Raumfilter in einer Schulmensa

Auch wenn Raumluftreiniger, die Erreger-Partikel aus der Luft filtern, nicht die alleinige Lösung für eine Verminderung von Infektionen bedeutet, so könnten diese zumindest in solchen Räumen, in denen wenig Maske getragen wird - wie beispielsweise in einer Schulmensa -, die Virenlast reduzieren. Allerdings müssen dafür drei Voraussetzungen erfüllt sein.

Raumluftreiniger – drei wichtige Kriterien

Die Entscheidung für den passenden Raumluftreiniger ist für Laien schwierig, zu unterschiedlich sind die Meinungen und die Angebote ein Dschungel

An der Universität der Bundeswehr München forscht der Physiker und Professor Christian Kähler, Leiter des Instituts für Strömungsmechanik und Aerodynamik, mit seinem Team nach Möglichkeiten, die Aerosole und damit die Viren aus der Raumluft zu filtern, um höchstmöglichen Infektionsschutz für geschlossene Räume zu erreichen. In einem Gespräch mit unserer Redaktion begründet er, warum Raumluftreiniger dabei eine wichtige Rolle spielen können.

 

Herr Professor Kähler, Hersteller bewerben ihre Geräte mit wohlklingender Aussicht auf gute Luft und Gesundheit. Vom Discounter bis zum Fachhändler ist für jede Geldbörse was dabei. Mitunter heben Befürworter Raumluftgeräte auch aufgrund einfacher Handhabung auf den Sockel der Allheilmittel. Dem gegenüber stehen Skeptiker, zu denen auch das Umweltbundesamt gehört, die ihren Fokus auf das Thema Lüften lenken und dazu umfassende Anleitungen geben. Beide haben den Infektionsschutz im Blick.
So einfach – zu einfach?

C. Kähler: Man muss das differenziert betrachten. Zum Thema Lüften haben Messungen in unseren Laboren ergeben, dass selbst bei Wind zwei gegenüberliegende Fenster im Prinzip dauerhaft geöffnet sein müssten, um für ausreichend Sicherheit vor einer indirekten Infektion zu sorgen. Eine einseitige Fensterlüftung funktioniert deutlich schlechter, da werden viele offene Fenster benötigt.

Die allgemeinen Lüftungsempfehlungen, beispielsweise für Klassenräume, sind daher nicht ausreichend in der Praxis.

 

Raumluftfilter für den Gebrauch in Gebäuden mit vielen Menschen: Prof. Dr. Christian Kähler von der Universität der Bundeswehr München empfiehlt ausschließlich Profigeräte.

 

Dann haben Befürworter recht, dass man nur Geld in die Hand nehmen müsse und die Lösung für hohen Infektionsschutz sei nahe? Sind alle Geräte in der Lage, die mit Viren belasteten Aerosole aus der Luft zu filtern und so die Infektionsgefahr zu senken? 

Weder die eine noch die andere Meinung ist für sich allein richtig. Unsere wissenschaftlichen Laboruntersuchungen zeigen, dass es sinnvolle und weniger sinnvolle Geräte gibt. Generell sollte man für den Einsatz im öffentlichen Leben nach professionellen Geräten suchen, die drei wichtige Kriterien erfüllen: Erstens sollten diese Geräte einen zertifizierten Schwebstofffilter der Klasse H13 oder H14 verwenden. Kriterium zwei bedeutet, dass das Gerät leistungsmäßig in der Lage sein muss, das Sechsfache des Raumvolumens pro Stunde zu filtern. Also, wenn ein Raum mit 200 Kubikmetern gereinigt werden soll, muss der Reiniger 1200 Kubikmeter Luft pro Stunde filtern können. Drittes und wichtiges Kriterium ist die Lautstärke. Das Gerät sollte leiser als 52 Dezibel A sein. Wer diese Kriterien berücksichtigt bekommt auch das richtige Gerät.

 

Bedeutet das für Büros, Klassenzimmer und Arztpraxen salopp gesagt, die Hoffnung auf einen normalen Alltag ist damit schnell erfüllt?

