, vielleicht auch weil sie salopp gesagt „cool“ ist. Kann das ein schlagendes Argument sein?

Das kann es sein. Verkehrsmittel werden von Nutzern nicht alle als gleichwertig angesehen. Ersetzt man beispielsweise eine Buslinie ohne Abstriche durch eine Straßenbahnlinie, gewinnt man durchaus Fahrgäste. Ein Grund ist die Direktheit der Linienführung.

Es gibt Untersuchungen, die zum Ergebnis kommen, dass ein schienengebundener Verkehr attraktiver angesehen wird als ein Bus. Das hängt auch damit zusammen, dass eine Straßenbahn in der Regel schneller unterwegs ist. Ich kann vielleicht Nutzer mit einer Seilbahn ansprechen, die man mit einem Bus nicht erreicht, zumal der möglicherweise nur alle zwei Stunden fährt. Dann aber lohnt sich kaum eine Seilbahn. Hat der Bus eine hohe Nachfrage, die durch die Seilbahn gesteigert werden kann, weil er Umwege fahren muss oder auf einer bergigen Strecke langsam entlang schleicht, dann kann die Bahn ihre Vorteile ausspielen.

 

Womit kann die Seilbahn innerhalb des ÖPNV-Konzeptes punkten?

Das kann man nicht generell sagen, man muss alle ÖPNV-Möglichkeiten vor der Planung auf Sinnhaftigkeit prüfen. Zu den Nachfrageschwerpunkten gehören Park-and-Ride-Plätze, Bahnhöfe, Bildungseinrichtungen.

Einerseits ist die Infrastruktur ein Kostentreiber, andererseits hat die Seilbahn den Vorteil, dass man sie automatisiert betreiben kann.

Ein Pfeiler der Koblenzer Seilbahn

Ein Pfeiler der Koblenzer Seilbahn

Welche öffentlichen Einwände sprechen häufig gegen den Bau?

Umweltverträglichkeitsprüfungen können immer ein Thema sein. Im Vergleich mit Alternativen rufen Seilbahnen aber weniger Umweltauswirkungen hervor. Natürlich braucht man auch Fläche für Masten. Deshalb wäre es wichtig, möglichst keine bebauten Flächen beziehungsweise Privatgrundstücke überfahren zu müssen. Bei den Planungen spielen Bürgerentscheide eine große Rolle. Anwohner fühlen sich oft in ihrer Privatsphäre beeinträchtigt.

 

Wie viele Fahrgäste passen denn in eine Kabine?

In Koblenz ist Platz für zirka 36 Leute, auch für Rollstuhl und Fahrräder. Letztendlich hängt es vom zeitlichen Abstand ab, in dem Bahnen unterwegs sein werden. Mit einer Seilbahn kann man hohe Kapazitäten erreichen, 7000 Fahrgäste pro Stunde sind ohne weiteres möglich.

 

Welche Haltestellendichte ist denn sinnvoll?

Bei einer Seilbahn würde ich eine Haltestellendichte planen, wie für eine Stadtbahn. Zu kleine Abstände sind genauso wenig sinnvoll wie allzu große. 600 bis 1.200 Meter Abstand sind ein guter Richtwert.

Bei einer Flußüberquerung kann ich die Stärken der Seilbahn ausspielen. Überhaupt macht ein Nachdenken über eine Planung Sinn, wenn Gewässer oder Autobahnen überquert werden oder deutliche Höhenunterschiede bewältigt werden müssen.

Honorieren Bund und Länder ein Bauvorhaben mit Zuschüssen?

Ja, aber nur wenn es sich um eine urbane Seilbahn handelt, die dem ÖPNV dient und keine Vergnügungsseilbahn ist. In dem Fall gelten gleiche Fördermöglichkeiten wie für den Bau einer Straßenbahnlinie.

Dafür gibt es auf Landes- und Bundesebene das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Auf Landesebene sind in den meisten Bundesländern urbane Seilbahnen seit Jahren förderfähig. Die Bundesförderung ist seit Anfang diesen Jahres aufgrund der Gesetzesaktualisierung möglich. Bedingung ist der Nachweis einer volkswirtschaftlichen Sinnhaftigkeit.  [ sf ]

Zur Weltausstellung „Expo 98“ wurde die Seilbahn in Lissabon fertig gestellt und ist sinnvollerweise an die Metrostationen angebunden.

Zur Weltausstellung „Expo 98“ wurde die Seilbahn in Lissabon fertig gestellt und ist sinnvollerweise an die Metrostationen angebunden.


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13. November 2020


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