Schaut nur sein Kopf aus dem Wasser, ist der Biber durchaus auch mit dem etwas kleineren Sumpfbiber (Nutria) oder mit der noch kleineren Bisamratte zu verwechseln, auch wenn letztere deutlich kleiner ist.

Schaut nur sein Kopf aus dem Wasser, ist der Biber durchaus auch mit dem etwas kleineren Sumpfbiber (Nutria) oder mit der noch kleineren Bisamratte zu verwechseln, auch wenn letztere deutlich kleiner ist.

In guter Nachbarschaft

Neues Faltblatt des Regierungspräsidiums Stuttgart zeigt Wege für ein friedliches Nebeneinander von Mensch und Biber

Ein neues Faltblatt des Regierungspräsidiums Stuttgart widmet sich einem Tier, das nicht nur auf Gegenliebe stößt. Ist der Biber an gleicher Stelle wie der Mensch tätig, kann es zum Konflikt kommen. „Der Biber ist ein aktiver Landschaftsgestalter, der Kommunen sowie Landnutzerinnen und Landnutzer regelmäßig vor Herausforderungen stellt. Er bietet jedoch auch großes Potenzial für den Umweltschutz – beispielsweise durch die Entwicklung naturnaher Gewässer. Dort, wo seine Aktivitäten die landwirtschaftliche Nutzung einschränken, hilft unser landesweites Bibermanagement“, erläutert Regierungspräsident Wolfgang Reimer.

Das kürzlich veröffentlichte Faltblatt „Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart“ informiert reich illustriert über die Lebensweise des streng geschützten Baumeisters und zeigt, wie Mensch und Tier als Nachbarn am Lebensraum Gewässer gut leben können.

 

Vor rund 20 Jahren sind die Biber nach langer Abwesenheit selbstständig in den Regierungsbezirk Stuttgart zurückgekehrt. Mittlerweise besiedeln sie wieder fast jeden Landkreis. Dämme und Gewässeraufstauungen, angenagte und gefällte Bäume: ein Biberrevier bleibt nicht unbemerkt. Für Aufregung kann der Biber sorgen, wenn er denselben schmalen Uferstreifen nutzt wie der Mensch. Seine Dämme können zur Überschwemmung angrenzender landwirtschaftlicher Flächen führen. Er gräbt unterirdische Hohlräume an Ufern, die Mensch und Maschine zum Einsturz bringen können. Wenn die land- oder forstwirtschaftliche Nutzung dicht ans Gewässer grenzt, bleiben dem Biber keine Bäume, Sträucher und Kräuter als Nahrung. Dann weicht er auf Feldfrüchte wie Mais und Rüben aus.

 

Erst anhand des breiten, abgeplatteten Schwanzes (Schwanzkelle) lässt sich eindeutig erkennen, ob es sich bei so einem Tier um einen Biber (rechts) handelt oder nicht. Typisch für den etwas kleineren Sumpfbiber (Nutria, links) sind die weißgrauen Schnurhaare und der runde, leicht behaarte Schwanz.

Erst anhand des breiten, abgeplatteten Schwanzes (Schwanzkelle) lässt sich eindeutig erkennen, ob es sich bei so einem Tier um einen Biber (rechts) handelt oder nicht. Typisch für den etwas kleineren Sumpfbiber (Nutria, links) sind die weißgrauen Schnurhaare und der runde, leicht behaarte Schwanz.

 

„Wir tun dem Biber Unrecht, wenn wir ihn ausschließlich als Störenfried sehen“, betont Reimer. Da, wo man den Biber ungestört sein Werk tun lassen könne, kehre ein Stück Natur an die Gewässer zurück. Mit der Umgestaltung seiner Umgebung bringt er Flüsse und Bäche wieder in einen naturnahen, strukturreichen Zustand. Damit schafft er nicht nur sich selbst, sondern auch für viele weitere Arten Lebensraum – ein klarer Gewinn für die Menschen. „Deshalb ist es der Naturschutzverwaltung ein wichtiges Anliegen, die Akzeptanz für diese Tierart und ihre Besonderheiten zu steigern und Menschen zu unterstützen, die von Biberschäden betroffen sind. Hier wird unser Bibermanagement aktiv“ erklärt Reimer.

