In Lörrach ist ein Stadtquartier entstanden, das aus drei Gebäuden mit jeweils vier Stockwerken und einem mit sechs Etagen sowie einer Tiefgarage besteht. Die 87 Wohnungen kommen ohne Stufen und ohne Schwellen aus.

In Lörrach ist ein Stadtquartier entstanden, das aus drei Gebäuden mit jeweils vier Stockwerken und einem mit sechs Etagen sowie einer Tiefgarage besteht. Die 87 Wohnungen kommen ohne Stufen und ohne Schwellen aus.

29. März 2022

Klimaneutraler Wohnungsbau

Kommunale Quartierplanung muss künftig vor allem nachhaltigen Wohnraum schaffen

Im Stadtquartier Niederfeldplatz in Lörrach funktioniert die energetische Klimabilanz. Vor einem Jahrzehnt begonnen und 2013 fertiggestellt, hat die Wohnbau Lörrach die erste Mietwohnanlage Deutschlands erstellt, die für Bau und Betrieb kein Kohlenstoffdioxid (CO2) freisetzt.

„Der klimaneutrale Wohnbau funktioniert ohne Wenn und Aber“, unterstreicht Thomas Nostadt den Erfolg. Der Geschäftsführer der Wohnbau-Gesellschaft fährt fort: „Das Konzept lässt sich allerdings nicht unverändert wiederholen.“ Neue Wohnbauanlagen werden zwar mit einem ähnlichen Ziel geplant, aber die Voraussetzungen haben sich stark geändert. Quartierplanung ist schwieriger geworden. Fatal ist vor allem eine Erkenntnis: „Die Verschärfungen der Standards haben die Verbräuche nicht vermindert“, betont der Lörracher Geschäftsführer. Die Wohnbau Lörrach ist eine kommunale Gesellschaft. „Wir haben durch den kommunalen Träger eine besondere Verantwortung“, betont Nostadt.

Der Bau kostete 24 Millionen Euro. Entstanden sind drei Gebäude mit jeweils vier Stockwerken und eines mit sechs Etagen sowie einer Tiefgarage. Die 87 Wohnungen kommen ohne Stufen und ohne Schwellen aus. Im Gemeinschaftsraum können die Mieter Familienfeste feiern. Für Gäste gibt es sogar ein eigenes Appartement.

„Wir haben eine ordentliche Wärmedämmung verwendet“, erläutert Nostadt, „und haben damals den KfW55-Standard erreicht. Damit würde man heute allerdings kaum mehr als den Mindeststandard schaffen.“ Seiner Ansicht nach fahren viele falsch unter dem Label CO2-Neutralität, weil „die graue Energie beim Wohnungsbau nicht berücksichtigt wird.“ Da würden Dreifachverglasungen oder dickere Wärmedämmung verwendet, ohne zu berücksichtigen, dass der Materialeinsatz gar keinen höheren Effekt erzielt.

Moderner Wohnbereich, barrierefrei und CO2-neutral

Moderner Wohnbereich, barrierefrei und CO2-neutral

Große Hürden, klimaneutrales Bauen umzusetzen

Der Stromverbrauch in den Wohnungen ist gering, weil vom Vermieter ausschließlich Haushaltsgeräte mit besonders hoher Energieeffizienz eingebaut wurden. Die Heizung wird mit Holzpellets beschickt, die aus nicht anders verwertbarem Holzabfall hergestellt werden – eine regenerative Energiequelle. Die Sonnenenergie wird zur Warmwassererzeugung und mit Photovoltaik (PV) zur Stromerzeugung genutzt. „Damals gab es noch eine ordentliche Vergütung“, erinnert sich Nostadt. Schließlich hat die PV-Anlage eine Million Euro gekostet. Jetzt sind zwar die Preise für Solarzellen gesunken, aber die Einspeisevergütung ist noch stärker zurückgegangen. Natürlich war man neugierig auf die Energiebilanz. Das Ergebnis: Das Energieziel wurde erreicht. „Das Monitoring hat die CO2-Neutralität bestätigt“, freut sich Nostadt.

Dabei hat das Nutzerverhalten einen starken Einfluss. Beispielsweise sollte nicht unkontrolliert gelüftet werden.

