Kinder und Jugendliche beklagen sich selten, wenn sie tiefgreifend leiden. Ihre leise Not darf nicht ungehört verhallen.

Kinder und Jugendliche beklagen sich selten, wenn sie tiefgreifend leiden. Ihre leise Not darf nicht ungehört verhallen.

11. September 2023

Die leise Not der Kinder

Die Stiftung St. Franziskus und der Schwarzwald-Baar-Kreis schlagen Alarm

Es ist schlecht bestellt um Heranwachsende mit psychischen und sozialen Auffälligkeiten. Der Hilfebedarf nimmt zu. Private Träger wie die Stiftung St. Franziskus in Heiligenbronn, Kreis Rottweil, und öffentliche Träger sind sich einig, dass die Notlage groß ist. Die öffentliche Kreisjugendhilfe Schwarzwald-Baar ist alarmiert: Der Betreuungsbedarf steigt, gleichzeitig fehlen Plätze und Personal. Alle Beteiligten müssen dringend nach Lösungen für diese schwache Gruppe in der Gesellschaft suchen.

 

Besorgniserregend liest sich die Bestandsaufnahme des Kreisjugendamtes im Landkreis Schwarzwald-Baar: Enorme Steigerung der Fallzahlen im Bereich des Kinderschutzes, Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und damit psychiatrischer und therapeutischer Bedarf bei Schülern, steigende psychische Belastungen schon bei Kleinkindern, Anstieg bei vollstationärer Unterbringung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen und Belastungen des Fachpersonals in der Jugendhilfe.
Die Kinder und Jugendlichen befinden sich in seelischer Not. Sie brauchen dringend Hilfe und Unterstützung. Nicht wenige sind selbst innerhalb ihrer Familie gefährdet. „Wir verzeichnen eine stetige Fallzahlsteigerung im Kinderschutz, gleichzeitig können durch mangelnde Hilfeangebote Kindeswohlgefährdungen kaum noch abgewandt werden“, zeigt sich Jürgen Stach, Sozialdezernent im Landkreis Schwarzwald-Baar, besorgt. Hinzu kommen unzureichende Angebote im vorschulischen, schulischen und in jugendhilferechtlichen Systemen. „Präventive Sozialarbeit und klassische erzieherische Hilfen sind nicht mehr ausreichend möglich“, erklärt der Sozialdezernent. Bisherige Hilfeangebote durch freie Träger seien wegen des allgemeinen Fachkräftemangels nicht mehr kurzfristig zu bekommen.
Einer dieser freien Träger ist die Stiftung St. Franziskus, Heiligenbronn bei Schramberg, mit ihren drei Leistungsbereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe sowie Kinder- und Jugendhilfe. „Die Situation ist überaus beunruhigend“, berichtet Matthias Ries, Aufgabenfeldleiter der Kinder- und Jugendhilfe der Stiftung St. Franziskus. „Man kann es ohne Übertreibung so feststellen.“ Als freier Träger unterhält die Stiftung mehrere Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe, vorwiegend im Landkreis Schwarzwald-Baar, darunter stationäre Wohngruppen und Plätze zur ambulanten Betreuung sowie Angebote zur Unterstützung von Familien und zur Beschulung. „Wir können uns vor Anfragen kaum retten und platzen in unseren Einrichtungen aus allen Nähten“, schildert Ries die Situation. Gleichzeitig fehlt qualifiziertes Personal, was die Mitarbeiter an die Grenzen der Belastbarkeit bringt.
Die Stiftung St. Franziskus ist eines der großen sozialwirtschaftlichen Unternehmen in Baden-Württemberg mit Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderungen, für alte und pflegebedürftige Menschen sowie für Kinder, Jugendliche und deren Familien. Knapp 2400 Mitarbeitende unterstützen 5500 Menschen.

 

Im Landkreis Schwarzwald-Baar verzeichnet das Kreisjugendamt eine enorme Steigerung der Fallzahlen im Bereich des Kinderschutzes sowie eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und damit einen erhöhten psychiatrischen und therapeutischen Bedarf bei Schülern. Auch bei Kleinkindern sind steigende psychische Belastungen zu beobachten.

Im Landkreis Schwarzwald-Baar verzeichnet das Kreisjugendamt eine enorme Steigerung der Fallzahlen im Bereich des Kinderschutzes sowie eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten und damit einen erhöhten psychiatrischen und therapeutischen Bedarf bei Schülern. Auch bei Kleinkindern sind steigende psychische Belastungen zu beobachten.