 

Das landesweite Bibermanagement zielt auf die frühzeitige Beratung und Vermeidung von Konflikten und Schäden ab. Kosten für Präventivmaßnahmen wie Drahthosen zum Schutz von Einzelbäumen oder Material zur Sicherung von Ufern und Dämmen können übernommen werden. Auch die Nutzungsextensivierung von Flächen in Gewässernähe kann über die Landschaftspflegerichtlinie gefördert werden. Im Gegensatz zu Wildschäden werden jedoch keine Entschädigungen beispielsweise für Fraßschäden an Feldfrüchten gezahlt.

 

Zur Beratung steht ein landesweites Netzwerk von Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern bereit. Neben den unteren Naturschutzbehörden stehen zwei Bibermanager des Regierungspräsidiums Stuttgart mit Rat und Tat zur Stelle. Zusätzlich unterstützen mehr als 80 ehrenamtliche Biberberaterinnen und -berater in den Landkreisen vor Ort bei der Konfliktberatung der Kontakt wird über die Landratsämter vermittelt. Sie sind vielfältig im Einsatz – von der Hilfestellung beim Anbringen von Baumschutzdraht bis hin zur Exkursion ins Biberrevier. So findet sich für alle Konflikte eine passende Lösung. Das wirksamste und effektivste Mittel im Bibermanagement ist meist ein ausreichend breiter, nicht oder nur sehr extensiv genutzter Gewässerrandstreifen, der neben dem Biber auch dem Gewässer, dem Grundwasser und damit uns Menschen selbst zu Gute kommt.

 

Fraßspuren an einem Baumstamm: Weil er nicht klettern kann, um die Rinde zu fressen, fällt der Biber im Winter manchmal große Bäume.

Fraßspuren an einem Baumstamm: Weil er nicht klettern kann, um die Rinde zu fressen, fällt der Biber im Winter manchmal große Bäume.

 

Weitere Informationen zum Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart:

Das Faltblatt „Bibermanagement im Regierungsbezirk Stuttgart ist beim Regierungspräsidium Stuttgart, über den Webshop der LUBW und in den Landratsämtern kostenlos erhältlich. Spannende Informationen über den Biber bietet die Wanderausstellung „Der Biber kehrt zurück“ des Regierungspräsidiums Stuttgart. Diese ist beispielsweise alt Teil der Ausstellung „Nachhaltiges Baden-Württemberg“ vom 19. bis zum 30. Juni auf der diesjährigen Bundesgartenschau in Heilbronn zu sehen. Die Ausstellung aus acht Roll-ups und drei Vitrinen kann kostenlos ausgeliehen werden. Ansprechpartnerin für Buchungsanfragen ist Victoria Bohle (0711/904-15629, victoria.bohle@rps.bwl.de). Die Ausstellung wird dieses Jahr unter anderem auf der Bundesgartenschau Heilbronn und der Remstalgartenschau zu sehen sein.

 

Weiterführende Informationen zum Biber:

Beim NABU: https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/nagetiere/biber.html

Beim WWF:  https://blog.wwf.de/acht-fakten-ueber-biber

Bei der Deutschen Wildtierstiftung: https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/biber

 

Eine imposante Biberburg kann das Wasser in einem Bach stauen und damit seine Fließgeschwindigkeit und sogar das naheliegende Landschaftsbild ändern. An gestauten Bächen nimmt die Artenvielfalt spürbar zu.

Eine imposante Biberburg kann das Wasser in einem Bach stauen und damit seine Fließgeschwindigkeit und sogar das naheliegende Landschaftsbild ändern. An gestauten Bächen nimmt die Artenvielfalt spürbar zu.


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