Regenrückhaltebecken in der Gemeinde Mühlhausen in Niederbayern

Mühlhausen in Niederbayern: Regenrückhaltebecken auf einer vorhandenen Fläche der Gemeinde

Landschaften in Wasserspeicher verwandeln

Mit kleinen Maßnahmen große Effekte erzielen: Menschen vor Hochwasser und Dürre schützen

Ausgetrocknete Bäche, Felder mit rissigen Böden: Deutschland trocknet aus. Selbst wenn es in Norddeutschland einige Male geregnet hat, so zeigen sich an vielen Orten Auswirkungen der globalen Erwärmung. Aktuell ist das Grundwasser in Deutschland noch stabil, aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist vergleichsweise das Volumen des Bodensees verloren gegangen. Ein nasser Winter kann den Verlust nicht ausgleichen. Das Land steuert auf Wasserknappheit zu, wenngleich weitere Sturzfluten zu erwarten sind. Einzelne Bundesländer verstärken die Anstrengungen, Menschen vor Hochwasser und Dürre zu schützen.

Dem Boden fehlt das Wasser. Mangelnder Bewuchs und Strukturelemente reduzieren seine Fähigkeiten, es zu speichern. Wenn Regen fällt, sucht er sich oberirdisch seine Bahn. Der konzentrierte Abfluss verstärkt die Effekte noch. Oft wird das abfließende Wasser bewusst kanalisiert, um es möglichst schnell abzuführen. Aus Sicht der Siedlungen kommt dadurch auch noch die Notwendigkeit hinzu, sie vor Sturzfluten zu schützen. Neben den Überschwemmungsgebieten an den Flüssen, die auf ein statistisch hundertjährliches Hochwasser ausgelegt sind, ist jetzt ein Umdenken erkennbar. Mit Blick auf den Boden wird der Spielraum größer, weil die Maßnahmen kleiner sein können.

Versiegelung, Nutzungsdruck und Drainagen verringern den nutzbaren Bodenraum zusätzlich. Was kann man insbesondere angesichts extremer Wetterereignisse tun? Das Wassermanagement muss dringend verbessert werden, da sind sich die Experten einig.

Wegseitengraben mit Störschwellen zur Verzögerung des Oberflächenabflusses in Goldkronach

Wegseitengraben mit Störschwellen zur Verzögerung des Oberflächenabflusses in Goldkronach

Einen eigenständigen Ansatz verfolgt die Initiative „boden:ständig“. Die Verwaltung für Ländliche Entwicklung in Bayern hat ein praxisorientiertes Herangehen zur Verbesserung des Flurwasserrückhalts entwickelt. An die Stelle hehrer Zielvorgaben ist der Machbarkeitsansatz getreten: „Wir sind an dieser Stelle freier, deshalb ist mehr möglich“, betont Thomas Corbeck. Der Koordinator der Initiative schildert das Vorgehen: „Mit den Akteuren vor Ort fangen wir an und schauen dann gemeinsam, was und wie sich realisieren lässt.“

Realisiert wurde schon eine ganze Menge. Nahezu 100 regionale Projekte sind angestoßen worden. „Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, meint Corbeck, oft braucht es gar nicht komplette Projekte, sondern es hilft die Beratung. Denn mitunter stellt sich heraus, dass das Problem schon mit kleinen Maßnahmen erleichtert werden kann. Zu Hilfe kommt sicherlich auch die große Erfahrung. Seit 2005 gibt die Initiative Anstöße für nötige und sinnvolle Maßnahmen. „Wir verfolgen den Akteursansatz und den entwickeln wir weiter“, ergänzt Corbeck. „So versuchen wir, die Gemeinden zu eigenem Handeln zu befähigen.“

Mit ganzheitlichem Denken lässt sich vieles bewältigen. „Wenn wir uns die Fließpfade des Wassers anschauen, dann können wir oft mit kleinen Maßnahmen eine Entlastung schaffen“, berichtet Corbeck. Dabei sind Ortskundige, denen die Probleme aus eigener Anschauung geläufig sind, eine große Hilfe. Mitunter erleben sie einen Aha-Effekt und sagen überrascht: Und das bisschen hilft schon?