In Schlafzimmern führt die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung zu relativ hohen Temperaturen, auch bei abgestellten Heizkörpern. „Weil die meisten Menschen bei kühleren Temperaturen schlafen möchten, stehen die Fenster selbst bei Frost oft dauerhaft in Kippstellung, worunter die Energiebilanz leidet. Das treibt uns in der Praxis um“, sagt er.

Aus ökologischer Intention sei die öffentliche Hand vorrangig gefordert, hochwertigen und günstigen Wohnraum mit sozialem Mehrwert zu schaffen. „Bei allen Projekten merken wir, wie schwierig es ist, nachhaltiges Bauen umzusetzen“, ergänzt Nostadt. Das Quartier Niederfeldplatz ist dafür ausgezeichnet worden: Der Bund Deutscher Architekten hat aus den großen Fenstern aus Schwarzwälder Weißtanne, den hohen Räumen und der Einbauküche das Fazit gezogen, dass gestalterische Qualität und Wohnkomfort nicht eingeschränkt werden müssen, um den Ansprüchen an nachhaltigem Bauen zu genügen.

„Das Problem beim nachhaltigen Bauen ist die Bewertung der grauen Energie“, berichtet Nostadt. Die Wohnbau Lörrach plant auf Quartiersebene, um soziale Mehrwerte zu schaffen. Allerdings gibt es keine Patentrezepte. „Wir wissen, dass fossile Energie endlich ist und teurer wird.“ Dennoch erlebt Holz im Moment eine große Nachfrage. Auch in Lörrach wurden zwei Mehrfamilienhäuser aus Holz gebaut. Allerdings ist das Bauen mit Holz häufig noch teurer, wie man bei einer kürzlich ausgeschriebenen Baumaßnahme feststellen musste. Dort war der Holzbau etwa zehn Prozent teurer als die Massivbauweise. Holzbau ist erwünscht, nicht zuletzt aus Verbundenheit mit der alten Bautradition, „aber wenn in einem Haus mit höchster Gebäudeklasse eine Sprinkleranlage eingebaut werden muss, dann funktioniert das Wohnkonzept nicht mehr.“

Innenhof des Stadtquartiers Niederfeldplatz in Lörrach

Innenhof des Stadtquartiers Niederfeldplatz in Lörrach

Nachhaltiges Bauen in Berlin

Selbst in der Bundeshauptstadt kann die Schaffung von sozialem Wohnraum funktionieren. Auf einem Areal in Berlin-Lichtenberg hat die Wohnungsbaugesellschaft Howoge ein klimaneutrales Quartier mit 99 Wohnungen errichtet. Die Hälfte der Wohnungen wird gefördert und zu günstigen Einstiegsmieten angeboten.

„Neben dem sozialen Anspruch verfolgen wir bei allen Neubauten das Ziel, einen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Intelligente Gebäudetechnik und grünen Mieterstrom setzen wir inzwischen bei fast allen Neubauvorhaben um“, sagt Howoge-Geschäftsführer Ulrich Schiller. Zwei weitere Häuser desselben Typs sind in direkter Nachbarschaft geplant. Die Klimaneutralität wird durch ein nachhaltiges Gesamtkonzept erreicht. Bei den beiden Gebäuden sei unter Mithilfe von dezentralen Trinkwasserstationen und kontrollierter Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung bis zu 82 Prozent sowie der Photovoltaikanlage eine negative CO2-Bilanz erzielt worden.

„Grundsätzlich erzeugt ein Hausbau immer Emissionen“, betont Architekt Sven Haustein von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Deshalb sollten die eingesetzten Baustoffe wenig Ressourcen bei der Bereitstellung sowie beim Bau benötigen und wiederverwendet werden können. Nachhaltiges Bauen stehe zudem für dauerhaft niedrigere Betriebskosten.   [ dlu ]

Ein Eingangsbereich des Stadtquartiers Niederfeldplatz in Lörrach von der Straße aus gesehen

Ein Eingangsbereich des Stadtquartiers Niederfeldplatz in Lörrach von der Straße aus gesehen

Weitere Informationen:

Mieterfreundliche Kostentransparenz


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19. Juni 2024


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