Die Sindelfinger Delegation besichtigte im letzten Frühjahr unter anderem das Neubaugebiet der Stadt Annaba Drâa Errich (von links): Julian Schahl, Rachid Bougedah, Patrick Bühler und Doria Adman.

Die Sindelfinger Delegation besichtigte im letzten Frühjahr unter anderem das Neubaugebiet der Stadt Annaba Drâa Errich (von links): Julian Schahl, Rachid Bougedah, Patrick Bühler und Doria Adman.

Ungleich und doch Partner: städtische Kooperation über Grenzen hinweg

Zusammenarbeit zwischen Sindelfingen und der algerischen Stadt Annaba Drâa Errich

Seit September 2016 besteht zwischen der baden-württembergischen Stadt Sindelfingen und der ostalgerischen Stadt Annaba eine kommunale Projektpartnerschaft. Die Zusammenarbeit der beiden Städte wird durch das Projekt „Kommunaler Wissenstransfer Maghreb-Deutschland“ unterstützt.

Das Projekt wird von der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) von Engagement Global gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durchgeführt. Ziel ist es, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen maghrebinischen und deutschen Kommunen anhand der Durchführung von städtischen Projekten zu fördern.

Die mit rund 65.000 Einwohnern große Stadt Sindelfingen in der Nähe von Stuttgart arbeitet gemeinsam mit der Neustadt Annaba Drâa Errich am Einsatz geografischer Informationssysteme (GIS). Dort sollen mit einem Großbauprojekt Wohnraum für 240.000 Menschen und bis zu 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Küstenstadt wird im Sinne einer „Smart City“ entwickelt, bei der innovatives und effizientes Geodaten-Management eine wichtige Rolle spielt. Zudem legt man dort Wert auf Grünanlagen und intelligente Infrastruktur.

Für Annaba, eine der wichtigsten Hafenstädte Algeriens, ist das ambitionierte Bauprojekt von großer Bedeutung. Der Ballungsraum Annaba umfasst rund 600.000 Menschen. Eine hohe Bevölkerungsdichte in den Städten und Mangel an Wohnraum ist ein generelles Problem vor Ort.

 

Blick auf das groß angelegte Neubauprojekt Annaba Drâa Errich

Blick auf das groß angelegte Neubauprojekt Annaba Drâa Errich

 

Die Bevölkerung und insbesondere die Jugend in Algerien fordern zunehmend Modernisierungen und Investitionen. Deutlich wurde dies zuletzt in zahlreichen friedlichen Protesten im Frühjahr 2019 angesichts der Präsidentenwahlen. Algerien steht damit vor großen politischen Herausforderungen.

Gerade deshalb ist eine Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene besonders wichtig, denn der Verwaltung in Algerien kommt bei der Bewältigung der aktuellen strukturellen Herausforderungen im Land eine zentrale Rolle zu. Kommunale partnerschaftliche Beziehungen leisten hier einen wertvollen Beitrag, indem sie es ermöglichen, Wissen und Erfahrungen zu nachhaltiger Stadtentwicklung auszutauschen und dadurch gemeinsam den anstehenden Aufgaben zu begegnen. Zudem verfügen deutsche Kommunen über fundiertes Wissen in der kommunalen Selbstverwaltung, was für die Partnerstädte von hohem Interesse ist.

 

Doch wie kann angesichts der aktuellen politischen Lage in Algerien und den ungleichen städtischen Gegebenheiten trotzdem eine gute kommunale Zusammenarbeit gelingen?

„Es ist besonders wichtig, den fachlichen Austausch und den Dialog auf kommunaler Ebene zu stärken“ meint Julian Schahl, Europakoordinator bei der Stadt Sindelfingen. Den Projektpartnern in Sindelfingen und Annaba Drâa Errich ist es gelungen, sich auf gemeinsame Nenner zu konzentrieren: So gibt es in Sindelfingen eine hohe Expertise im kommunalen Geodatenmanagement und hier lassen sich konkrete Synergien schaffen. Nach Gesprächen mit technischen Experten vor Ort ist nun im Juni 2019 eine Schulung zu GIS durch Sindelfinger Vermessungsexperten in Algerien geplant.

 

Eine Sindelfinger Delegation besuchte letzten April den algerischen Generalsekretär der Region Annaba (Zweiter von rechts).

Eine Sindelfinger Delegation besuchte letzten April den algerischen Generalsekretär der Region Annaba (Zweiter von rechts).

 

Rachid Bouguedah, Generaldirektor des Bereichs Raumplanung in Drâa Errich, bewertet den Austausch als sehr wertvoll und die Kooperation mit Sindelfingen als konstruktiv. Erst im April 2019 reiste eine Delegation aus Sindelfingen nach Algerien mit dem Ziel, die fachliche Zusammenarbeit zu vertiefen. Bei der Besichtigung des groß angelegten Neubauprojektes wurde der beachtliche Baufortschritt deutlich. Anlässlich dieses Besuchs betont Patrick Bühler, zuständiger Vermessungsingenieur der Stadt Sindelfingen, dass die Zusammenarbeit auch für Sindelfingen einen hohen Mehrwert habe, denn der Erfahrungs- und Wissensaustausch vertiefe das gegenseitige Verständnis für Stadtentwicklungsthemen. Die internationale Arbeit stellt für die Stadt Sindelfingen ein wichtiges Instrument dar, sich über gemeinsame Lösungsansätze für ähnliche Herausforderungen auszutauschen.

 

Mittlerweile steht nicht nur die Arbeit zum GIS im Vordergrund. Kommunalvertreter aus Algerien erhielten bereits Einblick in den Aufbau der Sindelfinger Stadtverwaltung und es wurde eine künftige Zusammenarbeit zum Thema Abwassermanagement beschlossen.

Ein erster Austausch dazu wird im Sommer 2019 erfolgen, und die Kläranlage in Sindelfingen soll für die algerischen Fachleute als „Best Practice“ dienen.

 

Kontakt zur Stadt Sindelfingen:

Stadt Sindelfingen  –  Rathausplatz 1,  71063 Sindelfingen

Julian Schahl:   Tel.: +49 7031 94-403

j.schahl@sindelfingen.de    www.sindelfingen.de

 

Kontaktinfo zur Maghreb-Region:

Bei Interesse an einer kommunalen Zusammenarbeit mit der

Maghreb-Region informiert die Servicestelle darüber via:

maghreb.skew@engagement-global.de

Kontakt:  Nadja Bonarius, Tel. +49 228 20717-620

 

Weitere Informationen unter:

www.kommunal-global-engagiert.de 

 

 

Im Gegenzug kamen danach algerische Projektteilnehmende nach Sindelfingen, um den fachlichen Austausch weiter fortzuführen.

Im Gegenzug kamen danach algerische Projektteilnehmende nach Sindelfingen, um den fachlichen Austausch weiter fortzuführen.


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