 

Drohende Überlastung

Es fehlt an Plätzen zur Unterbringung und Betreuung, an Fachpersonal, an Mitteln. Öffentliche und freie Träger schlagen daher Alarm. Denn eine wachsende Zahl von Kindern und Jugendlichen erhält derzeit keine adäquate, vor allem keine schnelle Hilfe. Zahlen sind schwer zu ermitteln, aber die alltägliche Erfahrung der Jugendhilfeträger spricht eine deutliche Sprache. Sozialdezernent Stach betont: „Die drohende Überlastung in der Jugendhilfe ist nicht pessimistisch überzeichnet, sondern real und mancherorts bereits eine Tatsache.“
Die Belastungen, denen die Eltern ausgesetzt sind, schlagen auf die Jüngeren schonungslos durch und wirken sich auf Gesundheit und Entwicklung aus: Existenzangst, Migration und Flucht, psychische Erkrankungen, Suchtmittelmissbrauch und häusliche Gewalt. Die Corona-Lockdowns spielten offenbar eine große Rolle. Sie wirkten wie ein Katalysator auf die allgemein schon schwierige Situation. Der deutsche Ethikrat resümierte, dass den spezifischen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen während der Lockdowns zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

 

Um den Teufelskreis aus Belastungen und steigenden Fallzahlen in der Kinder- und Jugendhilfe zu durchbrechen, müssen schnellstens gemeinsame Lösungen her.

Um den Teufelskreis aus Belastungen und steigenden Fallzahlen in der Kinder- und Jugendhilfe zu durchbrechen, müssen schnellstens gemeinsame Lösungen her.

 

An einem Strang ziehen

Öffentliche Träger und private Träger vertreten unterschiedliche Interessen, die es auszutarieren gilt. Doch die schwierige Situation erfordert gemeinsames Handeln, darin sind sich Stach vom Landkreis Schwarzwald-Baar und Ries von der Stiftung St. Franziskus einig.
Um den Teufelskreis aus Belastungen und steigenden Fallzahlen in der Kinder- und Jugendhilfe zu durchbrechen, müssen schnellstens gemeinsame Lösungen her. „Wir Träger müssen an einem Strang ziehen, um mehr Hilfs- und Unterstützungsangebote zu schaffen“, erklärt Ries. Das deckt sich mit dem Anliegen von Sozialdezernent Stach.
Die aktuelle Krise bietet auch Chancen zu Umstrukturierungen und nachhaltigen Verbesserungen der Abläufe – und damit der Versorgung der Kinder und Jugendlichen. Das Kreisjugendamt schlägt dazu vor, die Möglichkeiten digitaler Beratung zu prüfen und die Verschlankung der zeitlich außerordentlich aufwendigen Dokumentationsprozesse. Dem pflichtet Ries bei: „Es ist notwendig, die Belastungsfaktoren für die Mitarbeitenden zu reduzieren und ihnen mehr Möglichkeiten zu schaffen, pädagogisch wirksam zu sein.“
Vielversprechende Lösungsansätze liegen beispielsweise in Umstrukturierungen, etwa in der Schaffung von so genannten Bezirksteams, das sind kleine Personaleinheiten mit kurzen Wegen, und im Aufbau eines Kriseninterventionszentrums.
Die Stärkung der Zusammenarbeit freier und öffentlicher Träger ist ein zentraler Faktor zur schnellen und gezielten Verbesserung der aktuellen Situation. „Wir haben grundsätzlich dieselbe Problematik“, sagt Ries, „uns ist daran gelegen, durch Transparenz und offene Kommunikation das gegenseitige Vertrauen und die Vernetzung zu stärken.“ Kinder sind unsere Zukunft, heißt es. „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass unsere Zukunft in Gefahr ist“, so Ries. Die Stiftung St. Franziskus und das Jugendamt des Schwarzwald-Baar-Kreises setzen sich daher mit Nachdruck dafür ein, schnelle und nachhaltige Lösungen zu finden.
Die Stiftung ist eines der großen Sozialunternehmen in Baden-Württemberg mit Einrichtungen und Diensten für Menschen mit Behinderungen, für alte und pflegebedürftige Menschen sowie für Kinder, Jugendliche und deren Familien. Knapp 2400 Mitarbeitende und viele Ehrenamtliche unterstützen 5500 hilfsbedürftige Menschen. [ dlu ]

 

Weitere Informationen:

Harald Blocher, Leiter Referat Kommunikation: Tel.: +49 7422 569-3869

harald.blocher@stiftung-st-franziskus.de


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Web. www.stiftung-st-franziskus.de

27. September 2023


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