Keinesfalls, auch Raumluftreiniger sind nur Teil eines Gesamtpaketes für den Infektionsschutz in öffentlichen Räumen, sie haben allerdings einen sehr positiven Anteil, denn sie greifen bei der indirekten Infektionsmöglichkeit sinnvoll an.

 

Wie sähe Ihr Gesamtpaket für höchstmöglichen Schutz vor Ansteckung aus?

Es gibt ja zwei Möglichkeiten, sich zu infizieren, entweder durch eine hohe Virenlast in der Raumluft oder durch direkte Übertragung über kurze Distanz. Ein Beispiel: Die Möglichkeit der indirekten Infektion besteht durch die ausgeatmeten Aerosolpartikel, die sich im Raum verteilen. Auch auf eine Distanz von fünf Metern kann man sich infizieren. Davor schützt ein mobiler Profi-  Raumluftreiniger, der aber die direkte Infektion nicht in den Griff bekommt. Große Abstände sind in Schulen kaum möglich.

Deshalb müssen zwischen den Schülern zusätzlich transparente Schutzwände dafür sorgen, dass sie sich nicht auf direkte Art und Weise infizieren können. Stehen die Schüler auf oder gehen in die Flure, werden FFP2-Masken aufgesetzt. Das betrifft auch die Lehrer. International gilt zum Beispiel, wenn man sich mit einem einfachen Mund-Nase-Schutz über 1,5 Meter Abstand mit einer infizierten Person unterhält, dann sollte das nicht länger als eine Viertelstunde pro 24 Stunden sein. Mit dem Schutzkonzept kann man die Zeit um Stunden verlängern.

 

Christian Kähler untersucht die Wirksamkeit von Plexiglasscheiben, um zwei nebeneinander sitzende Personen – wie etwa in Schulen – vor Direktinfektion zu schützen. Die Aerosole werden durch Nebel simuliert und mit einem Laserstrahl sichtbar gemacht.

 

Die bekannten Regeln sind normalerweise unstrittig. Aber was bewegt Kritiker, wenn es um den Einsatz von Raumluftreinigern geht?

Die Stiftung Warentest hat lediglich billige Produkte getestet, die allenfalls für den Privatgebrauch taugen. Man muss sich klarmachen, es geht um Gesundheit und es macht keinen Sinn das Billigste für Bereiche zu kaufen, in denen Mitarbeiter oder Besucher geschützt werden müssen. Die Profigeräte scheiden nicht nur Viren ab, sondern auch Feinstaub, Asbest und Pollen. Das Raumklima wird also besser. Deshalb sind Raumluftreiniger nicht nur eine Anschaffung für die Pandemie. Nicht wenige Kritiker machen aber die Geräte madig, indem sie es als Nachteil sehen, dass man das relativ ungefährliche Kohlendioxid damit nicht aus dem Raum bringt. Das ist in den meisten Fällen richtig. Aber Kohlendioxid ist doch nicht unser Problem, es macht wie schon immer vor allem müde. Aus meiner Sicht ist das aktuell nicht relevant. Warum behandeln wir das Kohlendioxid nicht wie früher, also ab und zu Fenster aufmachen. Das wäre nicht störend oder unbehaglich. Denn durch ständiges Lüften werden auch die entstehenden Raumtemperaturen ungemütlich, für die es eine Verordnung gibt. Und das Lärmproblem – wie manche zu bedenken geben – löst im Notfall ein zweites Gerät. Mit einem guten Gesamtkonzept habe ich maximalen Gesundheitsschutz, immerhin filtert ein H14-Filter 99,995 Prozent der Viren aus der Raumluft. Das ist ein starkes Argument für einen sinnvollen Raumlüfter.

 

Dieses Interview führte Steffi Findeisen. [ sf ]

 

 

Weitere Informationen und mögliche Anbieter:

https://www.energie-experten.org/news/mobile-luftreiniger-welche-geraete-helfen-gegen-corona

 

Ein weiterer Themenbeitrag hierzu:

Raumluftreiniger als Gesundheitshelfer


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