zwei Bilder: Links: Wasserfall mit Tosbecken in Mühlhausen in Niederbayern; rechts: Wegseitengraben mit Laubrechen in Goldkronach

zwei Bilder: Links: Wasserfall mit Tosbecken in Mühlhausen in Niederbayern; rechts: Wegseitengraben mit Laubrechen in Goldkronach

Goldkronach und Mühlhausen

Eine einfache und gleichzeitig effektive Maßnahme hat Goldkronach im Landkreis Bayreuth ergriffen, als 2018 Starkregen den Ortsteil Nemmersdorf überschwemmte, weil die Abflüsse überlastet waren. Die Gemeinde suchte Kontakt zur Initiative und erhielt schon bei der ersten Begehung zahlreiche Hinweise auf Gräben, die dem Wasser zu viel Geschwindigkeit verliehen.
Bürgermeister Holger Bär wartete gar nicht auf den boden:ständig-Projektstart, sondern ließ seinen Bauhof sofort einen Graben abflussbremsend umgestalten. Das Bankett wurde mit dem Bagger abgeschoben, damit das sich auf dem Weg sammelnde Wasser breitflächig in den Graben abfließen konnte und nicht wild über den Weg abfließt und somit die Problematik noch verstärkt. Der Graben wurde zu einer flachen, begrünten Mulde umgestaltet. Bereits bei der Schneeschmelze 2021 wurden die Früchte dieser Arbeit geerntet: Der Scheitelabfluss war entlastet. Störschwellen aus simplen Natursteinblöcken dienen als Mini-Rückhalte und sorgen für eine Reduktion der Fließgeschwindigkeit sowie das Absetzen mitgeführten Sedimentmaterials.
Störschwellen in Gräben sind zwar gute Maßnahmen für den Anfang. Für nennenswerte Effekte sind in der Regel weitere Aktivitäten notwendig. In Mühlhausen wurde eine Kombimaßnahme ergriffen. Der Einlauf wurde gebremst. Ein Wasserfall mit Tosbecken zur Überwindung des Höhenunterschieds gestaltet. Auf einer vorhandenen Fläche der Gemeinde wurde ein Regenrückhaltebecken installiert.

Zu Corbecks beliebten Beispielen gehört ein Projekt, wo sich für die Zusammenarbeit ein sehr gut vernetzter Mitstreiter vor Ort gefunden hat. Er hat dem Umsetzungsbegleiter der Behörde viel Arbeit abgenommen. „Das ist ein wünschenswerter Effekt“, meint Corbeck.

Eine andere Gemeinde plante wegen hoher Sturzflutgefahr einen großen Staudamm vor dem Ort. Nicht umsetzbar, wurde befunden. Mit boden:ständig-Unterstützung entwickelten sie statt des großen Staudamms 30 kleine sowie dezentrale Rückhaltebecken mit in Summe dem gleichen Effekt – und mit der gemeinsamen Arbeit wuchs auch die Dorfgemeinschaft wieder zusammen. Im Auftrag der Verwaltung für Ländliche Entwicklung ist ein Handbuch von Dr. Simon Seibert + Prof. Karl Auerswald entstanden, das ebenso wie der Leitfaden frei verfügbar ist. Der Leitfaden wird aktuell überarbeitet. [ dlu ]


Logo der Initiative boden:ständig

Eine Intiative der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung

Infanteriestraße 1
80797 München

Ansprechpartner:
Thomas Corbeck:
Tel.: +49 89 1213-1505

Tel. +49 89 1213-1540
E-Mail. Thomas.Corbeck@bza.bayern.de
Web. www.boden-staendig.eu
Web. www.boden-staendig.eu/planungs-umsetzungshilfen

20. Dezember 2022


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

(0,00 bei 0 Person/en)

Das könnte Sie auch interessieren